„Danke!" rief der Diener, und eilte zornig wieder in den Gesellschafts-Saal. Hier war inzwischen der Streit zwischen Amtmann und Frau auf denhöchsten Gipfel gestiegen. Mit geröthetem Gesichte und flammenden Augen saßensie sich gegenüber, und nur die Gegenwart der Fremden verhütete Unheil überUnheil. Diese waren verlegen, und stumm sah Einer den Andern an. DieMänner rannten den Amtmann in die Seite oder gaben ihm sonstige Winke;die Frauen zupften Madame am Kleide, und suchten sie zurückzuhalten. EineWindstille herrschte und ein unheimliches Schweigen. Da gedachte der Doctor,der an dem ganzen Unglücke die Schuld trug, das Schifflein der Frölichteitwieder stott zu machen. Er rechnete Lei sich aus: stelle ich an meine Frau dieFrage, so wird sie sofort willfährig antworten, Alles wird in Gelächter ans-prechen, und wo gelacht wird, läßt sich der Friedensboden leicht aufbauen. „Anna",so redete er im schmeichelnden, liebkosenden Tone zur Frau Doctorin, „wenn ichnun riefe: Gottlob, der Korb ist fertig, ich zweifle nicht, du würdest im Augen-blick -"
„Nun auch er! Nun kommt das Wetter auch auf mich!" schalt Frau Annaund zürnte, warf ihm einen drohenden Blick zu, sprang aus vom Sessel undeilte aus dem Zimmer. Die Frau des Amtmanns sprang ihr nach, und alleDamen, vielleicht aus Furcht, daß nun sie an die Reihe kämen, folgten in Hast.Und durch die Flucht der Frauen waren die Männer geschlagen; nur der Amt-mann und der Doctor, die sehr beschämt waren und sich für schwer beleidigethielten, brachten ganz unfeine Redensarten hervor. Der Diener gab ihnen Recht,und hätte gern mitgeschimpft.
„So geht's", lachte der Kaufmann Knippknapp, „wenn man in der Familiekeine Ordnung hat."
„Haben sie bessere?" brummte der Amtmann.
„Freilich, ich wechsle ab im Regiment. Die eine Woche regiert meineFrau, die andere gehorche ich. Und wenn sie regiert, so hüte ich mich wohl, eineBitte zu wiederholen, die sie einmal mit Nein beantwortet hat!"
„Kein übler Vorschlag für einen armen Ehemann: die erste Woche laß'deine Frau regieren, und in der zweiten Woche gehorche du!" spotteten einige,während Andere vorschlugen, man solle rasch Frieden vermitteln zwischen denMännern und den geflohenen Frauen. Nach einigem Hin- und Herredeu machteman die Versuche, erhielt aber nur einen knappen Waffenstillstand, und nach demSchlüsse der Gesellschaft wird der Krieg wohl wieder ausgebrochen sein.
Papst Plus 1L. und ein französischer Soldat.
Es geschah vor nicht langer Zeit, daß in Rom ein dort in Garnison lie-gender französischer gemeiner Soldat die große Treppe, die zum Vatican führte,betrat. Da sieht man beständig ein Duzend oder mehr von den bunt gekleidetens Schweizergardisten nicht eben in kriegerischer Haltung aufgestellt. Die Einenlegen sich mit der Hellebarde an die Wand, Andere sitzen auf einer hölzernenBank. Doch kann sich der Papst jederzeit auf seine Wächter verlassen. Nunkommt der französische Rothhösler und redet einen der Schweizer an, und gibtihm, so gut er's kann, zu verstehen, er wolle direct zum Papste. Der Schweizer i sieht den Rothhösler verwundert an, ohne ein Wort zu sagen. „Ja ja, zum, Papste will ich, wisse? pgzser." — „Zum Papst? Hast du die Erlaubniß?" —^ „Brauch keine Erlaubniß. Große Herrn brauchen dergleichen, wir Andern werdenohne Ceremonien behandelt; seid so gut und führt mich sogleich in's Zimmerdes Papstes, die Sache pressirt." Dem Schweizer aber pressirte es nicht, und' erst nachdem er gesehen, daß der Franzose sich nicht ergeben und die Festung