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hatte hier im Norden außer Hilbesheim noch zwei andere Suffragankirchen, nämlichGerden und Halberstadt . Beider Alter ging über ein Jahrhundert hinter dieGründung der sächsisch-slavischen Bisthümer: Magdeburg , Mersebnrg u. s. w.zurück; sie waren unter den acht, deren Errichtung sich an die zur Zeit Carlsdes Großen und Ludwig des Frommen bewerkstelligte Einführung des Christen-thums unter den Sachsen anschloß. Auch die spätern Schicksale derselben verliefeninsofern auf die nämliche Weise, als beide, obwohl in ihrem Bestände bereitswährend des sechzehnten Jahrhunderts erschüttert, kurz vor Mitte des sieben-zehnten noch einmal sehr günstige Aussichten auf Wiedergewinnung des an denProtestantismus verlorenen Terrains erhielten; Werden, als der kräftige Füst-bischof von Osnabrück , Franz Wilhelm von Wartemberg, im Auftrage des päpst-lichen Stuhles die Verwaltung des Bisthums übernahm und in der Cathedralezu Werden am 8. Mai 1630 eine Synode feierte; — Halberstadt , als um dienämliche Zeit ein österreichischer Erzherzog an die Stelle der seitherigen lutherischgesinnten Administratoren eintrat. Indeß das Wasfenglück Gustav Adolfs undseiner Bundesgennossen, und die Bestimmungen des im Jahre 16-18 geschlossenenwestfälischen Friedens vereitelten die Hoffnungen, welche hinsichtlich der Restau-ration der in diesen Gegenden gelegenen katholischen Bischofssitze angeregt waren.
Um den gewaltigen Abstand zwischen Vormals und Jetzt einigermaßen unszu vergegenwärtigen, dürfen wir endlich nicht vergessen, wie viele sonstige kirch-liche Stiftungen: Klöster, Canonicat-Stifter u. dgl. neben den angeführten nun-mehr eingegangenen Bisthümern in jenen Landstrichen früher vorhanden waren.Außer den Bischöfen, die durchweg Reichsfürsten waren, treffen wir in der Zahldieser unmittelbar unter dem Kaiser stehenden kirchlichen Würdenträger den Abtvon Saalfeld (oberhalb Rudolstadt) und die Äbtissinnen von Quedlinburg , Gan-dershcim und Gernrode . Zu diesen reichsunmittelbaren Stiftern kommen nichtwenige andere, deren Vorsteher zwar nicht den Fürstenrang genossen, von denenaber manche dennoch immerhin höchst bedeutend und angesehen waren. Dahingehören die Abteien Helmstädt, St. Michael zu Lüneburg, Bergen bei Magde-burg, Pegau, Altzell, Gesek, Pforta , Lauterbach u. s. w. — der langen Reihevon Mendicanten-Klöstern gar nicht einmal zu gedenken. Diese alte Herrlichkeit,dieser Reichthum an kirchlichen Anstalten ist dort nunmehr entschwunden; möchtenaber bald wieder, wenn auch nicht die Kuppeln neuer Stifter und Dome, dochwenigstens die Kreuze bescheidener Capcllen an zahlreichen Stellen daselbst sichin die Lüfte erheben — zur Ehre Gottes und seiner heiligen Kirche und zumTroste unserer verlassenen und vereinsamten Glaubensgenossen.
Der Stein.
kl. Alle Dinge der Natur — sagte einst die Mutter zu Clären — sindunserer Betrachtung werth: nicht nur, weil sie Gott in's Dasein gerufen nndan ihre und keine andere Stelle gesetzt hat, sondern weil sie gleichsam denSchlüssel zu vielen goldenen Regeln unseres sittlichen Verhaltens und Nicht-verhaltens bilden können.
Auch der Stein?
Vorzüglich der Stein, wenn wir ihn nach seinen verschiedenen Merkmalenund Arten betrachten. — Der Stein wird einmal ausgehöhlt durch das oftmaligeAuffallen von Wassertropfen. Sollen wir ihn hierin nachahmen?
Nein, liebe Mutter! wenn ich auch leider bekennen muß, daß Deine Er-mahnungen nicht selten auf einen Stein fallen und also oft wiederkehren müssen,bis sie eindringen.