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Zr. S8.
8. Juli 1860.
Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonncmentsprcis ist 2tt kr», wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Vormals und Jetzt.
(Schluß.)
Merseburg , das westliche Nachbarbisthum von Meisten, ebenfalls eineStiftung Otto's I., weiset uns in der Reihenfolge seiner Oberhirtcn die be-rühmten Namen Dietmar, Werner, Thilo u. A. auf; — der erstgenannte, einMann von höchst edlem und liebenswürdigem Charakter und tiefer Frömmigkeit,die sich auch in den acht Büchern der von ihm verfaßten Chronik abspiegeln; derandere bekannt durch die Kämpfe, welche er gegenüber dem Kaiser Heinrich IV. zu bestehen hatte, und von segenreichem Einflüsse auch für spätere Jahrhunderteals Gründer des Benedictinerklosters zum hl. Petrus; der dritte, in der letztenHälfte des fünfzehnten und dem Anfange des sechszehtcn Jahrhunderts (im Gan-zen achtundvierzig Jahre lang) regierend, war gewissermaßen dazu bestimmt, wieeine prächtig leuchtende Abendsonne über die Kirche von Merseburg noch einmalden schönsten Glanz zu verbreiten, ehe das Licht des wahren Glaubens aus der-selben gänzlich entschwand.
Noch ein fünftes Suffragan-Bisthum von Magdeburg hatte Kaiser Otto l.innerhalb des oben umschriebenen Territoriums *) im Südwesten des Merseburger Sprengels errichtet und demselben Zeitz (an der Elster) als Sitz angewiesen.Indeß bereits der vierte Bischof dieser Diözese, Hildeward, verlegte mit Genehmi-gung des Papstes Johann XX und des Kaisers Conrad II. die bischöfliche Residenznach Naumburg an der Saale, als einer sicherer gelegenen und feindlichen Ueber-fällen weniger ausgesetzten Stadt. In dem majestätischen Dome, dessen Banbesonders der Bischof Dietrich II-, Nachfolger des Verdienstreichen Engelhard(j- 1242) betrieb, erblickt man unter andern Erinnerungen an die katholische Zeitauch noch das Bild des letzten katholischen Bischofs, des wackern Julius vonPflug (1- 1564).
Außer der Metropole Magdeburg mit den genannten fünf Suffragan-Bis-thümern bestand während des Mittelalters in dem hier in Rede stehenden Theiledes nördlichen Deutschlands noch eine andere Kirchenprovinz, deren Gebiet übri-gens in westlicher und noch mehr in nördlicher Richtung (zeitweilig auch nachOsten) sich über die Gränzen hinauscrstrcckte, welche wir uns abgesteckt haben.Es ist die erzbischöfliche Kirche von Hamburg-Bremen mit ihren Suffraganen:Lübeck, Schwerin, Ratzeburg; von dem jenseits der Eider gelegenen Schles-wig rc. sehen wir ab. Sogleich von der Zeit an, wo der h. Ansgar als ersterErzbischof den vereinigten Kirchen Hamburg und Bremen vorgesetzt wurde, er-langte dieses Erzbisthum eine hervorragende und angesehene Stellung; die Kirchedes „Apostels des Nordens" erschien wie von selber zur Metropole des Nordensbestimmt und erwies sich auch in der That als eine solche durch die eifrige Be-