der seligsten Jungfrau wendete er alles Unheil von uns ab. Ihm allein sei da-für Ehre, Opfer und Anbetung; unserer gebenedeiten Beschützerin aber Lob undPreis immerdar!
II
Den Eindruck, den die glückliche Ankunft in der neuen Welt auf michmachte, vermag ich Ihnen kaum zu schildern. Wenn der Anblick der riesenhaftenBergketten, die an der Küste beginnend wellenförmig in's Innere des Landes fort-laufen, großartig ist, so darf man die üppige Vegetation auf den hohen Granit-gebirgen prachtvoll nennen. Sie tragen bis zu den äußersten Spitzen auf ihrenschrägen Flächen die schönsten der Bäume, die Palmen, an deren Kronen herrlicheBlumen prangen, mit anderen tropischen Gewächsen jeglicher Art, die ohne alleCultur gedeihen. In den Thälern aber erst entfaltet sich ein paradiesischer Schmuck.Eine ganz neue Flora findet man hier; nur in größeren botanischen GärtenDeutschlands erinnere ich mich, einige dieser Pflanzen gesehen zu haben. Aberwas sind diese abgelebten Treibhaus-Produkte gegen ihre Stammgenossen, diehier ganz frei vegitiren und wuchern? Daher die ausgebildete Größe selber beiBlumen, daher die Frische, Lebendigkeit und Mannichfaltigkeit der Farben, andenen sich anfangs das Auge nicht genug ergötzen kann. Dieses reiche und frischeColorit findet sich auch in den Häusern, an den Kleidern und Gemälden sehrgeschmackvoll gemischt wieder. Die verschiedenartigen süßen Früchte sind für denEuropäer zwar sehr anlockend, aber mäßig zu genießen, will er nicht bald einOpfer des gelben Fiebers werden. — O wenn sich doch nicht auf dies herrlicheBild der Natur aus dem sittlichen Gebiete des Volkes dunkle Schatten lagerten!Doch ehe ich Sie dort hinüberführe, möchte ich Ihre Sinne noch ein wenig andas Irdische fesseln, indem ich in schwachen Umrissen die Stadt selbst zeichne.
Eine der größten Merkwürdigkeiten der jetzigen Hauptstadt Brasiliens istwohl ihr schöner, großartiger Hafen, zu dem man von der hohen See durch dieBai von Rio Janeiro gelangt. Es gibt nur eine einzige Einfahrt in denselben.Während nämlich längs der Küste die hohen Granitfelsen sich senkrecht in dasMeer hinablassen und nur kleinere halbkreisförmige Ausschnitte bilden, so erstrecktsich einer dieser Ausschnitte unabsehbar in das Land hinein, und der Fremde,welcher der Küste entlang fährt, möchte glauben, ein mächtiger Strom mündehier in's Meer. Diese scheinbare Mündung des Stromes ist in Wirklichkeit dieEinströmung des Meeres in die weite Bergschlucht und bildet den Eingang zumHafen. Sie ist etwa eine halbe Stunde breit. An beiden Enden erheben sichzwei hohe Felsen, die Ausläufer der hier durchbrochenen Gebirgskette. Der einedieser Felsen steigt kegelförmig hervor und heißt deßhalb „Zuckerhut;" der anderefällt mehr terrassenförmig schräg in die Bucht, an dessen Abhängen ein großeswohlbesetztes Fort erbaut ist, das die Brasilianer mit der Festigkeit des Malakoffvergleichen möchten. Diesem gegenüber unter dem „Zuckerhut" liegt ein kleineresweiter der Stadt zu ein drittes Fort, um so jeder feindlichen Flotte den Eingangzu verwehren. Diese Einströmung des Meeres erstreckt sich der Länge nach sehrweit in's Land, etwas weniger der Breite nach, jedoch so, daß zu beiden Seitenin die Thäler noch viele Nebenströmc auslaufen, die so tief sind, baß die größtenKriegs- und Kauffarthei-Schiffe an's Ufer fahren können.
Die eigentliche Stadt breitet sich halbinselförmig längs des Hauptstromes(Rio) und des einzigen südwestlich auslaufenden Nebenstromes aus, fast in am-phitheatralischer Erhöhung mit kolossalen Gebirgen im Hintergründe, deren äußersteSpitzen der Schaulustige wie auf Stufen ersteigen kann, falls ihn nicht der glühendeSonnenstrahl zurückhält. Ursprünglich wurde die Stadt entlang dem Ufer desRio und des südwestlichen Nebenstromes gegründet, nämlich im rechten Winkelbeider Ströme. Jnerhalb dieses Raumes liegen die Hauptgebäude der Stadt: