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5. August 1860.
Das Augsburger Sonntagsbltta (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Deutsche Missionen in Brasilien .
(Fortsetzung.)
IV.
Picade da Sau Jose, 28. October 1859.
Nach einem zweitägigen Aufenthalt verließen wir Porto Alegre. Aus einemDampfschiffchen, woraus sich fast nur Deutsche hier ansäßigo Colonisteuin deutscherManier zusammenfanden, fuhren wir weiter auf dem Rio dos Sinos nach St.Leopold, dem Hauptorte unserer deutschen Colonie. Hier mußten wir übernachten.Am andern Morgen gegen 11 Uhr gewahrten wir auf der andern Seite desFlusses einige Männer mit Pferden für uns. Wir ließen unser Gepäck in Ver-wahr, schifften hinüber und fanden recht herzliches Willkommen unter diesendeutschen Pflanzern, die zwar nicht zum Pfarrbezirk unserer güten Patres ge-hörten, aber doch von ihnen den Auftrag erhalten hatten, im Falle unsererAnkunft uns zur Weiterreise behilflich zu sein. Von jetzt an geht alles Reisenzu Pferde, da es hier noch keine Straßen zum Fahren gibt und mit diesemRitt legten wir die erste Probe von unserer Reitkunst ab. Wir bestanden sienicht alle glücklich; denn Einer fand sich nach einer Weile auf dem Wege ab-gesetzt, und sein muthiges Pferd hatte sich in die weite wilde Welt verloren.Doch zum Glück war dem Reiter selbst kein Leid widerfahren. Auf dem Ham-burger Berg, wo sich verschiedene Handelsleute niedergelassen haben, bestiegenwir andere Pferde und nun ging's auf steilen und abschüssigen, ich möchte sagen,halsbrecherischen Wegen nach der Baum-Picade (Illo-uw «tos cious Irmaos), wowir mit einbrechender Nacht am 27. Juni, Gottlob! endlich endlich bei demhochw. P. Lipinski eintrafen.
Wie groß die wechselseitige Freude war, können Sie sich wohl vorstellen:die seinige, über die lang ersehnte und nun angelangte Hilfe, die unsrige, überdie glückliche Ankunft am Ziele der weiten Reise. Die religiöse Liebe und Ar-muth bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Wir bewohnen ein einsames,einstöckiges Hüttchen, von einem kleinen Garten umgeben. Der Palast bestehtaus vier Kammern, wovon die vierte, Speisesaal und Vorrathskammer, Schul-und Empfangssaal, Arbeits- und Schlafzimmer für die Brüder ist. Ein großerSaal säst ohne alle Kirchenornamente bildet die Capelle zum heil. Michael, dieuns eben so wenig gehört, wie das Häuschen und der Garten. Wir leben precärvon Almosen, die ziemlich sparsam, von Stipendien, die dann und wann gebotenwerden, von Victualien, die man mitunter bringt, die sich aber hier zu Landenicht lange aufbewahren lassen; frisches Fleisch ' hält sich zur Zeit der Hitzekeinen Tag.
Nach einem Monat ging ich zu der 6 Stunden entfernten Station des l>.Sedlak, kioculo clo 8--»n .lose. Man nennt diese Flecken Picadcn, d. i. Durchstich,weil eben an solchen Stellen der Wald durchstochen, niedergehauen ist. Was