Ausgabe 
20 (17.6.1860) 25
Seite
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Du hast Recht, liebe Frau. Aber sieh, ich setze ja nur den Fall, es istnur ein Spiel der Einbildungskraft. Wir können es uns ja denken, daß ich einKorbmacher wäre, daß ich viele Tage an einem Korbe gearbeitet, daß ich nachbeendigter Arbeit mich gefreut und gejubelt hätte: Gottlob, daß der Korb fertigist! Hätte ich dann aufgefordert, dasselbe zu sagen, so würdest du jeden-falls"

Nein, nein! Ich kann mir den Fall gar nicht denken, daß ich eineKorb-macherin wäre. Ueberhaupt ich liebe dies Gespräch nicht, und sähe gern, wenndu mich mit solchen Znmuthungen verschontest."

Frau, du bist eine Närrin. So will ich denn verzichten auf den Titeleines Korbmachers, damit deine Qual sich legt; titulux no>, ext vitulux. Aber ichverzichte nicht darauf, hiermit zu sagen: Gottlob, daß der Korb fertig ist! undverzichte nicht darauf zu wünschen, daß du mir die Worte nachsprichst."

Wenn du nicht Korbmacher bist, so hat ja der Wunsch gar keinen Sinn !"

Ja, was in der Welt hat immer einen Sinn. Aber du hörst ja, ichbitte dich!"

Das höre ich freilich, kann mich indessen nicht entschließen, die Bittezu erfüllen."

So befehle ich!"

Oho!"

Bin ich nicht Herr?"

Das versteht sich, und ich bin die Herrin!"

Der Diener, welcher die Aufwartung besorgte, hatte mit offenem Mundedem Gespräch zugehört, und das Erste, als er wieder die Küche erreichte, war,daß er der Köchin das sonderbare Erlebuiß mittheilte.Das sind mir Ehenunter den Vornehmen", bemerkte er darauf.Da heißt es immer: »LieberMann" undLiebe Frau;" aber sollen sie die Liebe einmal beweisen, so fallensie jämmerlich durch. - Warum diese eigentlich heirathen?"

Die Köchin versetzte:Du meinst, unser Herr hätte seine Frage zur Seitelassen sollen?"

O nein, unsere Frau hätte den Wunsch des Amtmanns erfüllen sollen!"

Das sehe ich nicht ein!"

Sei doch vernünftig, Mädchen! In einem Vierteljahre werden wir unsheirathen, und wir werden ein glückliches Paar werden. Ich will dich auf denHänden tragen und du wirst mir gut sein. Wenn ich nun, dein Mann, dessenLeiden und Freuden du mitträgst, dann eines guten Tages Veranlassung habe,mich zu freuen und zu sprechen: Gottlob, daß der-Korb fertig ist! Und ichspräche zu dir: Nun sage doch auch: Gottlob, daß der Korb fertig ist! waswürdest du thun?"

Ich würde nichts thun, und schweigen!"

Das wäre kaltes Wasser auf meine Freude!"

Warum stelltest du solch ein Begehren!"

An dich? Du wärest ja doch meine Frau!"

Also mit den Frauen kann man machen, was man will?

Du würdest also meine Freuden nicht theilen?"

Ist das eine Freude für den Mann, wenn die Frau sein Papagei wird!"

Ei, du verstehst mich nicht! Ich will und verlange, daß du sprichst, wennwir uns erst geheirathet haben: Gottlob, daß der Korb fertig ist!"

Wenn du später so aufzutreten gedenkst, so-" >

Du erwartest wohl, ich werde einstens dein dummer Junge sein?"

Nein, du wirst aber auch nicht mein Mann sein. Suche dir eine andereFrau, ich nehme mein Versprechen zurück."