Frömmigkeit und Zerknirschung sich, wie gewöhnlich, mit Pomeranzen, Confect,Ligueurs, Gefrorenem und anderen Erfrischungen reichlich versahen, die von Handzu Hand bereitwilligst gereicht wurden; endlich auch, welche Zeichen der Zu-oderMißstimmung bemerkt wurden, das Stillschweigen oder das Gesumme, nach denverschiedenen Eindrücken, welche die Predigt hervorbrachte.
Ihre Leser werden vielleicht Aergerniß nehmen an einer solchen Art undWeise, den Tag des Herrn zu heiligen; auch Lord Dungannon aUerirte sich dar-über und erhob Klage im Parlamente; allein der Pseudobischof von London tratallsogleich als Vertheidiger auf, und der sehr fromme Pseudoerzbischof von Can-terbury bemerkte scharfsinnig mit Gamaliel daß, wenn diese Neuerung nurMeu-schenwerk sei, sie alsbald verschwinden werde; komme sie aber von Gott, soll manihr kein Hinderniß in den Weg legen.
Den Eiferern ist es aber noch zu wenig, die Theater als Kirchen zu ge-brauchen, sie ersannen noch ein Mittel, welches für einige Zeit wohl zweckdienlichsein mag, inzwischen aber schneller als ein anderes den Ruin des Protestantismusdurch Anbahnung des völligen Jndifferentismus herbeiführen wird. Sie sendennämlich nach allen Seiten Missionäre mit dem Auftrage aus, alle Diejenigen,bei denen sie noch einen Funken religiöser Anwandlung vermuthen können, zuden Versammlungen einzuladen, welche im Stadthause gehalten werden, wo sichAlle, jeden Unterschied im Dogma oder Ritus beiseits lassend, zum gemeinschaft-lichen Gebete vereinen. Beim ersten Anblicke möchte es wirklich scheinen, daßdie religiöse Vereinigung in England wiedererstanden sei, und mit derselben auchFrömmigkeit und Eifer; denn nicht blos an allen Straßenecken und an den Thorender gottesdienstlichen Gebäude der verschiedenen Seelen sieht man die Einladungs-zettel zur religiösen Versammlung im Saale des Stadthauses angeheftet, sondernfast in jeder Kneipe bekömmt, man dieselben zu lesen, und sie machen keinen ,Unterschied zwischen einem Methodisten oder einem Ouäcker, einem Baptisten odereinem Unitarier, einem Schwedenborgianer oder einem Congregationalisten. Be- !gebt ihr euch nun hin in -jene Versammlung, so werdet ihr staunen nicht blosüber die außerordentliche Anzahl der Andächtigen, sondern über die Cordialität,mit welcher Personen von so entgegengesetzten religiösen Ansichten und Meinungeneinander begegnen. Wie ihr aber einmal die Predigt gehört, so werdet ihr gleicherkennen, daß die ganze religiöse Einigkeit darin besteht, nichts zu glauben unddie kath. Kirche zu hassen. Dies ist das Ziel, welches die verschiedenen religiösenAssociationen, welche in neuester Zeit gleichsam als Nachässung der zahlreichenim Schooße der hl. Kirche blühenden kathol. Vereine unter den Protestanten sichgebildet haben, verfolgen. Unter anderen führt eine derselben den Titel: „Asso-ciation der Jünglinge". Vor wenigen Tagen sah man an allen Straßeneckenvon Cardiff große Zettel angeheftet, worin die Mitglieder dieser Gesellschaft zueiner Reihe von Predigten eingeladen wurden, welche während der Fastenzeitvon tüchtigen Rednern gehalten werden. In meiner Neugierde las ich den ganzenInhalt der Ankündigung, und ich entnehme nicht ohne Verwunderung, daß dieerste Predigt von einem anglikanischen Prädicanten, die zweite in der Capelle ,
der Baptisten, die dritte in jener der Unitarier gehalten werden sollte. DieMethodisten werden die Ehre der vierten haben, und so wurden die Jünglingeeingeladen, die Schriftauslegung nach den Ansichten der verschiedenen Secten derReihe nach anzuhören. Ich sagte, nicht ohne Verwunderung; denn bisher galtenden Anglicanern die Dissidenten für Ketzer, und sie wollten mit ihnen keine Ge-meinschaft Pflegen; nun aber ist es offenbar, daß sie alle miteinander gemeinsameSache machen, und daß der Protestantismus am Vorabende ist, das zu werden,was er in seiner innersten Wirklichkeit ist, ein reiner Deismus . Inzwischen lenktes auch die Vorsehung, daß die Puseyiten, welche sich schmeichelten, die Ueberzeu^gung zu begründen, die anglicanische Kirche sei ein Ast der katholischen, fast