Ausgabe 
20 (1.7.1860) 27
Seite
216
 
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schaft nach Constantinvpel betraut; und dieser letztere Kaiser war es gleichfalls,der in dankbarer Anerkennung der durch Anselm ihm geleisteten Dienste dessenBerufung auf den erzbischöflichen Stuhl von Ravenna bewirkte. Die mehrnach Süden, am linken Elbufer gelegene feste Stadt Meissen von Heinrichdem Finkler erbaut, hatte gleichzeitig mit Magdeburg durch Otto's 1 Vermittlungeinen Bischofssitz mit einem weit ausgedehnten Spreugel erhalten, welcher imWesten bis an die Mulde und im Osten bis an die Oder sich erstreckte und alsoeinen großen Theil des jetzigen Königreichs Sachsen, sowie der preußischen Pro-vinz Schlesien umfaßte. Treu und gewissenhaft hatten die ersten Bischöfe vonMeissen , namentlich Jdo und der heilige Benno die Absicht, welche dem Stifterihrer Kirche vorschwebt, zu e reichen und die Herrschaft des Christenthums unterden Slaven nach Osten und Süd-Osten zu verbreiten und zu befestigen gestrebt;mit zahlreichen Schöpfungen christlicher Frömmigkeit und Barmherzigkeit hattenauch deren spätere Nachfolger ihre Regierung bezeichnet; aber merkwürdigesVerhängniß der Meissener Bischofsstuhl und mit ihm beinahe sämmtliche frommenStiftungen, welche dessen seitherige Inhaber in's Leben gerufen, sollten fast indem nämlichen Augenblicke zusammenstürzen, als die Tugenden und Verdienstedes ausgezeichnetsten Meissener Bischofs, des heil. Benno, durch dessen 'vom PapsteHadrian VI - im Jahre 1523 vorgenommene Canonisation ihre feierliche Aner-kennung und Aussprache fanden*). Das Bisthum, dessen Sitz nach Stolpen und dann nach Würzen verlegt worden war und an diesen Orten noch eineWeile seine Existenz gefristet hatte, ging bereits zwei Jahrzehnte vor dem An-fange des siebenzehnten Jahrhunderts vollständig ein; und von den vielen Stif-tern und Klöstern, welche ehedem in diesen Gegenden blühten, haben nur dreidurch alle Stürme der Reformations- und der folgenden Zeit hindurch glücklichbis aus den heutigen Tag sich erhalten. Es sind die in der sächsischen Lausitz gelegenen Nonnenklöster Marienthal und Marienstern, und in dem nämlichenLandestheile das Domstift zu Bautzen , durch die Bemühungen des DomdecansLeisen tritt (7 1586) für den Katholicismus gerettet. (Schluß folgt.)

Die letzten Stunden eines gläubigen Bekenners Christi.

Carl V 1 !I., König von Frankreich, besichtigte das Schloß Amboise, welcheser aufbauen ließ. In Folge einer starken Verletzung, die er am Kopfe erlitt, >als er schnell durch eine sehr niedrige Thüre dieses Gebäudes schreiten wollte,fiel er rücklings in der Gallerie nieder, durch die er mit der Königin gegangen ^

war. Die Kopfw unde erwies sich als tödtlich, und man legte den bewußtlosen Königauf einen armseligen Strohsack, der das Eigenthum eines der dort arbeitendenMaurer gewesen; und auf diesem elenden Lager harrte der Herrscher Frankreichs seinem letzten Stündlein entgegen. Dreimal gewann er die Sprache und dreimalrief er aus: Mein Gott! Du glorreiche Jungfrau Maria! Mein heiligerClaudius und Blasius! Stehet mir bei!" Und erst Abends um neun Uhr er-schien seine Seele vor Gottes Thron in der Ewigkeit! Die Königin aberknieete neben der Leiche, rang die Hände und rief:Was ist der Mensch ? ! ,

Was ist ein König?! Alles ist Eitelkeit der Eitelkeiten!!"

*) Luther veröffentlichte bei diesem Anlaß die Schrift:Wider den neuen Abgott undalten Teufel, der zu Meissen soll erhoben werden." Gegenwärtig ruhen die Reliquien deSb. Benno in der Domkirche zu München, wohin sie schon einige Jahrzehnte nach der Ein-führung der Reformation in Meissen auf Anstehen des damaligen Herzogs von Bayern ge-bracht wurven.

Redaction unv Ncrlag: Dr. M. Hutttcr. Druck uou.J. M. ÄleiNIc.