nun das Feld unserer geistlichen Wirksamkeit betrifft, so ist dies ein sehr großes.Die ganze deutsche Cokonie St. Leopold zählt gewiß 17—18,000 Deutsche, wo-von fast die Hälfte katholisch. Sie ist auf drei Kirchspiele (trogne-nii.-;) vertheilt;in zweien derselben fungiren die beiden Patres Lipinski und Sedlak, die schonmehrere Jahre als Missionaire hier wirken, als Pfarrer; im dritten ein brasiliani-scher Priester, der im Städtchen St. Leopold seinen Sitz hat. In dem Kirch-spiele des 0- Sedlak leben zudem noch sehr viele Brasilianer, die im VolksmundePortugiesen heißen, so daß die ganze Frequesie nahe an 300 Familien in sichschließt, mit einer Scelenzahl von 3000, wenn nicht mehr. Ueberdies kommtnoch die Hälfte der Pfarrgenossen von St. Leopold zu uns zur Beichte, zumGottesdienste, zur Kranken-Provisur, da sie von ihrer Pfarrkirche zu weit ent-fernt sind, und dann dort einen Priester finden, der nur portugiesisch versteht.Gerade jetzt wird in unserem Bezirke noch eine neue Colonie mit einer Stadtangelegt, wo vorläufig für 1000 Familien eine Unterkunft vermittelt werden soll.
Um sich genauer orientiren zu können, gebe ich Ihnen eine kleine Beschrei-bung der Colonie. Sie ward 1827 gegründet. Die ersten deutschen Ankömm-linge waren vorn Hundsrücken und von der Mosel , nämlich aus dem Gebietezwischen Trier, Saarlouis, Koblenz und Birkenfeld . Die damalige Kaiserin,eine österreichische Prinzessin, wollte Deutsche in Brasilien haben, von denenschon seit 1813 viele als Soldaten angeworben waren. Die Regierung be-förderte sie unentgeltlich von den deutschen und holländischen Seehäfen nach dersüdlichsten Provinz Rio Grande do Sul, und wies ihnen im Urwald, ungefähr30 Meilen von der östlichen Meeresküste, nach Süd- und Nordwest hin Colonienumsonst an, von denen eine 100 brayas in der Breite, 1600 in der Länge mißt.Eine bra^38 ist etwas weniger als 7 Fuß. — Aber ein amerikanischer Urwald,welche wild üppige, riesenhafte Vegetation! Man sieht hier Bäume, die drei-mal so hoch sind, als deutsche Eichen, und ihre Kronen in einem für einenNichtaugenzeugen unglaublichen Durchmesser ausbreiten. Sie stehen da im frische-sten Grün oder zur Zeit der Blüthe in Rosen- und Lilicnbüschen. Danebenragen in zweiter Ordnung eine Menge tropischer Gewächse empor, von denenich bis jetzt nur die Palme, die Kokosnuß, den Jasmin und eine Art Theebaumerkennen konnte. Unten wächst dichtes Rohrgras, das beste Futter für's Vieh,und Schlingpflanzen die in allen möglichen Windungen und Verzweigungen un-durchdringliche, wie aus festen Schiffstauen geflochtene Netze bilden und oft nochdie höchsten Bäume umstrickt halten. Der Urwald selbst ist ein Abhang derTerra, eines sägeartigen Gebirgszuges, der von Norden nach Süden läuft.Auf diesem Abhang, der gleichsam die Rippen der Terra bildet, erheben sichzwischen sehr breiten Thälern einzelne Berge, so daß der ganze Urwald sichwellenförmig in die Serra anlehnt und gegen Osten an das Meer, gegen Südenund Westen aber in Ebenen (oam>> 08 ) ausläuft.
Diesen Urwald nun, bisher blos bewohnt von Indianern, Bukrer genannt,von Tigern, Tapiren, Schlangen, Affen, Papageien, und von unbändigen Waldströmendurchrauscht, sollten die armen Einwanderer fern von aller menschlichen Gesell-schaft, ohne alle Verbindungswege, cultiviren und hatten nichts anderes alsAxt, Säge, Spaten, Hacke, nebst Doppelgewehr und Dolch. Es gelang ihnen,freilich unter unzähligen Entbehrungen und Drangsalen aller Art, besonders inden ersten Jahren, wegen der häufigen Einfälle der Bukrer und des Bürgerkrieges,der von 1836 bis 1845 in der Provinz tobte, und in den die Deutschen theilsdurch schimpfliche Parteiungen ihrer eigenen Stammgenossen, theils durch brasi-lianische Räuberhorden mit verwickelt wurden. Allmälig wuchs die Bevölkerungdes brasilianischen Deutschlands . Gegen 25 Picaden, von denen die größten 70bis 90 Familien zählen, also gegen 25 Gemeiden führen schon das regste Lebenund die ältern Picaden sind in der That sehr wohlhabend. Denn die Prodncte