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barschaft sterben; oder wenn Einem beim Ausgehen ein Hase quer über den Wegläuft, so bedeute dies ein nahes Unglück, das ihn treffen wird; oder so oftmalman im Frühlinge den Kuckkuck schreien hört, so viele Jahre werde man nochleben rc. Unter den gebildet sein Wollenden gibt es so Manche, die da glauben,wenn zufällig dreizehn an einem Tische zusammensitzen, so werde bald Einer da-von sterben, warum? weil Christus mit seinen Aposteln beim letzten Abendmahledie Zahl dreizehn vollmachte und bald daraus starb. Um zu wissen, welcher vonzwei Ehegatten früher sterben werde, dürfe man nur die Buchstaben ihrer Vor-und Zunamen zusammenzählen, bei dessen Namen eine ungerade Zahl heraus-kommt, der stirbt zuerst. An einem Freitage soll man keine Arbeit anfangen,keine Reise unternehmen, denn dies sei ein Unglnckstag, sagt man, und warum?weil an einem Freitage Judas sich erhängte! u. s. w. Welche Thorheiten!
Eine andere Form des herrschenden Aberglaubens liegt in der Traum-deuterei. Wohl hat Gott oft schon durch Träume den Menschen wichtige, zu-künftige Dinge geoffenbaret, wie dies die Geschichte des ägyptischen Josephs, desKönigs Pharao, des Nährvaters Jesu Christi n. s. w. beweiset; aber in derRegel sind doch die Träume nichts anderes, als ein natürliches Erzeugnis unsererPhantasie, die gewöhnlich im Schlafe das weiter ausmalt, was den Tag überoder am Abende besonderen Eindruck auf uns gemacht hat. Thörichter und sünd-hafter Aberglaube ist es daher, im Allgemeinen den Träumen Glauben zu schenkenund danach die Zukunft zu deuten. Darum heißt es schon im Buche Sirachs(3^i, 1—7.): „Eitle Hoffnung und Lüge täuschen den Thoren, leere Träumemachen stolz den Unverständigen. Wie Einer, der nach dem Schatten greift und
den Wind erhäschen will, ist Derjenige, der auf falsche Träume hält.
Wahrsagerei, lügenhafte Deutung aus dem Vogelfluge und die Träume sindEitelkeit .... Hänge dein Herz nicht daran; es wäre denn das Gesicht vondem Allerhöchsten gesendet. Denn Viele wurden durch Träume betrogen und inihrem Vertrauen daraus getäuscht." Ja getäuscht durch die Träume und dereneitle und willkürliche Auslegung (nach dem sogenannten Tranmbüchelchen) habenschon Viele, besonders aus der ärmeren Classe, all ihre Habe verschwendet, sichund die Ihrigen an den Bettelstab gebracht und Viele sind noch gegenwärtigauf dem Wege dahin.
Bei den vornehmeren wie bei den unteren Ständen ist der Aberglaubehäufig auch zu finden in der Fom des Kartenschlagens. Aus der Aufein-anderfolge gemischter Kartenblätter will man verborgene, gegenwärtige und zu-künftige Dinge erforschen, etwa, wer dies oder jenes gestohlen habe, ob dieseoder jene Person noch lebe, wo und wie sie sich befinde, ob der Ehegatte treusei, oder ob man mit dieser oder jener Person eine glückliche Ehe treffen werde,und dergleichen Albernheiten mehr, wodurch man Gottes Vorsehung, seine Weis-heit und Allmacht gleichsam zu Schanden machen will. Denn daß diese leblosenund unvernünftigen Dinge, die nicht einmal von sich selbst etwas wissen, nochviel weniger von den Schicksalen der Menschen etwas wissen und angeben können,soll doch wohl jedem vernünftig Denkenden eben so einleuchten, als daß Gott , wenner schon einem Menschen über sein eigenes oder Anderer Schicksal etwas offen-baren will, sich gewiß nicht so unwürdiger Dinge, wie der Karten, bedienen würde.Und wenn doch, wie man behauptet, schon öfters durch diese und dergleicheneitle Zeichen wirklich verborgene Dinge erforscht und angezeigt worden sind, sokann dies nur durch den Einfluß und durch Hilfe der bösen Geister geschehen,die vermöge ihrer Natur nicht nur wissen, was in der Gegenwart an entferntenOrten geschieht, sondern auch einen, wenn gleich beschränkten Blick in die Zu-kunft thun und auf den Menschen blendend und verderbend einwirken können,in wie weit es Gott zuläßt. So war auch zur Zeit, als der Apostel Paulus zu Philipps das Evangelium predigte, daselbst eine Magd, die einen Wahrsager-