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„Amen" unterbrochen. Nach der Predigt und dem Singen einiger Verse gingdie ganze Versammlung ruhig auseinander. Bei'm Hinweggehen aber (wie der„Herald" berichtet) nahm ein Jeder von den Männern seine Taschen wohl inAcht, da ja im Gedränge ein naher Dieb leicht manipuliren konnte, und dieDamen straften mit einem strengen Blick jedes Mannsbild, das etwas zu starksie anglotzte, um nicht für Ilarlok gehalten zu werden. Daß solcher Humbugübrigens nur demoralisirend einwirken kann, das liegt auf klarer Hand. KeinWunder, daß die protestantischen Sectentempel immer leerer werden.
(N.-Y. K.-Z.)
Ein Zug von Sixtus V.
Sirius der Fünfte erinnerte sich als Papst Anfangs ganz und gar nichtmehr eines Advocaten, mit dem er in der vertrautesten Freundschaft gelebt hatte,als er noch Franziscanermönch gewesen. Der ehrliche Advocat ward krank, undin seinen äußerst dürftigen Umständen fehlte es ihm durchaus an jeder Art vonPflege und Erleichterung. Ganz von ungefähr brachte seine alte Wirthin denpäpstlichen Leibarzt zu ihm, eben durch ein solches Ungefähr erwähnte der Leib-arzt der Krankheit des Advocaten beim Papste und sagte, daß er die große Dürf-tigkeit des Mannes für die Ursache seiner Krankheit halte. Sixtus lenkte dasGespräch auf etwas anderes. „Apropos, sagte er den folgenden Tag zu demLeibarzt, wißt Ihr, daß ich mich auch mit Receptverordnen abgebe? Ich denke,das meinige wird nicht unwirksam gewesen sein, Ihr spracht gestern von demarmen Jurinaz; ich erinnere mich jetzt schon mit Vergnügen daß ich diesen armenMann ehedem recht gut gekannt habe, ich habe ihm Kräuter zu einem trefflichenSalat geschickt, die ihn wahrscheinlich gesund machen werden." „Salat? HeiligerVater! in der That, die Curart ist ganz neu!" „Sagt dem Jurinaz," erwiderteder Papst lächelnd, daß er in Zukunft keinen andern Arzt als mich brauchen soll;diese Kundschaft schnappe ich Euch weg. Der Arzt, der nicht erwarten konnte,wie die Cur abgelaufen sein würde, verfügte sich eiligst zu seinem Kranken, dener auch wirklich ganz hergestellt fand, worüber er denn nicht wenig stutzte. —„Zeigen Sie mir doch den Salat, den Ihnen Se. Heiligkeit geschickt hat; ichmuß doch die Natur dieser wunderthätigen Kräuter kennen lernen." „Ja!" ver-setzte der Kranke mit sichtbarer Zufriedenheit, „sie sind in der That wunderthätig;ich bin überzeugt, daß Ihre ganze Heilkunst keine so glückliche Cur macht." Nunbrachte der Advocat einen Korb mit gewöhnlichen Kräutern zum Vorschein.„Was," davon wären Sie besser geworden?" — „Untersuchen Sie nur etwas ge-nauer, tiefer unten liegt die rechte Panacee!" Der Arzt that es und fand einesehr ansehnliche Summe Zechinen. — „Solche Mittel können wir unsern Krankenfreilich nicht verschreiben." — Er ging zum Papst. — „Heiliger Vater, Siehatten wohl recht, Sie sind der geschickteste Arzt von der ganzen Welt." Sixtusantwortete: „Ich behandle aber nicht alle meine Kranken nach dieser Methode." —Die Geschichte ist sprichwörtlich geworden. Wenn man von Jemanden redete,dem mit Geld geholfen wäre, so sagte man: ihm fehlt ein Salat von PapstSixtus dem Fünften.
D e n k f p r ü ch e.
1. Was nützt es, wenn Jemand katholisch glaubt und heidnisch lebt.
2. Wehe demjenigen, der die Gesundheit mehr als die Heiligkeit liebt.
Rrdaclion uno W-rlag: I)r. M. Huttlcr. — Druck von I. M, «l-inle.