der Nev. Mr. V. Brock mit einer geistlichen Ansprache vor sie hin. Er sprachfür seinen Zweck vortrefflich. Wenn er keine Achtung vor der Versammlung aus-drücken konnte, so drückte er seine Achtung vor dem aus was sie sein sollten, ja seinwürden, im Augenblick da sie es wollten. Ihm folgte der Hon. und Rev. Mr.Baptist Noel mit einer schlichten Beschreibung des Lebenslaufes einer tugend-haften Frau. Viele schluchzten. Die Mehrheit, welche gleichgiltig blieb, verhieltsich ruhig, da die Beachtung und das schonende Entgegenkommen Allen wohlthat.Schließlich versprach man jeder einzelnen genügende Beihilfe zur Begründungeines neuen Lebens, und das Meeting trennte sich, nicht ohne eine Hoffnungauf gute Frucht in den Herzen feiner Veranstalter zurückzulassen. In Deutsch-land wäre es wohl nicht denkbar, daß Männer von so reinen Zwecken und so ernstemSinne sich eines derartigen weltlichen Mittels, gleichsam einer Begleichungund Ueberraschung der Sünde, bedienen würden, um ihre christlichen Ziele zufordern."
Gebt mir gute Mntter und ich bekehre die Welt.
Andreas Corsini , ein Sohn des Nikolaus Corsini und dessen Gattin Pere-grina, war in Florenz im Jahre 1302 geboren. Obschon er im Elternhausestets Gutes gehört und gesehen, so schied er doch frühzeitig von der Bahn desGuten und überließ sich, dem Beispiele wüster Genossen folgend, vielen Aus-schweifungen. Statt Freuden bereitete er seinen Elken: Kummer und Schmerz.Es herrschte nur Trauer in ihrem Palaste, nur noch die Stille des Grabes, vonSchluchzen und Seufzen der schwer betrübten Mntter unterbrochen. Mit wahr-haft christlicher Sanftmuth suchte Peregrina ihren Sohn auf den Weg des Heilszurückzuführen; doch jedes Wort, jede Bitte floh wie Windeswehen, ohne eineSpur zurücklassend, unwirksam an seinem Herzen vorüber. Peregrina, überwältigtvon ihrem Weh, legte nun alle Pracht der Kleidung, wie sie ihrem vornehmenStande gebührte, ab und hüllte sich in Trauerkleider. Stundenlang kniete sievor dem Bilde der schmerzhaften Mutter Gottes iu der Karmeliterkirche undflehte um Fürbitte bei Gott für die Bekehrung ihres armen, unglücklichen SohnesAndreas. Die Stätte, wo sie in Andacht versunken zu weinen pflegte, zeigtesich jedesmal von unzähligen Thränen benetzt.
Eines Tages begegnete Andreas zufällig seiner Mutter in den Trauerklei-dern, als sie eben durch die Karmeliterkirche schritt. Er sah ihre rothgeweintenAugen, bemerkte ihre blassen Wangen und ihr sichtbares Gcbcugtsein. Stummgab er ihr das Geleite. Ihr Anblick-Hatte ihn betroffen gemacht. Ihr Schweigenaus dem Heimwege drückte ihn noch mehr. In der Behausung angelangt, sagteer endlich: Aber liebe Mutter, du trauerst ja. Es muß Jemand in unsererFamilie gestorben sein, weil ich Dich in diesem dunklen Anzüge erblicke. Warumhast du mir diesen Sterbefall nicht angezeigt? Auch ich hätte dann, wie es sichziemt, Tranerkleider angelegt. — Ja, mein Sohn, es ist Jemand in unsererFamilie gestorben, aber nicht den Tod des Leibes, sondern den Tod der Seele.Und dieser Gestorbene List — du. Denn durch dein lasterhaftes Leben, das duseither führst, bist du todt für Gott und Seligkeit. Und um diesen deinen ent-setzlichen Tod traure und weine ich Tag und Nacht, aber ich bete auch Tag undNacht^ daß Gottes Huld nud Gnade dich erwecken und erleuchten möge, daß duvor meiner Sterbestunde noch auferstehen mögest zum Leben in Christo und dannich zu deinem ehrwürdigen Baker in Frieden in die Ewigkeit hinübergehen könne IAch du bist wohl der Wolf, den ich ehedem im Traume gesehen habe.
Durch Liese Worte fühlte sich Andreas tief erschüttert. Er wurde unruhig,griff nach der Hand seiner Mutter und bat sie, ihm diesen Traum zu erzählen.