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an dessen Fest wir sie durchschnitten, erhörte unser Gebet. Wir flogen wie imSturme dahin; Regen siel in Strömen nieder, der sich besonders nach Afrika hinzog, das Meer wüthete in der Nacht so stark, daß sein Toben, welches vom
tiefsten Grunde sich erhob, einem starken Donner glich: das Schiff schien einen
lochenden Salzsee zu durchschneiden nnd in seiner Cabine wurde es Manchemunheimlich, der sich dann auf das Verdeck flüchtete. Hier aber eilte er der rä-chenden Nemisis in die Arme. Denn während er sich an den Mast oder an einSegeltan anklammerte, schleuderte das zürnende Meer eine hohe Woge auf ihn,so Laß dem harmlosen Flüchtling die Lust zum Bleiben verging und er wie ein
scheues Reh in die Cajüte eilte, um mit allgemeinem Gelächter empfangen zu
werden. — Der Capitän, ein äußerst solider und gebildeter Mann, schwieg weis-lich, wenn irgend eine Gefahr zu drohen schien, oder er antwortete auf neugierige,unnöthige Fragen mit allgemeinen, unbefriedigenden Redensarten. Eben so botuns seine Energie, seine Erfahrung und erprobte Umsicht, so wie die trefflichemusterhafte disciplinirte zahlreiche Mannschaft bei etwaigen Gefahren nach mensch-lichem Urtheil hinlänglich Bürgschaft. Das Schiff bedienten nämlich vierund-zwanzig Matrosen, kräftige, flink? Burschen, die sich am wohlsten fühlten, wenndie Winde mit aller Gewalt die Segel schwellten, die Wellen sie bei ihrer Mahl-zeit überschütteten, der Capitän sie auf die thurmhohen Mäste jagte, oder siesonst ein wenig andonnerte. Unter einander waren sie zuvorkommend, gegendie Reisenden höflich und gefällig, so daß wir zu unserer größten Zufriedenheitnicht die leiseste Spur der so verrufenen Matrosenbrutalität fanden. Allerdingswurden die jüngeren oft etwas unzart angeredet, aber wenn sie im Fluge wieFalken auf die obersten Spitzen der Masten sich schwangen und auf den Tauenwie Pfeile dahinsuhrcn, oder die Segel im Nu eingezogen hatten, so hieß es:
bravo, mos lils, lues mit'aots, IIIUS ami>. Nur war es eine Lust, zu sehen, wie
geschickt und zierlich sie auszuweichen wußten, wenn sie die Hand des Capitänshinter ihren Ohren witterten. Meist retteten sie sich auf den Mastkorb oderlenkten die Wucht der strafenden Faust des erzürnten Herrn durch einen kühnenSeitensprung ab. Was aber alle Furcht verringern mußte, war die nach denGesetzen der Nautik und Physik vollendete Struktur des Schiffes selbst: dennobwohl ein gewaltiger Coloß von bedeutender Länge, 16 Fuß unter Wasser gehend,seine Masten 129 Fuß über dem Verdeck erhebend, war es von verhältnißmäßigsehr geringer Breite, so daß es dem Anprallen des Windes und der Wogen sieg-reich trotzte. Und so geschah es, daß wir am fünf und dreißigsten Tage in demHasen von Rio vor Anker lagen. Eine rasche und glückliche Fahrt, wie sie von
uns Allen angesehen wurde. Wir hatten freilich im Ganzen gerechnet eine Woche
verloren; denn unter Madeira trat einige Tage Windstille ein, und die letztendrei Tage trieben wir uns langsam in der Bai von Rio an der brasilianischenKüste umher. Ferner hatten wir den Wind nur seitwärts, meistens innerhalbder heißen Zone von Südost, während uns nur der Nordost höchst förderlich seinkonnte. Und doch war die Fahrt eine so außerordentlich rasche, wie fast bisherum diese Jahreszeit noch keine. Mögen Andere der Geschicklichkeit unseres Ca-pitäns die Ehre geben,, mir sei es erlaubt, einen höheren Grund zu suchen.Während wir von den Meereswogen dahingetragen wurden, stiegen in Europa aus den frommen Herzen unserer Mitbrüder und anderer Gläubigen wirksameGebete zum Throne des Herrn empor. Er war es, der die Winde und Wellenuns dienstbar machte. Wie oft wird das äve maris stell» für uns gebetet wor-den sein zur unbefleckten Jungfrau, der Maikönigin! Der Weg auf dem wir hin-segclten, ist ein heiliger Weg; denn auf ihm sind mehr als 200Jahre lang dieApo-stel, Märtyrer, die Heiligen unserer Gesellschaft nach drei Welttheilen hingefahren,um den Namen Jesu Völkern und Fürsten kund zu thun: ein heiliger FranzXaver, Peter Claver, Johann de Britto, die vierzig Märtyrer, die Heilsboten