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um so greller hervor, wenn man sie vergleicht mit der glänzenden Lage undStellung, deren sie sich in den nämlichen Gegenden ehemals erfreute. Wirmeinen die Landstriche in Mitte des nördlichen Deutschlands, wo, wie das gegen-wärtige Bedürfniß, so auch der Unterschied zwischen Vormals und Jetzt am augen-fälligsten sich zeigt. In dem weiten Gebiete, welches im Süden von der obernWerra, dem Thüringer Walde und Erzgebirge, — im Osten von der Neisse undder untern Oder, — im Norden von der Ostsee und der Eider — und im Westenvon der Weser begränzt wird, besteht gegenwärtig nur ein einziger Bischofssitz,nämlich zu Hildesheim; die Katholiken, welche nicht zu diesem Bisthum gehören,sind theils den ziemlich entlegenen bischöflichen Kirchen von Paderborn, Fulda und Brcslau, theils den apostolischen Vicarien zu München, Dresden und Osna-brück überwiesen. Die Diözese Paderborn allein hat in ihrem sächsischen AntheileBruchstücke von nicht weniger als acht nunmehr eingegangenen Bisthümern; undan Orten, wo vor Zeiten um die bischöfliche Kathedrale mit ihrem zahlreichenKlerus eine beträchtliche Zahl von andern Stifts- oder Klosterkirchen und Psarr-gemeinden sich reiheten. trifft man dermalen in mehr als einem Falle nur einenothdürftig ausgestattete katholische Capclle oder auch nicht einmal diese, sondernnur ein zikr Abhaltung des katholischen Gottesdienstes gemiethetes Zimmer.Wenden wir uns dagegen um vier bis fünf Jahrhunderte oder noch weiter inder Geschichte zurück: — welch' einen ganz andern Anblick gewährt uns da deräußere Stand der Kirche in jener Gegend! — Da finden wir zunächst, fast imMittelpuncte des vorher bezeichneten Ländereomplexes, das
Erz bisthum Magdeburg — gegründet im Jahre 968 durch KaiserOtto l- —, dessen erster Oberhirt jener Adalbert war, den der nämliche Kaisernicht lange vorher an die Ufer des Dniepr nach Kiew entsandte, um auf denWunsch der russischen Großfürstin Olga unter ihrem Volke als Apostel des christ-lichen Glaubens zu wirken. Nach ihm waren Tagino (dem sein Freund, derheilige Wolfgang von RegenZburg auf dem Sterbebette diese Erhebung vorherverkündigt hatte), Hunfried aus dem Burkaroskloster zu Wüczburg, Werner,ein Bruder des h. Anno ll. von Köln , ganz besonders aber der hl. Norbert(Stifter des Prämonstratenser -Ordens, 1134). so wie weiterhin Theodor ich,vordem Bischof von Minden (si 1367), und Friedrich (fi 1464) Zierden diesesErzstuhles gewesen. Noch steht als ein beredter Zeuge des einstigen Glanzes dieserbereits in den Stürmen der Reformation und später vollends durch die Bestimmungendes Westfälischen Friedens der Säcularisation anheimgefallenen Metropole derherrliche (nunmehr Protest.) Dom, welcher, nachdem vier Generationen daran ge-baut, von dem obengenannten Theodorich in Anwesenheit zahlreicher Bischöfe,Aebte und weltlicher Großen im Jahre 1363 eingeweiht wurde.
Diesem erzbischöflichen Stuhle waren fünf Diözesen als Suffraganbis-thümer untergeordnet: Brandenburg, Havelberg, Meissen, Merseburg ,Naumburg. Die beiden erstgenannten Bischofssitze, von Otto l- 946 errichtetund bis zum Jahre 968 vor der Hand der Mainzer Kirchenprovinz zugehörig,bildeten, weil am meisten nach Osten und jenseits der Elbe gelegen, lange Zeithindurch gewissermaßen die am weitesten vorgeschobenen Gränzwachen christlich-germanischer Cultur dem slavischen Heidenthum gegenüber; freilich vermochtensie, immer aufs Neue von Osten her bedrängt, fast zwei Jahrhunderte lang kaumsich zu behaupten; erst mit dem Auftreten des Markgrafen Albrecht des Bärenin der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts wurde die deutsche Herrschaft unddamit zugleich die Existenz dieser Bisthümer sichergestellt. Havelberg sah sogleichin Anselm, dem Bruder des Markgrafen und vertrauten Freunde des heil. Bernardvon Clairvaux, seinen berühmtesten Bischof. Bewandert nicht nur in den geist-lichen Wissenschaften, sondern namentlich auch in der griechischen Sprache, wurdeer sowohl vom Kaiser Lothar, wie von Friedrich Barbarossa mit einer Gesandt-