Ausgabe 
20 (22.7.1860) 30
Seite
240
 
Einzelbild herunterladen

240

ihre Augenfälligkeit vor den übrigen erregen müssen, sowie in dem Urtheile,welches die Menge hierüber fällt. Die Menge urtheilt dem Aussenscheine nach.Ist dieser Schein glänzend, wie bei den überschmückten Gräbern, dann fällt auchdas Urtheil glänzend aus. Ist er vermieden, dann ist das Urtheil zum minde-sten bemitleidend, oft sogar bitter. Die Eigenthümer jener überzierten Gräberalso haben nicht ihre Todten, sondern sich selbst ehren wollen, indem sie der Weltdargethan, daß sie keine Kosten scheuten, um einer an sich frommen, aber oft biszur Thorheit mißbrauchten Sitte zu huldigen. Wie glücklich ist der Todte da-gegen, welcher in diesem Grabe schlummert? Keine Zierrath an seinem Kreuzedeutet auf einen Angehörigen, der vor der Menge glänzen wollte; ihn aber ehrtdies knieende Mädchen vor den Augen der Welt, wie vor Gottes Auge.

Vor den Augen der Welt?

Ja, mein Kind! Für wen nach seinem Tode mit solcher Inbrunst gebetetwird, der besitzt Jemanden auf der Welt, welcher sich ihm zu heißestem Dankeverpflichtet fühlt. Er muß sich also dieses Dankes durch edle Handlungen werthgemacht haben, und kann mithin kein schlechter Mensch gewesen sein.

Und vor Gottes Angesicht?

Ich habe Thränen und Gebet dieser Kleinen schon früher Blumen derDankbarkeit und Andacht genannt. Die Wohlgerüche dieser Blumen steigen zuGott empor, sie sammeln sich zu Verdiensten für den Verblichenen und wägenvielleicht die letzten Makeln auf, welche bisher die Seele des Verewigten dergöttlichen Anschauung noch nicht würdig machten. Ist dieser Entschlafenenicht in Wahrheit geehrt?

Und glücklich, lieber Vater! Wie bemitleidenswerth dagegen sind die Be-wohner der übrigen, mit Blumen geschmückten Gräber?

Urtheilen wir nicht zu vorschnell! Schon beim Anfange unseres Gesprächeshabe ich die Möglichkeit einer dankbaren Erinnerung ihrer Hinterbliebenen zu-gegeben, welche Erinnerung ja auch durch Gebet werkthätig und fruchtbringendwerden kann.

Die Blumenverzierungen sind also nutzlos und eitel?

Das nicht, mein liebes Kind! Sie dienen zur Versinnbildung der dank-baren, im Gebete sich geistiger Weise äußernden Erinnerung und erfüllen soihren Zweck vollkommen. Fehlt aber diese Erinnerung als Seele des Sinnbilves,dann wird dies kindlich einfache Sinnbild ein Prunkbild vor der Welt. DasSinnbild, liebes Kind! verdorrt, und sei es aus den schönsten Blumen geschlun-gen; allein das Versinnbildete: die Blume des Dankes und der Andacht erblühtewig, unverwelklich. _

Fragen und Antworten.

1. Frage.

Wer ist der wahrhaft freie Mann?

Antwort.

Den keine Lust mehr knechten kann.

2. Frage.

Sag', welches ist der beste Weg, zum Himmel zu gelangen?Antwort.

Der ist es, den der Herr vom Himmel selbst vorangegangen.

3. Frage.

Wie wird es sein in jenem Leben?

Antwort.

Es wird auf dieses Antwort geben.

Redaction un» Verlag: Dr. M. Huttler. Druck »on 3. M. jkleinle.