Ausgabe 
20 (22.7.1860) 30
Seite
236
 
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Seelen vom Verderben gerettet werden sollen! Einen nicht unbedeutenden Theilbilden unter dieser Bevölkerung die Neger, welche auf die sittlichen Zuständedes Landes sehr großen Einfluß üben und ganz besonderer Pflege bedürfen.

Doch über diesen Punct, so wie über einige weitere Beobachtungen, diefür Ew. Hochwürden nicht ohne Interesse sein werden, in einem anderen Briefe.

Das gelbe Fieber hat uns, Gott sei Dank, bisher verschont. Beten Sie,daß wir auch ferner gesund bleiben, um doch Etwas zum Heile der Seelenwirken zu können. Michael Kellner, 8.

Das elfenbeinerne Crucifix von Genua .

(Schluß.)

Ein Jahr war vorüber, seit der junge Carlo diese abgeschiedene Zufluchtsstättebetreten hatte. Sein Noviziat war zu Ende, und der Superior, gerührt von seinenfrommen Bitten, gestattete ihm als Laienbruder die feierlichen Gelübde abzulegen.Er gab sich sofort den Pflichten hin, die er erkoren hatte. Jahre glitten inFrieden vorüber. Jenseits der Mauern war Bruder Carlo nicht gekannt, außervon den Armen, den Bejahrten oder Kranken in der Umgegend der Gebirge,denen die Mönche durch den Laienbruder Carlo Trost und Hilfe sandten. DieZeit, welche er nicht in Liebeswerken oder den zum Kloster gehörenden Arbeiten,im Gebet oder in frommer Betrachtung zubrachte, verwandte er zum Lesen derfrommen Bücher in der Klosterbibliothek, oder zum Schnitzen künstlicher Bilderdes Titnlar-Patrons des Klosters, des heil. Nicolaus oder der Jungfrau undihres Gotteskindes. Seine Lectüre und sein beschauliches Leben hatten in seinerSeele die erhabenen Eindrücke der Liebe, Dankbarkeit und Verehrung befestigt.Eines Abends saß er in seiner einsamen Zelle, und dachte über die Leiden nach,durch welche sein Heiland seine Erlösung erkauft hatte. Während er so inGedanken versunken war, schien er einen Augenblick sich selbst entrückt zu sein äußerliche Gegenstände waren für ihn nicht vorhanden. Finsterniß war umihn her nicht die kalte, bekannte Finsterniß der Nacht, sondern ein dunkel-rother Schimmer, gefärbt durch eine dicke, bleifarbene Masse, welche den Tagschrecklich dunkel machte, so wie man es sich wohl beim Untergang der Weltendenken könnte. Anfangs war in dieser entsetzlichen Düsterheit kein Gegenstandsichtbar. Der Geist des Beobachters war gedrückt er schien zu ersticken, ohneKraft, es abzuwenden allmälig traf ein heftiges Gemurmel das Ohr desMönches, es schwoll an wie das Getöse eines starken, rauhen, mißtönenden Tumultes.Es war kein Jubel in dem Schalle, er schwoll wie ein Sturmgebrüll, das plötz-lich in dem weiten Raume der Finsterniß gehemmt wird und verloren geht.Die Seele des Mönches war schwer niedergedrückt mit der Vision des Cal-varienberges das Getöse, in ein hohles Spottgelächter umgewandelt, warddurch das dumpfe Brüllen hindurch gehört, und eben, als die Sonne aus dergreifbaren Düsterheit hervorzubrechen schien, fühlte er sich neu belebt. Er sahden eben noch so stürmischen Haufen verstummt, als ob ein elektrischer Schlag sie leblosniedergestreckt hätte als er nochmals hinsah, hatten sie sich langsam hinweg-gewandt. Dumpfer Kummer und Scham beugte ihre Häupter, und da am Fußedes Kreuzes des Erlösers schien der Mönch allein und stumm zu stehen. Ueberihm hing das göttliche Opfer für die Sünden der Menschen. Der Mönch blickteempor, ein Lichtstrahl schien auf das Antlitz des todten Heilandes, das Lebenwar in demselben Augenblicke entflohen, als das Licht wiederkehrte. Leiden hattedort geherrscht, es war jetzt hinweg, der Schmerz des Todes hatte ein Zeichenaus der Stirne zurückgelassen, gleichsam zum Zeugniß, daß er vorhanden gewesenwar. Dennoch ruhte ein süßes Lächeln unbeschreiblich still auf den Gestchtszügen.