nun der König kam, fand er nicht nur Nichts zu seiner Bewirthung, sondernauch das Haus seines Dieners beschmutzt und in Unordnung. Der Bedienstetehatte Strafe verdient, aber sein Herr verschonte ihn für diesmal. Ja, damitder Verschwender sein Vergehen wieder gut machen könne, ließ er sich zum zweitenMale als Gast ansagen und sandte zum zweiten Male die köstlichsten Speisenund Geschirre. Allein der Treulose machte es jetzt noch ärger, als vorher. Undso ging es dem armen Könige noch viele Male. Da ward er endlich ungeduldigund ließ den treulosen Diener für die übrige Lebenszeit in einen dunklenKerker werfen.
Der König, mein Christ! ist Dein Heiland! der treulose Knecht bist Dudas Gastmahl ist die heilige Kommunion, die Speisen und Geräthschasten sinddie geistigen Dorzügs, welche Du von Gott empfangen, die Gnaden, die er Dirmittheilt, damit Du sie zu seinem Dienste gebrauchest. Die Freunde sind dieWelt und ihre Verlockungen, in deren Dienste Du Deine Vorzüge und Talentevergeudest. Wenn nun Christus in Dein Herz einziehen will, findet er DeineGaben und Fähigkeiten im Dienste der Welt verwendet, die Wirkungen seinerGnade ertödtet, Dein Herz in Unordnung und mit ungczähmten Leidenschaftenbeschmutzt. Da theilt er Dir von Neuem seine Gnade mit, erhält und steigertDeine Fähigkeiten. Du aber verharrest im Dienste der Welt und empfängstwiederum unwürdig den Leib des Herrn. So mißbrauchst Du gar oft die GüteDeines Gottes, bis Dich der Tod abruft zu den Qualen der ewigen Finsterniß.
Heimsuchung Gottes.
Gentilezza, eine vornehme römische Dame, war stolz und eitel über ihreSchönheit, den Freuden der Welt und dem Putze sehr ergebeu. Sie vernachläs-sigte ihre Pflichten gegen ihren Mann und ihre Kinder, und überließ sich sorglosden Vergnügungen. Die hl. Franzisca hatte Mitleid mit ihrem Zustande, undsuchte sie durch liebevolle Ermahnungen aus bessere Wege zu bringen. Allein dieleichtfertige Dame lachte der guten Worte und spotette der Ermahnungen. Fran-zisca betete für sie und sprach eines Tages zu ihr: „Du verlachst meine Er-mahnungen und die deines Beichtvaters; aber bald wirst du sehen, daß mannicht ungestraft der Gewalt des Herrn der Welt widerstehen kann." Bald daraufthat Gentilezza, die in der Hoffnung war, einen schweren Fall auf der Stiegeihres Palastes. Ihre Diener hoben sie halbtodt auf; sie hatte sich die Nase ge-brochen und die Lippen gespalten. Die Aerzte erklärten ihren Zustand hoffnungs-los. In diesem furchtbaren Augenblick dachte sie nur an den Verlust ihrer Schön-heit, nicht an den ihrer Seele. Da trat die heilige Franzisca an ihr Bett, umsie zu trösten, und ihr beizustehen. Mit aller Güte, aber auch mit Ernst hieltsie der Kranken ihr früheres Benehmen vor, erklärte ihr daß dieser Vorfall eineStrafe wäre, welche Gott ihr in seiner väterlicher Barmherzigkeit zugeschickt,um sie von den Wegen des Verderbens zurückzuführen, und mahnte sie zur Reueund Buße. Da ging Gentilezza in sich, erkannte die Gefahr ihrer Seele, undüberzeugte sich, daß sie Gott gezüchtiget und daß sie noch größere Strafe verdienthätte. Mit Ergebung ertrug sie die Schmerzen ihrer Krankheit, und als siewieder gesund wurde, ward sie eine der frömmsten, musterhaftesten FrauenRoms.