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Die Frau erwiderte zerstreut: Wie sagst du?
Der Meister: Du sollst dich auch einmal freuen, sollst auch einmal sagen:Gottlob, daß der Korb fertig ist!
Warum sollte ich denn das sagen? fragte sie.
Und er: Warum? Das ist eine Frage! Ich freue mich, ich sage es; dusollst dich auch freuen, sollst es auch sagen!
Sie: Ja, du bist mir ein Mensch! Was geht mich dein Korb an? Ichhabe ja nicht daran gearbeitet!
Er: Was dich mein Korb angeht? Muß ich dich nicht mit meiner HändeArbeit ernähren? Wird dieser Korb uns nicht ein gutes Stück Geld einbringen?
Sie: Freilich, über das Geld, das du von dem Gewinne mir gibst, willich mich freuen; aber mit deinem Korbe schweig' nur still!
Er: So thue es mir zum Gefallen.
Sie: Ach, sei kein Narr! Wenn ich meine Wäsche gewaschen habe undam Ende spreche: Gottlob, daß ich mit der Wäsche fertig bin, sprichst du mirdann nach: Gottlob, baß ich mit der Wäsche fertig bin? Lass' die Dummheiten!Thue du deine Sachen und freue dich über das Deinige; überlast' mir meineSachen, und ich will mich freuen über das Meinige.
Der Mann konnte sie durch Bitten nicht bewegen, nicht durch Drohungen,nicht durch Schelten. Es entspann sich ein hitziges Wortgefecht, und nach diesementbrannte der heftigste Krieg, und Hand und Fuß arbeiteten, als ich in'sZimmer trat. Nachdem mir der Mann dies erzählt hatte, nahm ich die Frauvor. Sie theilte mir dasselbe mit, suchte aber mit großer Erregtheit ihr Be-nehmen nicht nur zu entschuldigen, sondern auch als vernünftig und recht dar-zustellen und klagte bitter über die Gefühllosigkeit ihres Mannes und über dasgrobe Benehmen desselben. Was sollte ich beginnen? Jcy gedachte den Streitzu schlichten und den Frieden wieder herzustellen und bat deßhalb die Frau, denWunsch ihres Mannes zu erfüllen, es sei ja nur eine Kleinigkeit. Sie weigertesich. Ich suchte sie zu überreden und brachte, nachdem sie der Mann mit schönenArgumenten nicht hatte überzeugen können, Argumente all twminom, -,ct tominam,all angkllim vor, und als ich ganz fest glaubte, sie sei erweicht, drängte ich siewiederum, sie sollte doch nur einmal sagen: Gottlob, daß der Korb fertig istlUnd wissen Sie, was sie erwiderte? Lieber will ich mich rädern und Vier-theilen lassen! So erklärte sie. Und der Mann, dem ich Nachgiebigkeit predigte,wollte nicht nachgeben, sondern bestand mit Gewalt auf seiner Forderung undschrie: eher sollte die Erde zu Grunde gehen, ehe er auch nur ein Wort vonseinem Verlangen zurücknähme! Ich merkte, es ging mir schlecht ab mit demFriedensstiften, ich muß das leider bekennen. Ja noch mehr. Ich sorgte fürmein eigenes Leben, nahm die Flucht, und während der Kamps wahrscheinlichwieder in voller Blüthe steht, sitze ich hier wohlbehalten an der Seite meinerlieben Frau, mit der ich mich noch nie gescholten habe. Und ich freue mich, daßmeine Anna nicht so ist, wie die Frau des Korbmachers.
(Schluß folgt.)
Rose nnd Dorn.
6. Eine Heilige war gezwungen, ihrer Pflicht der Mildthätigkeit nur imstrengsten Geheimen zu genügen, da sie einen hartherzigen und jähzornigenGatten besaß. Einstmals jedoch begegnete ihr derselbe, als sie gerade einen Korbvoll Brod einer dürftigen Familie bringen wollte, und fragte sie barsch: Wasträgst du in diesem Korbe?
Rosen — erwiderte die Heilige erschrocken.