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er; rasch, Herr Abbate, was wollen Sie, ich bin beschäftigt!" — „Ich forderedie Freiheit für ihren Gefangenen Gaetano." — „Sie scherzen; nur der Papsttaun begnadigen." — „Ich komme auch im Namen des Papstes, mich an Sie zuwenden." — „Der Beweis?" — „Hier!" — Pins IX. nahm eine Feder undschrieb: „Ich befehle dem Gouverneur der Engelsburg , Gaetano sogleich in Frei-heit zu setzen und seinen Beschließer fortzujagen. Unterzeichnet: Pius, Papst."
Der Gouverneur stürzte dem Papst zu Füßen und flehte um Gnade wegenseines barschen Benehmens. Der grobe Beschließer erhielt nach Verlauf von zweiMonaten einen kleinen Posten, nachdem er versprochen, nicht mehr zu fluchen undnicht mehr brutal zu sein. Er hielt Wort.
Die letzten Stunden eines gläubigen Bekenners Christi.
Balthasar Alvarez, geboren zu Cervera in Spanien, ließ sich in die Gesell-schaft Jesu aufnehmen. Er war einer der gelehrtesten Männer seines Zeitalters,Beichtvater der h. Theresia von Jesu , und begleitete in dem Orden die ansehn-lichsten Aemter. Der General der Jesuiten ernannte ihn zum Provinzial inToledo und schrieb dabei der Provinz: „Ich gebe das Beste, was ich habe, indemich euch den Pater Balthasar schicke!" — Er reiste dahin, wie er zu sagen pflegte,„mit Jesus dem Gekreuzigten im Herzen", und mit seinen drei Gefährten „Ar-muth, Verachtung und Leiden." — Auf der Reise wurde er von der Sonnenhitze,von seinen anstrengenden Arbeiten und anderen Beschwerden so abgemattet, daßsein schwacher Körper unterlag. Der Arzt wollte ihm die Gefahr verbergen;aber Balthasar sprach zu ihm: „Fürchten Sie sich nicht, mein Herr, mir geradeherauszusagen, daß ich sterben muß! Ich achte dieses Leben nicht, und betrübemich nicht über dessen Verlust! Wenn es einmal sein muß, warum denn jetztnicht?" — Nach einer siebentägigen Krankheit endigte er sanft und selig seinePilgerschaft, im stillen Genuß der Nähe Gottes.
Die Folgen des Irrwahns.
Eine französische Zeitung sagt: Einem sehr beklagenswerthen Volksurtheil,das wir nur allzu oft zu bekämpfen hatten, ist in Montpellier ein neues Opfergefallen. Kürzlich wurde in dem St. Lazeruskirchhofe nicht weit von der Capelleein neugeborenes Kind ausgesetzt. Der Leichenwärter fand es noch lebendiggegen 10 Uhr; aber statt alsogleich für dasselbe Sorge zu tragen, wie es dessenLage erforderte, ließ er es, einem unseligen Vorurtheile folgend, einer kaltenTemperatur ausgesetzt, und kaum in ein wenig Leinwand eingehüllt, liegen, undbenachrichtigte den Polizeicommissär Capin von der Sache. Dieser Beamte be-gab sich sogleich an Ort und Stelle und ließ das Kind in die Stube der Wäch-ter bringen, wo es alle nöthige Pflege erhielt. Aber es war zu spät, das armekleine Geschöpf starb einige Augenblicke, nachdem es getauft worden war.
Man kann bei dieser Gelegenheit nicht genug daran erinnern, daß es inallen Selbstmordfällen oder beim Versuche dazu die Pflicht der anwesenden Per-sonen ist, dem in Gefahr befindlichen Individuum Leizuspringen; das Zweite ist,die Agenten der Obrigkeit von dem Vorfalle in Kenntniß zu setzen. Andershandeln heißt gegen die Gesetze der Menschlichkeit handeln, gegen die christlicheLiebe verstoßen, und eine schwere moralische Verantwortlichkeit auf sich laden.
Redaction nuo Verlag: Div M. H'uttlcr. —>
Druck von I. M. Klein lc.