Ausgabe 
20 (19.8.1860) 34
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menen verstärkten Procession zum Empfang und Segen entgegen. Ein wahr-haft rührendes Schauspiel in diesem fremden Lande, die Einen von den Höhender Berge durch die Wälder herab-, die Andern über den Fluß aus den Thälernheraufsteigen, das Kreuz und die Fahne voran wallen zu sehen, und sie so ausHerzensgrund mit ihren hellen deutschen Stimmen ihre frommen Lieder singenoder so eifrig beten zu hören, daß Berge und Thäler das Echo andächtig wieder-hallten. Wahrlich, sagte ich mir, Jesus ist eifersüchtig darauf, den Armen vorAllen das Evangelium zu verkünden und der liebe Gott wird reichliche Gnadenüber so gute Seelen ausziehen.

Bis auf Einen, der das Heilmittel von sich wies, legten Alle ihre Beichtab und mit welcher Zerknirschung, aber auch mit welchem Troste nachher! sodaß sie, wie man mir mehrmals hinterbracht hat, vor übergroßer Freude nurzu aufrichtig einander gestanden:Ohne diese Beicht, ohne diese heil. Missionwar ich ewig verloren." Die Einen meinten: jetzt komme ihnen die ganze Naturganz anders freudig vor; die Berge, Thäler und Plantagen lachten sienur so an; Andere, die vorher entschlossen waren, ganz von hier fortzuziehen,änderten ihren Entschluß. Rührend war es auch, Ehemänner zu sehen, wie sievon weither ihre kranken Frauen, die vor Schwäche nicht reiten konnten, an derHand herzuführten und über die steilen Berge oder Flüsse trugen, damit dochauch sie dieser großen Gnade theilhaft würden. Da die Mislion mehrere Wochendauerte, gingen ungefähr Alle noch zum zweiten und dritten Male zur heil.Beicht und mit musterhafter Andacht zur heil. Kommunion. Ueber den jungenMann, der von der Beicht zurückgeblieben, indem er nach dem Unterrichte dar-über frech gesagt, so könne d. h. giltig wolle er nicht beichten, und deßhalb unterdem Vorwande, einem Freunde beim Waldhanen helfen zu müssen, an den RioTaquarh fortgezogen war, über ihn ließ der Herr ein anderes Gericht ergehen:da er beim Niederstürzen eines gefällten Baumes, von einem winzigen Aestchenim Nacken getroffen, augenblicklich todt niedersank.

Die Bekehrungen waren entschieden. Ueberall versöhnten sich Alle untervielen Thränen, auch jene, welche durch alte eingewurzelte Feindschaften getrenntwaren. Von einer jeden Familie wäre manches Interessante zu erzählen, wasunter den Mitgliedern derselben oder zwischen Nachbarn vorgefallen und jedeschristliche Gemüth erbauen würde. Mehrere gingen in ihrem besonderen Eiferweinend sogar zu ihren protestantischen Nachbarn, baten um Verzeihung oderboten ihnen Versöhnung an; was diesen natürlich unerhört und ganz unbegreif-lich vorkam. Andere schrieben Briefe oder unternahmen weite Ritte, um mitihren Feinden wieder Ein Herz zu werden. Als eine wackere katholische Frau,die ungeachtet ihrer kleinen Kinder und des furchtbaren Weges keine Predigtversäumt hatte, eines Tages wieder nach Hause kam, mußte sie alsbald Geschäftehalber zu einer protestantischen Familie. Sie fand die Stube voll protestan-tischer Weiber; sie stellten natürlich manche neugierige Frage. Da fing sie ihnenso von den gehörten Wahrheiten zu wiederholen und zu predigen an, daß imganzen Zimmer Nichts als Weinen und Schluchzen gehört ward. Und über-haupt mußten die Protestanten, zu denen der Ruf drang, denn nur Wenigewohnten bei, nicht ohne einen gewissen Neid das große Glück der Katholikenoffen eingestehen, daß sie verwundert sagten:O welch ein himmelweiter Unter-schied zwischen eurem Glauben und dem unsrigen! Wir haben gar nichts. Odaß auch unsere Prediger uns ein ähnliches Glück verschafften!"

(Fortsetzung folgt.)