Ausgabe 
20 (26.8.1860) 35
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Mi 35. 26. August 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poft-Aeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V kr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Deutsche Missionen in Brasilien .

(Fortsetzung.)

Alle Tage der Mission, besonders aber die beiden, welche dem allerheiligstenAltarssacramente und unserer unbefleckten Jungfrau Maria geweiht wären,sahen unzählige Thränen des Schmerzes und der Liebe fließen. Wir haben unsbemüht, diese Tage bei unserer äußersten Armuth so sinnig und kindlich zu feiern,wie es unsere schwache Kräften gestatteten. Angenehm und trostvoll war es zusehen, wie die Blumen und Kränze zum Schmucke der Himmelskönigin nichtvon Mädchen und Jungfrauen, sondern mit frommem Kindersinn von denMännern und ehrwürdigen Greisen gewunden wurden, die sich einmal diese Ehrenicht nehmen lassen wollten, obwohl sie schon viele Kindeskinder zählen. Undwie gnadenreich leuchtete das einfache ganz ärmliche Muttergottes-Bild wiewir es in der Noth hier ausweiden konnten zwischen Lichtern, grünen Palm-zweigen, Blumen und Kränzen auf die ihr fromm ergebenen, mit Gott wiederversöhnten Kinder hernieder, welche den ganzen ihr geweihten Tag, wie auchdie folgenden nicht müde wurden, aus frohem Herzen zu ihrer Ehre die andäch-tigsten Lieder zu singen. Mit gleicher Entschiedenheit, wie die Aussöhnungen,gingen, wie man mir berichtigte, die Rückerstattungen ungerechten Gutes vorsich, sei es an Gegenwärtige oder an Abwesende, sogar bis nach Europa . Mantrat ganze Theile von Colonien wieder ab. Auch dem Branntwein entsagtensie; gleichwohl dürfte hierin an der Beharrlichkeit des einen oder andern Trin-kers gezweifelt werden, da keine kirchliche Bruderschaft oder ähnliche Hilfe sieim Kampfe gegen die starke Neigung und häufige Gelegenheit unterstützt.Während der Mission hatte ich natürlich allein Beicht zu hören und zu predigen;dabei oft zu taufen und zu begraben. Am Morgen hielt ich die Predigtenoder Unterricht, gewöhnlich zwei, oft auch dreimal. Nach der ersten Woche warenjeden Nachmittag die Beichten bis in die Nacht. Aber nach den ersten 14 Tagen,um mit den Beichten mehr voranzukommen, hielt ich drei Tage keine Predigt.Und später setzte ich noch einmal sechs Tage aus.

Der Schluß der von Gott reichlich gesegneten Mission war am Feste Aller-heiligen. Möchten doch Alle die heilsamen Einwirkungen der Gnade und in-neren Ergriffenheit mit durchs Leben auf das Todtenbett bringen! Die dank-bare Liebe zur römisch-katholischen Kirche und besonders die treueste Ergebenheitan den heil. Vater den Papst strahlte auf Aller Antlitz. Die Schlußpredigtwar über das heil. Missionskreuz, welches neben der Capelle des heil. Raveriusin einem Halbkreis von schönen Palmbäumen gerade an jener Stelle steht, woes in vier Thäler hinabblickt und alle Vorübergehenden schon von ferne zumGebete einladet. Seit der Zeit ist nun auch frommer Brauch, wie ich anfangsselbst sah und später erzählen hörte, daß Alle, Jung und Alt, wenn sie vorüber-reiten, absteigen und vor dem Kreuze betend niederknieen. Kaum war die