Ausgabe 
20 (17.6.1860) 25
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für Ost- und Westindien, jene Männer, welche Millionen Seelen im nahen Süd-amerika, wie im fernen Asien mit ihrem Schweiße und Blute für den Herrngewonnen. Das ist der Weg, auf dem unsere Vater im vorigen Jahrhundertals Gefangene und Geächtete nach Enropa gebracht wurden. Die guten Hirten!man riß sie hinweg aus der Mitte ihrer theuren Heerden, die sie für die heiligeKirche und für das ewige Leben groß gezogen hatten. Arm, krank, von An-strengung und Arbeit im Dienste des Herrn erschöpft, mit Schmach und Unbildaller Art beladen, wurden sie aus Südamerika hinweggeschleppt, und so ein gro-ßer Theil des Landes in eine dem religiösen wie socialen Leben verderblicheBarbarei gestürzt, von welcher sich der Augenzeuge mit Schmerz und Schreckenwegwendet.

Besonders, als wir längs den kanarischen Inseln hinsteuerten, als Madeira ,Teneriffa , Ferro sich uns zeigten, und wir in etwa die Richtung nach der InselPalma einschlugen, wie wäre es möglich gewesen, hier der Apostel Brasiliens ,der vierzig Märtyrer zu vergessen, die an dieser Stelle die glorreiche Palme er-rungen haben? So wachten also diese heiligen Beschützer über uns; undwer den allmächtigen Gott, die heilige Jungfrau, die Engel und Seligen desHimmels in Vereinigung mit den Gerechten auf Erden zu Freunden und Füh-rern hat, wie sicher ist der vor Unglück geborgen, so daß er selbst auf der stür-mischen Fluth des Meeres wie ein Kind auf den Armen der Mutter sorgenlosdahingetragen wird. Das Auge des Herrn sah uns mit gnädigen Blicken an.Dieser Gedanke drängte sich uns auf, wenn wir innerhalb des tropischen Himmels-striches den schönen Horizont beim nächtlichen Rauschen der Wogen betrachteten.Der Glanz der Sterne ist hier weit lebendiger und doch milder, weit schönerund reiner, als ich ihn in Deutschland je gesehen. Der Himmel ist in eigent-lichem Sinne des Wortes mit Sternen besäet, deren Größe so mannigfaltig, derenGruppirung so schön ist. Ein unbeschreiblicher Eindruck! Hier lernte ich dierührende Betrachtung des heiligen Jgnatius besser verstehen, wenn er sich vonden Geschöpfen zur Größe, Güte und Schönheit des Schöpfers erhebt, verständ-licher wurden mir die herrlichen Stellen im Buche Job und in den Psalmen,namentlich die, welche wir ml recitiren.

Gottlob, daß der Korb fertig ift!

(Schluß.)

So sprach der Doctor, und die Gesellschaft trank Thee, lachte und machte

ihre Bemerkungen. Vor Allem ergriff der Hausherr, der Amtmann von Sp_

das Wort und ließ es so laut erschallen, daß die Uebrigen, aus Furcht, er möchtedie Klingel ziehen und sie über die Seite bringen lassen, bald verstummten undschwiegen.Mit den Ehen unter dem gemeinen Volke", so erklärte er,steht esschlecht. Es ist keine Einheit, keine Zusammengehörigkeit zwischen Mann undFrau. Sie sind zusammengewürfelt, wie es sich eben fügte, und daher kommtes leicht dahin, daß sie so gleichgültig sind bei des Andern Freuden und Leiden.Ich bin überzeugt, Emilie", hiermit wandte er sich an seine Frau Gemahlinwenn ich der Korbmacher gewesen wäre, du hättest nicht so geantwortet. Duhättest dich gefreut und gesagt: Gottlob, daß der Korb fertig ist!"

Und die Frau Gemahlin entgegnetc:Ja was sind das für Reden! bistdu denn ein Korbmacher?"

Gesetzt den Fall, ich wäre einer."

Dann hätte ich dich nicht geheirathet. Nimm mir's nicht übel, lieberMann!"