von Paraguay , etwa 90 Stunden von hier, wohnen Indianer (Bukrer). Einerihrer Caziken hat vor nicht langer Zeit sich an den Präsidenten der Provinz und an den Minister gewendet, mit der Bitte, ihm doch Missionaire zu schicken,und versicherte: er kenne noch einen andern Häuptling, der über 5000 Indianerherrscht, der ebenfalls gesonnen sei, Christ zu werden. Auf den Wunsch desPräsidenten ist nun einer unserer Pater unlängst hingereist, um die Stimmungund Verhältnisse der dortigen Indianer-Stämme zu untersuchen. Gott gebe,daß sich zu deren Bekehrung Alles günstig gestalte! Vielleicht würde dann mirUnwürdigen noch die Gnade zu Theil, Mitarbeiter dieses schönen Werkes zuwerden. Indeß bin ich so zufrieden mit der mir angewiesenen Mission, daß,sollte ich nach meinem Tode wieder auf die Erde kommen und wäre mir dieWahl gelassen, ich abermals bitten würde, wieder nach Brasilien geschickt zuwerden.
Sagen Sie das doch meinen lieben Mitbrüdern in Deutschland , und fügenSie bei, daß ich, obwohl nahe dem südlichen Eismeer, auf der westlichen Hemi-sphäre im dichten Urwald manchmal in meinen Gedanken nach Nordost michwende, um mich in Ihre Mitte zu versetzen; vorzüglich aber bitten Sie alle umGebet für mich, deun ich bedarf dessen. M. Kellner, 8. 1.
VI!.
Brief des Klüber.
Picada dos dous Jrmaos, 30. November 1858.
Am Feste des heil. Michael, unseres Kirchenpatrones, empfingen -10 Kinder,deren Unterricht ich gleich nach meiner Ankunft begonnen hatte, zum ersten Maledie heil. Cominunion. Tages darauf traf unerwartet der hochw. k. SuperiorJose Sato hier ein, für uns alle eine große Freude. Aber am selben Tagestellten sich auch drei Männer ein, um mich zu der für die vier deutschen Ge-meinden Buckerberg, Wallachei, Theewald und Jammerthal bestimmten Missionabzuholen. So hatte ich den Trost und den Schmerz einer sehr kurzen Unter-haltung mit dem liebreichen Pater. — Es ging somit fort trotz dem Rcgenwetteraus den für die Pferde schlüpfrigen Wegen, vie steilen Berge hinauf und hin-unter durch Thäler und Flüsse, hin zum ersten derartigen Missionsversuche unterden Deutschen in diesen brasilianischen Urwäldern. Ich ritt zwar mit Vertrauenauf Gott , aber auch mit Besorgniß, weil ich so viel Schlimmes von jenem leicht-sinnigen Völklein vernommen, von denen Viele Jahr aus Jahr ein in keineKirche, sondern an Sonntagen lieber auf die Jagd gingen, Viele von Unglau-ben angesteckt waren, so zwar, daß ? Lipinski diesen Versuch der Gnade schonzum Voraus, wenn nicht durch Worte, so doch durch Miene, als einen miß-lingenden zu weissagen schien.
Wir erklommen den steilen hohen Buckerberg, Berg der Wilden, weil davor der Ankunft der Deutschen die Indianer noch hausten. Als wir die Mittedes Berges erreicht, sahen wir vor uns auf einer kleinen mit ungebranntenBaumstämmen übersäeten grünen Ebene eine artige Capelle liegen, welche dieDeutschen erbaut und dem heil. Franz Taver, dem Patrone aller Missionaire,geweiht hatten. Ich stieg sogleich vom Pferde ab, um der unbefleckten Jung-frau und dem heil. Taverius mich und diesen Ansang der Missionen wie ihrenFortgang zu empfehlen mit dem sichern Vertrauen, nicht unerhört zu bleiben.Der Mann, welcher die Capelle besorgt, Nikolaus Müßniß mit Namen, denich im Verlauf der Mission als eine sehr edle, zum Wohle dieser Gegend vonGott auserwählte Seele kennen lernte, hieß mich in seiner naheliegenden, einstöcki-gen, bescheidenen, aber anständigen Colonistenwohnung ein Kämmerlein beziehen.Es waren noch manche Vorbereitungen für die Mission zu treffen, ein kleiner