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pr. 100 fl, ausgelegt 91 fl. An Stempel-, Aviso- und Geldbriefegebühren 29 fl.Für Canzlei-Ersordernisse 43 fl. Summa der dießjährigen Ausgaben 16,172 fl.
Diese neue Blüthe am Baume der katholischen Kirche: Der Verein der un-befleckten Empfängniß Mariä zur Unterstützung der Katholiken im Orient, diezu so schönen Hoffnungen für die Ausbreitung der kathol. Religion im Orientberechtigt, stimmt gewiß jedes gläubige Herz zu heiliger Freude und erfüllt esmit den innigsten Segenswünschen für das Land, in welchem sie sich entfaltet:für das glaubenseifrige Oesterreich und sein frommes Kaiserhaus!
Eine neue Predigtmethode in Amerika .
Es wird eine Zeit kommen, wo die Leutesich selber Lehrer aufladen, die predigen,wonach ihnen die Ohren jucken.
(St. Paulus, 2 Tim. 10.)
Unsere Sectenprediger sind schon seit längerer Zeit in größter Verlegenheit,was sie ihren Schafen vorpredigen sollen. Jahr ein Jahr aus haben's über denPapst, über'» Bibelverbot in der katholischen Kirch', über's Cölibat , über dieKlöster, über die Beicht, über's Fegfeuer, über die „Anbetung" Mariä und derHeiligen und so weiter und so weiter sich auf der Kanzel Sonntags ereifert;aber die Sach' zieht jetzt nicht mehr und eckelt an, nach dem bayerischen Spruch:Was zu lang währt, laut't nicht schön. Das Gähnen und zuletzt gar noch derKirchenschlaf kommt über Männlein und Fräulein, zumal in den comfortabelgepolsterten Kirchstühlen, und der Reverend Prediger hat höchstens noch einpaar alte Weiber vor sich, die ihm mit gespannter Aufmerksamkeit zuhören.Diesem Uebelstand abzuhelfen, sind manche Prediger auf den Einfall gerathen,die Politik mit hineinzuziehen und auf die Kanzel zu stellen. So hat sellerHenry W. Beecher in Brooklyn den Kossuth, gottseligen Andenkens, einmal sei-nen andächtigen Schafen vorgestellt, und ihn als den Messias des 19. Jahrhun-derts promulgirt. Das zog, da kam Alles gelaufen. Später hat selbiger Pre-diger das blutende Kansas auf die Kanzel mitgenommen und ausgerufen: LccoKansas — sieh, wie jämmerlich Kansas gemartert tvird von der Democratie!Zuletzt aber kam der John Brown dran. Dieser „Märtyrer" der Freiheit figu-rirte in der neuesten Zeit in sehr vielen protestantischen Kirchen, und das zogSchaaren von Zuschauern an. Da nun aber auch dieses Feuer bald wieder sichabkühlte, und die alte Langeweile jetzt wieder ihr Medusenhaupt in die prote-stantischen Tempel und „Meeting"-Häuser hineinzustecken anfängt, so ist einPrediger, Rev. Corbett von der Methodistengemeinschaft, auf einen interessantenEinfall gerathen, und hat vorigen Samstag in den Zeitungen angekündigt, daßer am darauffolgenden Sonntag Abends in der Kirche an der Ecke von Broomeund Green St. eine Predigt halten wolle für die Diebe und Huren (IbievasSN(! Ilarlots) der Stadt Neuyork. Da hätte nun Jemand das Gelaufe sehensollen vorigen Sonntag. Wie der hiesige „Herald" berichtet, so war schon einehalbe Stunde vor dem Anfang der Predigt kein Platz mehr zu finden. Gent-lemen und Lädies, meistens den sog. „respectabeln" Classen der Gesellschaft an-gehörend, drängten sich mit neugieriger Hast in die Kirche. Ein Geheimpolizist(Spitzel), der den Reporter des „Herald" begleitete, bemerkte demselben, daß erim Ganzen nur vier stadtbekannte Ilarlots anwesend sehe; von den (in der Diebs-gallerie abconterfeiten) Püievvs aber nicht einen einzigen; trotzdem daß derPrediger hatte publiciren lassen, diese beiden Sorten sollten nur beherzt kommen,die Polizei werde sie nicht incommodiren. Die Rede für die genannten Sünderund Sünderinnen, wie das vorausgehende Gebet wurden häufig mit den Zurufen