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Zucht, wurde ebenfalls für den Mctropolitanstuhl von Riga in Aussicht genommen,zog aber vor, bei seiner Kirche zu bleiben; Arnold (von Westfalen) war wegenseiner gelehrten Bildung, namentlich wegen seiner Rechtskenntuisse berühmt, undgleich seinem Vorgänger auf das Wohl seiner Kirche eifrig bedacht.
Neben Lübeck bestanden in jenen Gegenden, deren Apostel der heilige Vicelingeworden war, noch zwei andere Sufsraganbisthümer der Hamburger Kirchenpro-vinz; Schwerin nämlich und Ratzeburg . Ersteres Bisthum, dessen ursprünglicherSitz zu Mecklenburg (nördlich von Schwerin ) sich befand, hatte mit dem altenBisthum Oldenburg das Loos zeitweiligen Eingehens und nach erfolgter Restau-ration, eine bald darauf vorgenommene Verlegung des bischöflichen Sitzes gemein.Seit 1169 war Schwerin Residenz der Oberhirten dieses Sprengels, unter denennoch zwei der letzten ihrer Regierung die gerechtesten Ansprüche aus den Dankaller Wohlgesinnten verschafften: Conrad, der während seiner zwanzigjährigenAmtsverwaltung den äußeren Wohlstand, wie die innern Zustände in seinemBisthum ungeachtet seines hohen Alters mit jugendlichem Feuer stetig zu bessernund zu heben sich bestrebte, und sein zweiter Nachfolger Petrus ('s 1516), dervermöge seiner geistigen Tüchtigkeit und in Folge seines länger» Aufenthaltes inRom zu einem noch ausgedehnteren Wirkungskreise wie berufen erschien. — DasBisthum Ratzeburg , dessen Gründung*) und Wiederherstellung gleichzeitig mitderjenigen des eben besprochenen Bisthums erfolgte, hatte den Ruhm, unter denKirchensürsten, welche im ersten Jahrhundert nach seiner Restauration ihm vor-gesetzt waren, nicht weniger als drei als Heilige verehrt zu sehen: Evermod ,Jsfried und Ludolf. Auch des Letzter» Namensgenosse, Ludolf II., der zweiJahrhunderte später regierte (ch 1166), war, um die Worte seines ZeitgenossenAlb. Kranz (Metrop. IX. 50.) zu gebrauchen — „ein wahrhaft apostolischer Mann,der das Muster eines Bischofs abgab." —
Mit den bisher angeführten theils zur Magdeburger theils zur Hamburger-Provinz gehörenden Diözesen — zusammen zwei Erzbisthümer und acht Bis-thümer — sind wir noch nicht am Abschluß der Reihe von bischöflichen Kirchenangelangt, welche in der älteren Zeit im Innern des nördlichen Deutschlands existirten, gegenwärtig aber eingegangen sind. Auch abgesehen von dem BisthumLebus , dessen Sitz zwar links von der Oder**), dessen Sprengel aber großentheilsjenseits dieses Flusses gelegen war (wie es denn auch zu der polnischen Metro-pole Gnesen gehörte), bleiben noch zwei andere hier zu erwähnen, welche der er-sten und größten deutschen Kirchenprovinz zugewiesen waren. Der Erzstuhl desheil. Bonifacius zu Mainz , dessen Metropolitanhoheit nach Süden bis tief in dieAlpen und nach Norden bis in die unmittelbare Nähe'Hamburgs sich erstreckte***),
*) Die bedeutenden Fortschritte, welche das Christenthum um die Mitte des elften Jahr-hunderts durch die Bemühungen des Wcndenfürsten Gottschalk in jenen Gegenden machte, gabenAnlaß, neben dem Bisthum Äldenburg noch diese zwei: Mecklenburg und Ratzeburg zu errichten.
**) In den letzten Zeiten v or der Reformation war der Sitz vieses Bisthums in Fürsten-walde an der Spree.
***) »Der Erzverband von Mainz " — sagt Gfrörer (Gregor Vll. und sein ZeitalterI. S- 301) — »übertraf an Umfang vier deutsche Königreiche von heute. Der geistliche Armder Nachfolger des heiligen Bonifacius reichte vom Comcrsce bis zur Niederelbe , vom Don-nersbcrg bis zu der Stelle, wo die Unstrut in die Saale mündet." Wer» — fährt er fort —„der eine solche Würde einnimmt, wird sie nicht behaupten wollen! Behauptet konnte sie abernur dann werden, wenn das iuiporiui», das Reich germanischer Nation, aufrecht blieb. DieMainzer Erzbischöfe waren daher in Allem, waS löblich und recht, geborne Zwillingsbrüderder Kaiser und Vater unseres Volks. Und wie eifrig haben sie in älternZeiten ihre Aufgabeerfüllt! Auf die Grundlage der kirchlichen Einrichtungen hin, welche der h. Bonifacius schuf,ist durch den Bcrduner Vertrag der deutsche Neichskörpcr gebaut worden. Als zu Ende des9. und Anfang des 10. Jahrhunderts ein Haufe mächtiger Uebelthäter das Reich zerreißen,die deutsche Nation wie eine herrenlose Heerde theilen wollte, zog sie Hatt» zur wohlverdientenRechenschaft. Abermals zwei bis drei Menschenaltee später hat Willigis, der Unvergeßliche,dreimal den wankenden Staat gerettet."