Ausgabe 
20 (24.6.1860) 26
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gilt das Wort des Apostels Paulus:Von der Wahrheit werden sie das Gehörabwenden, zu den Fabeln aber hinwenden." (2 Tim. 4.) Es liegt in derNatur der Sache und die Erfahrung bestätigt es, daß man, je mehr man sichvom Mittelpuncte der katholischen Kirche entfernt, je mehr der wahrhaft göttlicheGlaube sich verdünnt und verliert, um so mehr dem Aberglauben anheim falle,und daß vollendeter Unglaube mit vollendetem Aberglauben identisch sei. Dasbeweiset auch die ganze Geschicke des alten und neuen Heidenthumes.

Oft hat der Aberglaube seinen Grund in den von den Voreltern erzähltenund ererbten Sagen und Geschichten, die der leichtgläubige Landmanu bloß auf'sWort hin, weil es der Großvater rc. gesagt hat, unbezweifelt für wahr hält,oder die er etwa gar durch irgend eine zufällige Begebenheit bestätigt gefundenhat. Von solchen Leuten sagt der Wcltapostel:Ich gebe ihnen das Zeugniß,daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Einsicht." (Röm. 10, 2.)

Eine der vorzüglichsten Quellen des religiösen Aberglaubens unter wenigerunterrichteten Leuten sind die leider noch immer verbreiteten schlechten Büchleinund gedruckten Gebetsformeln, deren Gebrauche die albernsten Gnadenwirkungenzur Erlangung des zeitlichen und ewigen Glückes verheißen sind, welchen Ver-heißungen man so gern glaubt, bloß darum, weil es ja hier gedruckt steht, folg-lich auch wahr sein muß.

Aus der Vernunft und Offenbarung, sowie aus den traurigen Folgen, welchedie Erfahrung aufzählen kann, läßt sich klar beweisen, wie thöricht und sündhaft,wie eines vernünftigen Menschen, eines Christen unwürdig der Aberglaube seiund wie derselbe der wahren Gottesverehruug, dem christlichen Glauben undVertrauen, sowie der christlichen Nächstenliebe zuwider sei und wie sehr mansich durch den Aberglauben gegen Gottes heilige und gütige Vorsehung undhöchst weise Weltregieruug versündigen und in die Fallstricke des Satans ge-rathen kann.

Uebrigens muß man jedoch wohl unterscheiden zwischen dem, was eigent-licher Aberglaube ist, und zwischen dem, was die Welt als solchen ausruft, dienicht selten die ganze christliche Religion selbst, besonders aber die Einrichtungen,Ceremonien und Segnungen der katholischen Kirche als Aberglauben verschreien will.

Weder ungläubig noch zu leichtgläubig, fern von der Sucht nach außer-ordentlichen Dingen, halte sich daher der katholische Christ fest an die Entschei-dungen und Aussprüche der heiligen katholischen Kirche und so wird er den gol-denen Mittelweg des echten und wahren Glaubens und durch denselben dasLand der ewigen Seligkeit finden.

DaS baufällige Haus.

6. Es besaß Jemand ein Haus, welches sehr baufällig war. Die Bauver-ständlgen riethen ihm, er solle es gänzlich einreisten und wieder von Neuem aus-bauen lassen, damit es fest und haltbar würde. Der Eigenthümer aber lachteund bequemte sich nur zu den nöthigsten Reparaturen. Da stürzte in einer Nachtplötzlich das Haus ein und begrub den Eigenthümer unter seinen Trümmern.

Mensch! dies baufällige Haus ist Dein sündhafter Lebenswandel, der Be-wohner dieses Hauses Deine Seele, welche durch diesen Lebenswandel den Gradihrer Unheiligkeit verräth. Da kommt der Bauverständige, d. h. Dein Beicht-vater zu Dir und sagt: Reiste Dein Haus gänzlich ein, d. h. tilge Deinen sünd-haften Lebenswandel vor Gott und vor Dir selbst durch eine giltige und um-fassende Generalbeicht, welche Dein ganzes Leben von der frühesten Kindheit biszur Jetztzeit dem Priester und Dir vor Augen führt. Dein Beichtvater fügt bei: