Ausgabe 
20 (19.8.1860) 34
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Kloster und Fabrik.

(Die Congregatio n der Schwestern vom hl. Kreuz.) MehrereBlätter brachten unlängst die Nachricht, die gräflich v. Waldstein'sche Tuchfabrikin Oberleutensdorf sei dem Capuziuerorden käuflich überlassen worden, welcherdieselbe in ein Kloster umzuwandeln gedenkt. Diese Notiz ist nicht ganz richtig.Genannte Fabrik, welche sonst in Händen von Pächtern war, seit vielen Jahrenaber nicht mehr in Betrieb ist, wurde allerdings und zwar um den Preis von100,000 st. verkauft, jedoch nicht an den Capuzinerorden behufs der Umwand-lung in ein Kloster, sondern an die Congregation der Schwestern vom h. Kreuze,welche diese durch ihre Erzeugnisse einst berühmte Fabrik in kurzer Zeit wiederin Betrieb setzen, mit diesem Betriebe aber erziehliche und andere wohlthätigeZwecke verbinden wird. Diese Congregation wurde erst in der Neuzeit von einemPriester des Capuzinerordens, dem hochw. Hrn. U Theodosius, derzeitigen Su-perior dieser religiösen Gesellschaft, zu Chur in der Schweiz gegründet, wo sichauch noch jetzt das Mutterhaus derselben befindet. Die in diesen Verein ein-tretenden Damen, meist Töchter aus intelligenteren Familien, werden an denselbennicht für ihre ganze Lebenszeit gebunden, wie dies bei anderen Orden der Fallist, sondern sie legen ihr Gelübde immer nur für drei Jahre ab; sie widmensich neben ihren religiösen Standpspflichten nicht nur der Erziehung und Bil-dung der weiblichen Jugend, sondern besorgen außerdem auch Krankenpflege, er-richten Klcinkinderbewahranstalten, Waisenhäuser, haben in der Schweiz , inFrankreich und Deutschland bereits über 70 Filiale gegründet, und sich durchihre erfreulichen Erfolge allseitige Anerkennung erworben. Besonders segens-reich wirkt diese Congregation dadurch, daß sie zur Erreichung ihrer humanenZwecke auch die Industrie benützt; sie besitzt nämlich schon 2 Fabriken, welchesie selbst leitet wobei sie die darin verwendeten Arbeiter an Ordnung, Fleiß,Sparsamkeit und wahrhaft christliches Leben gewöhnt, Waisen und andere armeoder moralisch verwahrlos'te Kinder der Umgegend aufnimmt, diese unterrichtet,erzieht und durch passende Arbeiten zu nützlichen Gliedern der bürgerlichen Ge-sellschaft heranzubilden sucht. Diese industriellen Unternehmungen haben sich bishermit 2025 Procent verzinset, da die Leitung wenig Auslagen verursacht, dieSchwestern ein anspruchloses Leben führen, wie Familienglieder vereint sind,und zahlreiche Wohlthäter, theils durch prcismäßige Lieferung von Rohstoffen,theils durch bereitwillige Abnahme der Erzeugnisse den edlen Zweck solcher Eta-blissements zu fördern bemüht sind. Auch in Oesterreich wird dieser schöne Vereinbald seine Thätigkeit entfalten. Schon trifft der hochw. Hr. Hfarrer P. F.Habel in Oberleutensdorf im Namen dieses Vereins die nöthigen Vorbereitun-gen, damit die daselbst angekaufte Tuchfabrik baldmöglichst in Betrieb komme;auch sind schon von mehreren hohen Gönnern Zusagen auf Lieferung von Wollennd Bestellungen auf Tuch erfolgt. Und so wird denn das freundliche StädtchenOberleutensdorf für dessen Umgegend und das nahe Erzgebirge eine Zufluchts-stätte für arbeitslose Arme und verlassene Kinder werden. Außerdem ist dieseCongregation auch mit mehreren Städten dieser Gegend, namentlich auch mitDux, Komotau und Bilin, wegen Uebernahme der öffentlichen Mädchenschulenin Unterhandlung.

Redaction un» Verlag: Dr. M. Huttlcr.. Druck von Z. M. Kl einte.