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das kaiserliche Schloß, die allmiciogg (Zollhaus), die «snta ca-m 6a misoncorclia(Spital), die Benedictinerabtei, ein Theil des alten Jesuitencollegiums, derpgssoio pulilioo, die Mariaschule, Kaufhallen. Doch bei zunehmender Vergrößerungrückte man bald über die ebene Fläche hinaus und siedelte sich auf den terrassen-artigen Anhöhen im Halbkreis an. Auch unsere Kater erweiterten ihre ersteNiederlassung, und stiegen mit ihrem Bau bergan. Von der Fronte des Kolle-giums aus, die zunächst auf den unten liegenden Garten schaut, hat man einewundervolle Aussicht auf die Stadt und den Hafen. Der Neubau der Kirchewurde wegen Aufhebung der Gesellschaft Jesu nicht vollendet; bisweilen wirddarin noch die heil. Messe gelesen. Einen Theil des geräumigen Kollegiumsbewohnen jetzt die Patres Lazaristen , den andern nimmt dies oder jenes Bureauder Verwaltung ein, in die übrige Wohnung theilen sich Soldaten, Gefangeneund zahllose Neger. Den Haupteingang ziert noch der Namenszug des Erlösers.Ich wandere alle Tage um diese theure Stätte und seufze zu ihrem ersten Grün-der, dem ehrwürdigen l'. Anchieta empor, den die Brasilianer jetzt noch als ihrenApostel verehren. Viele und zwar gebildete Brasilianer erzählen noch mit freu-diger Wehmuth von ihren Vätern, wie sie die alten Patres nennen. — Unterdem Garten des Kollegiums liegt das weitberühmte Spital: 8anta easa 6a miski-i-eui6ia; das Leproscnhaus, uuser ehemaliges Noviziat, liegt in St. Christophaußer der Stadt. Rio-Janeiro selbst ist zwanglos angelegt, mit nicht gar breiten,aber sehr langen Straßen, mit großen freien Plätzen und Promenaden in derNähe des Hafens. Die Häuser sind meist Nur zwei Stock hoch, stehen tief imBoden und bieten nicht selten den Anblick eines alten Stadtviertels in Nieder-dentschland; die älteren Kaufläden sind finster und schwärzlich, und erinnern, zu-mal wenn gerade das Auge auf viele Negergesichter fällt, an die in gewissenGegenden altherkömmliche Rauchbühne. Das kaiserliche Schloß ist nichts wenigerals palastartig nach europäischen Begriffen, manches Gymnasium oder Rathhausin Deutschland könnte sich mit ihm messen. Allein je unansehnlicher hier manch-mal die Häuser von Außen, desto bequemer sind sie im Innern. Fast jedesZimmer gleicht dem Salon einer Sommer-Villa, geschmückt mit prächtigen Tapetenund seltenen Blumen; schön sind die Gänge und Altanen, auf denen Wasserbeckenzur Kühlung angebracht sind. Ueberhaupt ist die ganze Anlage und Bauartder Häuser für die heiße Zone berechnet, um gegen die Gluth der Sonne einAsyl zu gewähren. Die Stadt selbst, ihre Theile, Straßen und öffentliche Ge-bäude sind nach Heiligen benannt, was allerdings nicht befremdet, da ja diesauch in vielen anderen Städten geschieht; aber mehr als auffallend ist es zuhören, wie die verschiedenen Theater, auf denen noch mehr Unsitte, wie inEuropa herrscht, 8. ?o6rv 6a ^icanelara, 8. "lore-ai, 8. OrIci8, 8. Antonio heißen.Freilich unsere jetzigen europäischen Industriellen benennen nicht mehr so diehier gebauten Schiffe, angelegten Straßen und Eisenbahnen. — Einige Theilesind schmutzig und für den Fußgänger sehr unbequem. Steinklötze, die etwasmit Erde beworfen sind, sollen das Pflaster bilden, indeß sie tiefe Löcher offenlassen, die bei Nacht lebensgefährlich werden können. Man wirft Abfälle jederArt aus die Straße, und namentlich leisten die Neger hierin Ausgezeichnetes,trotzdem daß die civilisirten Europäer mit Aufgebot der Wissenschaft dagegenraisonniren und schreiben. — Die Ausdehnung der Stadt ist, ich möchte fastsagen, unermeßlich. An Raum fehlt es nicht. Wem die Ebene nicht gefällt,dem stehen die.Götzen zur Verfügung. Wohin man nur geht, überall findet manguten Boden, überall Schönheiten der Natur. Daher ringsum die vielen Land-häuser (qui»li>8) mit herrlicheu Gärten, Palmenhainen und Blumenwäldern, woreiche Eigenthümer aus verschiedenen Erdtheilen, besonders Kaufleute, wohnen. —Die ganze Stadt ist mit Gas beleuchtet, und wegen ihrer Lage ist diese Erschei-nung fast feenhaft. Wenn man in der Abenddämmerung vom Hasen in die