Ausgabe 
20 (19.8.1860) 34
Seite
268
 
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Tabernakel zur Aufbewahrung des hochwürdigsten Gutes, eine tragbare Kanzelund Anderes zu fabriciren. Am Sonntag Morgen, gerade an demselben Rosen-kranzseste, an dem ich vor zwei Jahren mein Verlangen nach den überseeischenMissionen meinen Obern vorgelegt hatte, geschah die Eröffnung. Die Leutestellten sich ziemlich ein, aber bei Weitem nicht so zahlreich, wie man erwartethatte; dazu Manche mit dem zum Voraus ausgesprochenen Entschlüsse, die heil.Mission nicht mitzumachen, weil es die weite Entfernung und ihre Arbeitendurchaus nicht gestatteten. Aber die Gnade des allbarmherzigen Gottes wirkteschon durch die zwei Predigten des ersten Tages und auf das viele Gebet, dasman von da an überall verrichtet hat, so daß es aller Orten zu Haus bei Jungund Alt hieß:Nein, es mag gehen, wie es will, es mag Alles liegen undstehen bleiben, ich bleibe keinen Tag zu Haus." Und wenn es einen Streitgab, so war es nur der, wer das Haus hüten müsse. Wiewohl es noch amselben Abend, die ganze Nacht hindurch und noch den ganzen Morgen bis zurPredigt in furchtbaren Güssen regnete, so daß ich, wie alle Andern, säst glaubte,es werde Niemand über die gefährlichen Uios (Flüsse) aus der Wallachei, oderdem Jammerthale, oder dem Theewald kommen, da Alle Stunden lang hals-brecherische Wege zu reiten haben; so waren sie doch beinahe Alle da, jedenfallsweit zahlreicher, als am Sonntage. Gegen die Wenigen aber, die noch ausge-blieben, übten mehrere Männer aus eigenem Antrieb ein heilsames Apostolat,indem sie nach allen Richtungen durch die Picaden bei ihren bekannten oderverwandten Mitcolonisten herumritten, die Saumseligen zur Theilnahme an derheil. Mission aufzurufen, mit der Drohung, im Weigerungsfälle alle freund-schaftlichen Verhältnisse mit ihnen abzubrechen, da sie sich ihrer als katholischerLandsleute ja nur schämen müßten. Andere Männer aus dem Theewald. meistensMoselaner, brachten Werkzeuge mit, nur auf der Heimkehr sich einen kürzerenWeg über die Berge durch den Urwald zu hauen. " Aber nach der Misston,bei einem Ausflug in den Theewald, habe ich es in eigener Person gefühlt, wasdas für ein entsetzlicher Weg war, den die Männer so wie die Frauen mit ihrenKindern täglich erklommen. Denn von der einmaligen Tour mußte ich mehrereTage ausruhen, und an der abschüssigen Stelle, wo das Pferd und der abge-stiegene Reiter nur Hinabrutschen können, wäre ich auf der Rückreise beinaheum's Leben gekommen, wenn mich Maria nicht beschützt. Als ich die Höhe er-stiegen, sank ich ohnmächtig zu Boden. Was erst müssen diese guten Leuteausgestanden haben? Aber es scheint, sie haben in ihren Weinbergen an derMosel das Bergklettern gut gelernt.

Es würde zu lang, wenn ich beschreiben wollte, mit welch begeistertem undstandhaftem Eifer alle Tage schon am frühen Morgen trotz Regen, trotz derschwierigen weiten Wegen über die Berge, durch Flüsse und Wälder alle dahergeritten kamen, die kleinen Knaben und Mädchen, wie die alten Männer undFrauen, Greise, die sonst wohl kaum ihren Fuß über die Hausschwelle setzenmochten, und die Mütter mit ihren Kindern aus dem Arm zu Pferde. Undgerade Jene, die seit Jahren an Sonntagen anstatt zur heil. Messe in die Kirchezu reiten, auf die Jagd durch Berg und Wald, oder sonst zu einer unterhalten-den Beschäftigung gegangen waren, zeigten sich am eifrigsten und entschiedensten.Und wie zahlreich die Fremden sich einfanden, so freigebig und gastfreundlichbenahmen sich gegen dieselben die Buckerberger Colonisten, indem sie dieselbenunentgeltlich bewirtheten und die wegen Beicht oder aus anderen Gründen zurück-blicken, auch beherbergten, so daß meist Jeder der umherwohnenden Colonistengewöhnlich 20, 30, selbst 40 Gäste an seinem Tisch zu bewirthen hatte. Schonam zweiten Sonntage kamen sie im wahren Büßgänge zu Fuß aus den ver-schiedenen Picaden in drei schönen andächtigen Pocessionen zur Taverius-Capelle.Der Missionair ging von da aus mit einer jedes Mal durch die neu Angekom-