Ausgabe 
20 (29.7.1860) 31
Seite
241
 
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29. Juli 1860.

Das AugSburger Sonntagsbltta (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Deutsche Missionen in Brasilien .

(Fortsetzung.)

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Brief des U Kellner.

Portalegre, 25. Juni 1858.

Wir sind nun um ein Bedeutendes unserem Ziele näher gerückt; doch bevorich Ihnen etwas über unsere Reise von Rio-Janeiro hierher erzähle, muß ichnoch, wie ich in meinem letzten Briefe versprach, Ihnen über einige Punctenähern Ausschluß geben. Ich beginne mit dem interessantesten, der die Negerbetrifft.

Früher holten europäische Schiffe ganze Ladungen dieser Unglücklichen ander afrikanischen Küste und brachten sie wie Stücke Vieh aus die SclavenmärkteBrasiliens . Was sich da zugetragen, wird einst offenbar werden. Seitdem inneuerer Zeit diese Einfuhr von Negern verboten worden, blieben die bereitseingeführten, so wie Alle, die von einer Negersclavin abstammen, Sclaven.Häufig besteht das ganze Vermögen eines Brasilianers im Besitze von Negern.Denn sie sind die Arbeiter, und was ist hier ein Landbesitzer ohne Arbeiter?Das Loos dieser Sclaven hat sich jetzt physisch bedeutend gebessert. Man treibtsie nicht mehr wie Maulthiere auf den Markt, sondern kauft und verkauft sieunter der Hand; man peitscht sie nicht mehr in Masse zu Tode, der Neger kannsich sogar loskaufen, man wirft ihre Leichen nicht mehr, wie Aas, auf die Straßen;kurz, die barbarische Denk- und Handlungsweise hat sich geändert. Gleichwohlgilt der Unglückliche noch als Waare; ein Stück erster Qualität kostet immerseine 1500 bis 2000 Thaler. Ein solches Capital muß er nun durch Arbeitseinem Herr wieder einbringen; auf dem Lande braucht man ihn in den Plan-tagen und Bergwerken, in der Stadt als Knecht, Lastträger, Hausirer mit Waaren.Es gibt solche, die deren einige Dutzend besitzen, und sie, wie man etwa inDeutschland bei Lohnkutschern Pferde und Wagen vermiethet, täglich um einigeFranken verdingen. Oder der Sclave muß sich selber Arbeit suchen und dafürseinem Herrn jeden Tag ein Gewisses zahlen. Verdient nun der arme Menschunglücklicher Weise nicht so viel, dann hat er es durch Prügel zu ersetzen, ver-dient er mehr, so gehört der Ueberschuß ihm. Sie verdienen aber schon ihrenTaglohn; denn, es ist fast unglaublich, ein Neger trägt mehrere Centner undzwar auf dem Kopf, so daß ich nicht begreife, wie diese gewaltigen Lasten ihnennicht den Schädel zerquetschen. Der Herr seinerseits muß sie nähren undkleiden. Hungern läßt man sie nun nicht, es liegt dies im eigenen Interesse;aber für die Kleider wurde ebenfalls schlecht gesorgt. Der Sclave bekam einbaumwollen Hemd, eine Hose und eine Jacke, und das mußte er tragen, so langedie Lumpen noch zusammenhielten. Da haben denn die Europäer mit Klagenund Schimpfen den Brasilianern solch eine Unsitte begreiflich gemacht, und jetzt