Ausgabe 
20 (29.7.1860) 31
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244
 
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zu sagen. Denn diese kriegt er nicht, weil sie ihm der himmlische Vater versteckthat. Bist du brav, so kommst du in den Himmel und kriegst eine goldene Krone,während dein Herr vielleicht in die Hölle kommt, und du ein König wirst, eraber ein Sclave. .." (Letzteres gefiel dem Neger.)Ja/ fuhr der Pater fort,es ist so. Aber jetzt bist du nicht blos ein Sclave deines Herrn, sondern auchein Sclave des Teufels. Du bist das Pferd des Teufels, woraus er reitet."

klon ^esu Oboist! miillm Lonlior»! (Guter Heiland! meine Gebieterin,Maria!)

Ja, du hast unserem Herrn ein Messer in's Herz gestoßen.

Das machte den Neger immer nachdenkender, und nach einigen Augenblickenfragte ihn der Pater: ob er das wieder thun wolle.

>unen iiuiis, nunoo inais, meu Mute«! (Nie wieder, mein Vater!)

Ich meinte, es müsse dem Burschen jetzt Ernst sein; allein ?. Wendelinzweifelte und fürchtete, bis zum Abend würde er wieder der alte Sünder sein.

Da die Neger wegen des verpönten afrikanischen Sclavenhandels nun seltenerwerden und man doch Arbeiter braucht, so macht man Jagd auf Weiße undAuswanderer; die nicht vorsichtig sind, fallen Speculanteu oder ihren Agentenin die Hände und haben fast kein günstigeres Loos, als die Sclaven. Unlängstklagte ein betrogener Schweizer bitter bei ?. Wendelin, wie ein solcher Plan-tagenbesitzer eine Schweizer -Colonie kommen ließ, aber die arglosen, unbemitteltenLeute durch perfide Contracte fast zu seinen Sclaven gemacht hat. Als endlichdie Schweizer aus seinen Fesseln entkommen, lockte er eine Schaar Chinesen an,die ihm nun willfährig sein müssen. Die Regierung selbst verfährt nicht so treulosund schimpflich, wenn sie Colonisten herruft. Aber da sie vieler Mittelspersonensich bedienen muß, kann immer noch Betrug stattfinden, k. Wendelin fragtebeim Minister an, ob auswandernde Tiroler freie Uebersahrt, Beförderung anOrt und Stelle, und ein Stück Land erhielten. Der Minister antwortete ihm:Freie Uebersahrt nicht, wohl aber das Andere. Wie eben dieser erfahrene Mis-fionair versicherte, stehen sich die Eingewanderten, freilich nachdem sie vielesBittere gekostet, in vielen deutschen Colonien, die er kennt, sehr gut; namentlichgilt dies von der größtentheils deutschen Colonie Petropolis, die jetzt zur Stadterhoben und in der heißen Jahreszeit von angesehenen Brasilianern und Aus-ländern, sogar vom Hofe bewohnt wird. Bereits führt von Rio-Janeiro eineEisenbahn dahin.

(Fortsetzung folgt.)

Wie Hannchen beten lernt.

In einem kleinen Orte, der von prächtigen Wiesen und Wäldern umgebenist, hatten brave Eltern ein Mädchen von sieben Jahren. Sie liebten ihr Hann-chen gar sehr, und alle Leute hatten es gern, denn es war ein freundliches,gutes Kind. Es blickte die Menschen aus seinen blauen Augen freundlich undtreuherzig an, und an dem lächelnden Munde und den beiden Grübchen in denWangen merkte man gleich, daß es gern lustig sei. Mit ihren Händen hatteHannchen immer etwas zu thun; recht ruhig konnte sie dieselben nicht leichthalten und die Füßchen vollends wollten gar nie lange an einem Platze bleiben.Sie wäre gerne in die Schule gegangen, wenn man dort nur auch ein wenighätte herumspringen dürfen. Kurz, Hannchen war ein sehr lebhaftes Mädchen.

Sie war aber nicht nur lustig, sondern sie hatte auch ein liebes gutes Herz,das keinem Thierchen und keinem Kinde wehe thun konnte; sie war den Elterngehorsam; denn wenn sie es auch einmal nicht war, so geschah es nicht aus Un-