Vorsatz zum Guten, beichtest ungültig, überlieferst durch eine unwürdige Kom-munion Deinen Herrn und Heiland von Neuem dem Kreuzestode, und, nach-dem Du ihn gekreuzigt, schreibst Du an's Kreuz: „Dies ist der König der Wahr-heit!", wie einst Pilatus geschrieben: „Dies ist der König der Juden!" Warumthust Du dies Alles? Wie Pilatus nicht mit dem römischen Kaiser und denJuden, möchtest du es nicht mit der Welt verderben. Darum handelst Du gegenEinsicht und Gewissen und glaubst, Deine Hände in Unschuld waschen zu können,wenn Du Deine Lauheit dem Dränge der Geschäfte, dem scheinbar Nachahmungs-werthen Vorbilde sogenannter Ehrenmänner zuschreibst. Wasche, wasche nur zu!das schuldlos vergossene Blut bleibt an Deinen Fingern kleben, und die Flam-men der Hölle werden es nicht austilgen können.
Du genießest Jesum im heiligen Abendmahlc, welchem Joseph von Ari-mathäa und Nicodemus ein ehrliches und köstliches Grab bereiteten. Frage DeinHerz, ob es nicht schon oft eine Richtstätte, ein Grab für Verbrecher gewesenwar, in welches Du den empfangenen Heiland legtest? Aus dem Grabe desJoseph ging Jesus verherrlicht zu neuem Leben hervor. Aus Deinem Herzenaber wird er entweichen, beschmutzt, entweiht vcrunehrt.
Kurz vor seiner Himmelfahrt äußerte sich der göttliche Erlöser gegen seineApostel und Jünger: „Ich bin alle Tage bei Euch bis an's Ende der Welt."Auch bei Dir, mein Christ, der Du ja auch sein Jünger und Nachfolger seinsollst, würde er alle Tage bleiben bis an's Ende Deines Lebens, wenn Du ihnnur würdig empfangen und bewahren wolltest.
Dieser Jesus alio wird in der heiligen Kommunion empfangen. Weraber sind die Empfangenden? Wenn du dies, mein Christ! aufrichtig erwägest,dann mußt Du an Dein Herz schlagen und ausrufen: „O mein Herr! Ich binnicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach, sondern sprich nur Ein Wort,und meine Seele wird gesund."
Der Gang der Volksbildung in unfern Tagen.
Die Grundlagen der Volksbildung sind: die häusliche Erziehung, der Schul-unterricht, die Religiouslehre im Vaterhause, in der Schule und in der Kirche,die Geschästslehre, der Verkehr mit der Welt oder mit den jeweiligen Umgebun-gen, das Bücherlesen, der Verkehr mit sich selbst.
Die erste, die wichtigste, die entscheidendste Sorge für das hilflose Geschöpf,das einst Mensch im vollen Sinne des Wortes, das einst Staatsbürger werdensoll, hat dev Allgütige in die Hand, in das Herz der Mutter gelegt. Die erstenzwei, drei, vier Jahre des Kindes sind fast ausschließlich der Mutter überlassen;die Eindrücke, die Gefühlsrichtungcn, die es da empfängt, sind in den meistenFällen entscheidend für das ganze Leben. Unser Geistiges wird theilweise sosehr durch unser Körperliches bestimmt, daß wir später nur sehr schwer den Nei-gungen und Leidenschaften uns erwehren und entringen können, die wir, so zusagen, mit der Muttermilch eingesogen haben. Tritt nach und nach entscheidender,etwa nach dem vierten Jahre, der Einfluß des Vaters hinzu, wenn er sich über-haupt um die Erziehung der kleinen Wesen bekümmert, so ist schon Vieles oderAlles gewonnen, Vieles oder Alles verloren.
Wir setzen hier immer voraus, daß wenigstens einige Eintracht unter denGatten herrsche, die Ehe eine ziemlich glückliche sei. Doch man kennt un-sere Zeit!
„Die Kinder sind stolz, hochfahrend, zornmüthig, neidisch, neugierig, eigen-nützig, träge, flatterhaft, furchtsam, unmäßig, lügnerisch, heuchlerisch, sie wollennichts Uebles leiden, thunes aber gern Anderen," sagte einer der größten Men-