Ausgabe 
20 (15.7.1860) 29
Seite
225
 
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15. Juli 1860.

DaS Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Zlugsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Deutsche Missionen in Brasilien .I.

(Fortsetzung.)

Inzwischen rückten wir immer südlicher voran. Am 20. Mai hieß es, wirwären bereits mit Rio auf demselben Breitengrade. Es war so, aber leider lagdas Ziel unserer Reise noch fünf Längegrade fern. Wir griffen nach dem Fern-rohr, um mit bewaffnetem Auge Land zu entdecken, das sich dem bloßen Blickeentzog. Mancher entdeckte Land, aber leider nur in seiner Einbildung. DieSchiffsbeamten antworteten auf alle einschlägigen Fragen sehr mysteriös mitzweideutigen Restrictionen. Am Freitag Morgen trieb die Entdeckungslust Vielenoch bei Nacht und Nebel auf's Verdeck. Und wirklich, noch hatte die Sonneden Horizont nicht erreicht, als man eben in nicht weiter Ferne hohe Bergkettenerblickte, die allerdings noch in einen dichten Nebel gehüllt waren. Die Erklärungdes Capitäns, der uns darin nur Wolken erkennen lassen wollte, konnte Niemandenmehr täuschen. Zudem änderte sich die Farbe des Wassers; sie ward erst blaß-grün, bald aber dunkelgrün. Schwärme von Vögeln kamen uns entgegen, dieBergspitzen traten immer deutlicher hervor, augenscheinliche Beweise, daß wirder Küste nahe seien. Wir fuhren bereits in der Bai von Rio; das Cap Frio,das dieselbe nach Norden begränzt, lag schon hinter uns, das Cap Negro zogsich in seinen Auszackungen zu unserer Rechten hin. Nun bot sich der Anblick ^der Küste deutlich dem freien Auge dar: gewaltige Granitfelsen, die in sestge-schlossenen Reihen, aber in vielfachen Windungen häufige halbkreisförmige Ein-schnitte bilden, sich aber senkrecht in's Meer herablassen, und so die anprallendenWogen zurückwerfen. Allein gerade jetzt trat Windstille ein. Vergebens winkteuns der Leuchtthurm von Rio, und erkannten wir schon die Einfahrt in denHafen. Eben so wenig vermochte der schöne wolkenlose Himmel, der in Brasilien sonst immer den Fremden bezaubert, unsere Sehnsucht zu befriedigen. Dennzwei Tage noch auf dem Schiffe zu balanciren im Angesichte des Hafens, istgerade nicht sehr reizend. Doch was half das Murren? Am Vorabende vonPfingsten, den 22. Mai sollten wir aus der Arche steigen. Schon morgens neunUhr wurde um ein Dampfschiff telegraphirt, das uns in den Hafen bringensollte. Allein bis Nachmittag vier Uhr mußten wir warten. Dann erst rauchtederProtector" heran und brachte uns nach anderthalb Stunden in den Hafen.Ungefähr in einer halbstündigen Entfernung vom User ließ er uns zurück. DerAnker wird ausgeworfen, die brasilianischen Zoll- und Sanitäts-Commissionenrudern aus Barken unter Zelten heran und besteigen mit bedeutsamer MienediePetropolis." Wir werden als zulassungsfähig erklärt; ein Boot, das soeben die kaiserlichen Commissäre an Bord gebracht, nimmt uns auf, und binnen25 Minuten stehen wir wieder auf festem Lande am Hafen gegenüber dem kaiser-lichen Palaste. Somit haben wir einen Weg von 75 Breite- und 50 Länge-graden in 35 Tagen zurückgelegt. Der Herr war mit uns und auf die Fürbitte