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L4. 19. August 1860.
Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Nugsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Deutsche Missionen in Brasilien .
(Fortsetzung.)
Vl.
Brief des 1>. Kellner.
Picada da Sän Jose, im October 1858.
Wenn ich nicht auf Missionsreisen bin, wohne ich hier bei I>. Sedlak indem stillen Häuschen, wohin weder weltliches Getümmel, noch weltliche Nach-richten dringen. Und wir bedürfen deren auch nicht, da wir ja den lieben Gottbesitzen, der uns in brüderlicher Liebe vereint erhält und desto mehr himmlischenTrost uns ertheilt, je weniger wir menschlichen verkosten. Auch Bruder Ruhkampsollte uns beigesellt werden, hatte aber noch auf den Stationen des k. Lipinskieinige Arbeiten zu vollenden, die der andere dort wohnende Bruder, Anton Sonn-tag, nicht allein vollbringen konnte. Vor Kurzem besuchte uns der Obere derganzen Mission, ?. Sato von Montevideo und hinterließ uns sehr heilsameVorschriften, um in verschiedenen eventuellen Lagen so genau wie möglich unsereheil. Regeln beobachten zu können, wofür wir ihm zu innigem Danke verpflich-tet sind.
Unlängst traf ich auf meiner Missionsreise viele französische Familien ausdem Canton Freiburg in der Schweiz , welche die heil. Sacramente zu empfangenwünschten. Wie freute ich mich, als sie mit sichtbarer Rührung von den Patressprachen, die sie in der Schweiz gekannt, und von denen sie geistliche Hilfe em-pfangen hatten. Bald werde ich sie wieder besuchen. Westphalen habe ich hier-nach nicht angetroffen, ausgenommen einen Arzt aus Billerbcck, dessen Frau ausMünster ist. Er besuchte uns auf unserer Durchreise in Porto Alegre , wo erwohnt. Die dortigen Patres rühmten ihn uns als einen geschickten Arzt undbeide als sehr eifrige Katholiken. Trotz der weiten Entfernung ist dieser Herrunser nächster Arzt. Wir wären daher übel berathen, wenn wir nicht den liebenGott und die heil. Engel zu Beschützern unserer Gesundheit hätten. Unter soliebreicher Obhut aber wurden wir diese vier Monate im besten Wohlsein er-halten. Ich befinde mich frischer und stärker, als in Europa . Die gefürchteteHitze habe ich bisher nicht verspürt, wohl aber litt ich im Juni, Juli und Augustvon der Kälte, namentlich auf der Seefahrt von Rio-Janeiro hierher und hierin den naßkalten Regennächten besagter drei Monate. Es kam mir bisher seltenwärmer vor, als zu Münster im Monat Mai. tleberhaupt scheint es auf diesersüdlichen Hemisphäre kälter zu sein, als auf der nördlichen. Die Missionaire,die etwa um das Cap Horn nach Chile segeln, sollen sich gut mit warmenKleidern versehen, denn wie ich von V. Sato hörte, ist es da zum Erfrierenkalt. Hier im Urwalde wird die Luft jeden Tag regelmäßig zwischen 1 und 2Uhr Nachmittags durch einen angenehmen Wind gekühlt, so daß es selbst in den