Ausgabe 
20 (29.7.1860) 31
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bekommt der Neger nach Bedürfniß entweder abgetragene Kleider von der Fa-milie, oder seine freien Stunden zur Arbeit, damit er sich Geld für Kleidungverdienen könne. Nun, weil er sich für schöner als die Weißen hält, undwenigstens eben so eitel ist, wie sie, sucht er sich auch aufzuputzen, und gehtam Sonntage in Staatskleidern herum: in schwarzem Rock oder Jacke, weißenoder schwarzen Pantalons, einem im Regen verunglückten Seidenhut mit breitenherabhangenden Krampen, einer Weste mit Chemisette, worauf sich die Farbeseines Gesichts abgespiegelt hat, die Finger voll Ringe (dazu dient ihm ein alterFingerhut oder der Ring von einer Tasse oder sonst einem zerbrochenen Gefäß);eine Cigarre oder Ghpspfeife im Munde, und wenn diese verdampft ist, eineMaultrommel; aber ohne Fußbekleidung, denn die darf er nicht tragen. DieNegerin, die in der Küche, mit der Wäsche, bei den Kindern beschäftigt ist, zeigtsich selten auf der Straße: erscheint sie in Gala, so geschieht es im weiten Kleidemit verschiedenen Abstufungen, woran unzählige Glöckchen hängen und was siesonst etwa geschenkt bekommen hat, halb wild, halb parisermäßig, ebenfalls bar-fuß. Unter einander nennen sich die Neger ,,8eüor," was sie von denhochtrabenden Titulaturen ihrer Herren angenommen haben, denn der Brasilianerhat zehn oder zwölf Titel vor seinem Namen und eben so viele dahinter. Läßtsich aber einer ihrer Ra?e einfallen, nicht mehr sein schlechtes Portugiesisch zukrächzen und zu kreischen, sondern nimmt er einen Anlauf, rein zu sprechen, sofragen sie ihn, ob er vielleicht ein braneo üiäslgo (ein weißer Edelmann) ge-worden sei. Ganz ausfallend, was ein Neger aushalten kann. Mit bloßemKopfe in der glühenden Mittagshitze arbeiten, aus freier Straße campiren, oderin der Hausflur auf bloßem Boden schlafen, in einen Pestilenzischen Dunstkreisgehüllt sein, nicht selten tüchtige Hiebe fühlen müssen: das thut ihm alles nichts,er ist dabei wohl und zufrieden; nur der Cholera kann er nicht trotzen, diebesonders unter den Schwarzen ihre Opfer sucht.

Aber, werden Sie fragen, wie sieht es mit ihrer Moral und Religion aus?Leider, nicht gut. Und darf das wohl befremden? Man sagt zwar: der Negersei dumm und undankbar, flegelhaft, könne nur mit Prügeln gebessert werden.Allerdings wahr, aber wenn man ihn, wild wie er ist, in seiner Wildheit er-hält, ihm keinerlei Unterricht ertheilt, sein Herr sich gar nicht darum kümmert,ob und wie er Religion übe, ja wenn er von seinem zügellosen Herrn nichtsGutes sieht und hört oder selbst zum Bösen angeleitet wird, wie kann er dagut gesittet werden oder bleiben? Zudem sind diese Sclaven mit Arbeit über-laden, manchmal taub und blödsinnig, jedenfalls sehr bornirt, woran auch, wiemir Wendelin bemerkte, das fortwährende Lasttragen auf dem Kopse schuldist. So geschieht es, daß die Meisten ohne alle Begriffe von Religion aufwachsen.Die guten Patres Capuziner halten ihnen Christenlehre und hören besondersdie Alten und Tauben Beicht, was eine entsetzliche Mühe ist. Gleichwohl sagendie Patres im Spital, daß die kranken und sterbenden Neger für die Hilfe derReligion am empfänglichsten seien. Sie glauben kaum, wie wehe es uns that,wenn wir diese Armen sahen und ihnen nicht helfen konnten. Ueber 100,000sind in Rio-Janeiro allein, über drei Millionen in Brasilien , und jeder derselbenhat eine unsterbliche Seele! Großer Gott! wann kommt denn ein zweiterApostel, wie der selige p. Claver, um so vielem geistigen Elende zu steuern?

Ich bin überzeugt, daß es nicht so schwer wäre, sie für Gott und denHimmel zu gewinnen, wenn man nur freundlich mit ihnen umgehen kann. Siesind gutmüthig, und weil ihrer eigenen Unfähigkeit nnd Niedrigkeit bewußt, ge-lehrig und folgsam. Aber Erwachsene wie Kinder haben eine angeborene Furchtvor den Weißen, nnb wenn man ihnen noch so freundlich begegnet, zittern siedoch zuerst einige Augenblicke. Wenn ich die Kinder anredete oder Miene machte,sie bei der Hand zu nehmen, so fingen sie an zu lausen und zu schreien, und