Ausgabe 
20 (12.8.1860) 33
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schenkenner im siebenzehnten Jahrhundert. Diese Fehler, deren Quelle in derkörperlichen Trägheit, in dem Streben nach Bequemlichkeit, nach Ueberlegenheitund Herrschaft liegt, zu beseitigen, zu überwinden, an ihre Stelle die entgegen-gesetzten Tugenden einzupflanzen, kostet Thätigkeit und Kampf, und das ist vor-zugsweise Aufgabe der häuslichen, vorzugsweise der väterlichen Erziehung.

Hat nun die Mutter derlei Fehler einwurzeln, um sich greifen, erstarkenlassen, so wird das Bemühen des Vaters, ihnen entgegen zn wirken, wenn nichtgute Anlagen vorhanden sind, ein äußerst schwieriges sein.

Wir reden hier vom Volke, vom Nährstande. Wir reden von der Kind-heit des Knechtes, des Ackerbauers, des Häuslers, des einfachen Grundbesitzersauf dem Lande; des Taglvhners, des Dieners, des Arbeiters, des Handwerkers,des Schreibers, des Unterlehrers in der Stadt.

Das Kind hat nun das schulpflichtige Alter erreicht. Dieses fällt baldnach Umständen, bald nach dem Willen der Eltern zwischen das sechste und sie-bente Jahr seines Lebens. Der Eintritt in die Schule ist ein kleines Vorbildseines Eintrittes in die Welt. Der Kreis seiner Umgebungen, seiner neuen Be-kannten und Lehrgenossen ist ein weit größerer als der seiner bisherigen Spiel-gefährten, da sind reifere und minder reife, lustigere und stillere. Seine Vorge-setzten sind ihm neu und fremd, sie haben nicht den Ton des Vaterhauses, siehaben einen Ton, in den das Kind sich erst finden muß, wenn es sich nur hin-einfinden kann, was jedoch in der Regel bald geschieht.

Allein mit welcher Vorbereitung tritt das Kind in die Schule? was istgeschehen, um es auf seiner Huth zu erhalten vor bösen Gesellen? denn es istso unmöglich als unklug, dasselbe immer am Gängelbande führen zu wollen.Was geschieht, um seine sittlichen wie seine geistigen Fortschritte wahrzunehmen,wir wollen nicht sagen, zu überwachen? Wenn hier nicht die häusliche Erziehungimmer Hand in Hand mit dem Schulunterrichte geht, so wird der letztere, inder Regel, nur geringe Früchte tragen.

Es hat im Volke achtungswürdige Mütter gegeben, und es gibt deren ge-wiß noch viele, welche in dieser Beziehung höchst Ersprießliches leisten.

Nun aber auch zur Schattenseite. Es gibt leider! jederzeit Eltern, welche,der eine Theil oder der andere, oder auch beide, die Kinder als eine Last be-trachten, und sie nähren, weil es eben sein muß, ohne weder um ihre gegenwär-tige, noch um ihre künftige Ausbildung sich zu bekümmern; Eltern, die von denAnstalten zum Unterrichte der Jugend, und von den Männern, die an denselbensich verwenden, mit Geringschätzung und noch schlimmer sprechen: wie läßt sicherwarten, daß Kinder solcher Väter und Mütter gehörig vorbereitet seien zumEintritt in eine Schule, daß sie von dem Besuche derselben den entsprechendenVortheil ziehen.

Aber so wunderbar sind die Wege der Vorsehung, daß auch Söhne solcherEltern bisweilen und ausnahmsweise vortrefflich gediehen sind. Bewundernwir die Gnade des Allgütigen, welche mitwirkt, sobald der Mensch will.

Die Dauer des Schulbesuches ist fünf, sechs, sieben Jahre; bald unter-brochen, bald ununterbrochin; der Erfolg ist bedingt durch Talent, Fleiß undhäusliche Forderung, entweder sehr gut, gut, mittelmäßig, schwach oder schlecht,das heißt unter Null; Mancher bringt sogar noch Uebleres heim, als er hinein-gebracht hat, was dann ungerechter Welse der Schule zur Last gelegt wird.

Die Jahre des Schulbesuches sind vorüber. Der austretende Schüler, dieaustretende Schülerin soll lesen, schreiben, rechnen können, und das Wesentlichsteder Religionslehre wissen. Zur Erhaltung nnd Befestigung dieses Wissens sindWicderholungsschulen eingeführt. (Schluß folgt.)