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Orten ist es von den fähigsten Richtern als ein unübertreffliches Kunstwerk be-trachtet worden. Aus dem Besitz des Herrn Powers, der es von Hrn. Lesterkaufte, ging es in die Hände des Kosmopolitan-Kunstvereins über, welcher esum die Summe, von 10,000 Dollars kaufte, von da an einen Herrn diesesStaates, und von diesem in den Besitz des Hochwürdigsten Bischofs Neumann,durch welchen es seine passende Bestimmung in dem Tempel jenes göttlichenWesens erreichen sollte, von welchem die Inspiration kam, nach der das Werkgebildet wurde. _
Der Allerseelentag.
6. Am Allerseelentage besuchte Leuthold mit seinem dreizehnjährigenSohne den Friedhof. Beide durchwandelten die Reihen der mit Blumen reichgeschmückten Gräber, und der Knabe äußerte die lebhafteste Freude, wenn er einGrab nach seinem Sinne recht geschmackvoll geziert fand. Da kamen sie an einGrab, welches mit keinen Blumen bekränzt war. Nur ein Mädchen kniete vordem einfachen Kreuze und betete und weinte bitterlich.
Ach! — sagte der Knabe — dies Grab ist ja gar nicht geschmückt.
Glaubst Du? — entgegnete der Vater — Ich sage Dir, es ist schöner ge-schmückt, als alle verzierten Gräber ringsumher.
Wie das? mein Vater! Blumen schmücken doch mehr als keine Blumen.
Woher weißt Du, mein Kind! daß nicht auch dieses Grab mit Blumengeschmückt ist?
Ich sehe keine.
Es sind Blumen der Andacht und Dankbarkeit, welche aus dem Gebete,den Thränen dieses kleinen Mädchens erblühen. Beide Blumen sagen uns, daßunter diesem Grabe ein edles Herz schlummern muß, welches des Dankes undseiner Bethätigung durch inbrünstiges Gebet zu Gott nicht unwürdig ist.
Doch die Blumen der andern Gräber, zeugen nicht auch sie von der dank-baren Erinnerung an die in den Gräbern Schlummernden? — fragte der Kleine.
Möglich, und auch nicht möglich — versetzte Leuthold.
Warum auch nicht möglich?
Hast Du nicht bemerkt, daß alle Gräber, dies einzige ausgenommen, mitBlumen bekränzt sind?
Freilich, allein weßhalb diese Frage?
Siehe! die größere Zahl gleichartiger Erscheinungen bildet stets die Regel,die kleinere Zahl entgegengesetzter Erscheinungen die Ausnahme von diese Regel.Die geschmückten Gräber bilden also die Regel, das nicht geschmückte die Aus-nahme. Ist es uun nicht denkbar, daß Manche nur deßhalb die Gräber ihrerEntschlafenen mit Blumen umwinden, um nicht zu dieser Ausnahme zu gehören?
Wohl wahr, lieber Vater! Manche Gräber jedoch, und zwar die wenigerensind so mit Kränzen und Guirlanden überladen, daß auch sie gegen die übrigenmindergezierten die Ausnahme bilden, weil ja gerade in der geringern Zahl dieAusnahme liegt. Die Angehörigen von den Bewohnern dieser Gräber strafenalso Deine Behauptung Lugen.
Freilich bilden auch diese eine Ausnahme. Was bemerkst Du indeß bei'mVergleiche dieser Ausnahme mit der frühern?
Daß beide Ausnahmen sich gegenüberstehen.
Richtig — versetzte der Vater — dieser Gegensatz äußert sich nun auch inentgegengesetzten Wirkungen.
Worin bestehen diese entgegengesetzten Wirkungen? — fragte der jungeLeuthold.
In dem Aussehen, welches das nicht gezierte und die überzierten Gräber durch