mit Sturm nehmen wollte, führte er ihn zn einem der Prälaten, welche dieFremden dem Papste zur Audienz vorstellen. Auch hier trug der Soldat seinAnliegen vor, und da der Prälat wissen wollte, was er denn eigentlich vomPapste verlange, so zeigte es sich, daß ein Brief von einem Kriegskameraden ausder Krimm angelangt war, worin dieser eine schreckliche Schilderung der Leidenmachte, welche die französischen Soldaten dort zu ertragen hatten. Deswegensolle er, der Empfänger des Briefes, den heiligen Vater ersuchen, für das Wohlder französischen Arme eine heil. Messe zu lesen. Nach mancherlei vergeblichenVersuchen, den Franzosen eines Bessern zu belehren, ging endlich der Prälatzum Papste und meldete den sonderbaren Besuch. Der heilige Vater ließ ihnvortreten. Nicht wenig erstaunten die in den prächtigen Vorsälen des Vaticansbefindlichen weltlichen und geistlichen Herren, als der französische Gemeine dieseSäle durchschritt, und in das einfache Gemach, worin gewöhnlich der Papst Au-dienzen ertheilte, eintrat. Der Gemeine ließ sich aber nicht einschüchtern undblieb, als er vor dem Papste erschien, in militärischer Haltung aufrecht stehen,hob zur Begrüßung die Hand an die Stirn und sprach dann mit einemso entschiedenen Tone, als stehe er vor seinen Offizieren: „Mein Papst,da ist der Bries eines Kriegskameraden aus der Krimm; lesen Sie denselbenund sagen Sie mir dann, was ich antworten soll. Zugleich überreichte er mitder einen Hand den Brief, in der andern etwas Geld. Der Papst nimmtden Brief, liest ihn und gibt ihn mit den Worten zurück: „Guter Freund, meineMesse ist für morgen schon unabänderlich bestimmt, übermorgen aber werde ichunfehlbar für jenes große französische Heer Messe lesen. Doch setze ich die Be-dingung, daß du derselben beiwohnest und dich vorbereitest, bei derselben dieheilige Communion zu empfangen. Das Geld magst du behalten und für das-selbe aus die Gesundheit deiner Kameraden trinken. — „Gut, mein Papst,"antwortete der Besucher, „sogleich gehe ich, mich auf eine kleine Revue bei unsermFeldprediger zu rüsten und übermorgen bin ich zur bestimmten Stunde ausmeinem Posten." Darauf salutirte er wieder mit der Hand, machte halbe Wen-dung rechts un zog sich zurück, wie er gekommen war. Der Papst aber sah mitVergnügen dem sonderbaren Gaste nach. Am angesagten Tage erschien dieserwirklich bei der päpstlichen Messe und hatte das Glück, aus den Händen desheiligen Vaters die Communion zu empfangen.
der edle Lordkanzler von England , wohnte täglich gewissenhaft der heil. Messebei, und zwar immer schon, ehe er an seine Geschäfte ging, ohne sich hierin störenzu lassen, selbst wenn der König ihn zu sich berufen hatte. Selbst in dringendenFällen, wenn die königlichen Boten auf seinem alsbaldigen Erscheinen bestanden,gab er ganz ruhig die Antwort: „Er habe zuvor einem größeren Herrn zu ge-horchen und dann werde er dem Könige ohne weiteren Verzug aufwarten." Mhielt es für eine Ehre, dem Priester beim heil. Meßopfer zu dienen, selbst dannnoch, als er zur Würde des Reichskanzlers emporgestiegen war. Und als einstder Herzog von Norfolk zn ihm kam, um bei ihm zu speisen und ihn in der Kirchemit dem Ministrantenkleide angethan fand und nach geendigtem Gottesdiensteihm zurief: „Wie, der Lordkanzler ein Küster? Ihr entehrt ja den König undsein Amt!" erwiderte Morus lächelnd: „Keineswegs, denn dem Könige, meinemund eurem Herrn, kann wohl das nicht mißfallen, was ich aus Gehorsam gegenGott, den Herrn des Königs thue, noch wird sein Amt dadurch geschändet."
Redaction un» Verlag: Dr. M. Huttler. — Druck von I. M. Äleinle.