ähnliche vorgekommen, wo die armen Leute gerade wegen der Mission so vieleund große Schwierigkeiten zu überwinden gehabt und sie auch wirklich edelmüthigüberwunden hätten. Indem Gott allein davon alles Lob gehört, der mit seinerGnade diejenigen, welche ihr selbst bei Missionsgelegenheiten in Europa wider-standen, endlich im fernen Brasilien zu besiegen wußte, so möge zur Vermehrungseiner Ehre das Licht des katholischen Eifers und der christlichen Erbauung,das unsere armen Deutschen in den Urwäldern Amerika '? leuchten lassen, auchhinüberdringen in ihr altes Hcimathland zum Troste ihrer dort zurückgebliebenenLandsleute, aber auch zum Beweise für Alle, denen das Heil dieser verlassenenSeelen zu Herzen geht, daß sich hier gar Manches, ja Alles für die katholischenDeutschen und die Brasilianer selber bewerkstelligen ließe, wenn uns von Deutsch-land aus geeignete Hilfe zukäme. Indessen wollen wir die uns zu Gebotestehenden Mittel und Kräfte fleißig und treu benutzen, um die trostreichen Wortedes Herrn vernehmen zu können: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weildu in Wenigem getreu warst, will ich dich über Vieles setzen."
Bonifacius Klüber, 8. 5.
Die gegenwärtige Lage der Genfer Katholiken.
Seit dem Berichte, welchen die Kirchenzeitung Anno 1857 über Genf er-stattete, hat die Lage der Katholiken sich daselbst immer mehr befestiget und er-weitert. Wir reden nicht von der Landschaft; denn hier ist sie ungefähr dienämliche geblieben, doch nimmt das Uebergewicht der Katholiken dort immermehr zu. Dieses Uebergewicht, an und für sich gerecht und sich in mäßigenSchranken haltend, ist eine Folge der Verfassung von 18-16.
Auch in der Stadt vermehrt sich der Einfluß der Katholiken, nicht etwadurch Uebertritte der Calvinisten zum Katholicismus (davon ist keine Rede),sondern weil unter den vielen Ankömmlingen, welche die Bevölkerung vermehren,die Mehrzahl Katholiken sind: Folge der Eisenbahnen, durch welche, zum Nach-theile der kleinern, größere Mittelpuncte der Industrie gebildet werden. Soentsteht in Genf eine neue Bevölkerung von Industriellen und meistens Bedürf-tigen. So schlägt der Katholicismus immer tiefere Wurzeln und befestigt sichimmer mehr.
Indeß wird diese Bevölkerung, wenn auch im Zunehmen begriffen, denProtestanten gegenüber, was sociale Stellung und Einfluß betrifft, noch langedie schwächere sein, theils weil sie noch nicht alt genug ist, theils weil ihr ge-hörige Wohlhabenheit und Bildung großenteils fehlen. Denn die Zahl einzig,wenn die gehörigen Eigenschaften abgehen, gibt in dieser Welt noch nicht denAusschlag.
Durch das allgemeine Stimmrecht gelangt Wohl eine ziemlich große AnzahlKatholiken in den Großen Rath, aber da sie, wie gesagt, meistens ohne socialenEinfluß sind und nur durch die radicale Strömung hineingeführt werden, sogelten sie bloß als Zahlen bei den Abstimmungen und weiter nichts.
Handelt es sich blos um materielle Interessen, so sucht man diese katholischeBevölkerung zu befriedigen. Ist aber von höheren, moralischen oder politischenFragen die Rede, so folgt dieselbe gelehrig der Regierung, sei es, weil dieselbenichts gegen ihr Gewissen von ihnen verlangt, oder weil die hartnäckige Verfol-gung von Seite der conservativen protestantischen Partei sie zwingt, ihre In-teressen mit denen der Radikalen zu vereinigen. Auch muß man gestehen, daßdie dermalige Regierung gegen die Katholiken immer im höchsten Grade gemäßigtund billig ist. Freilich ist dieselbe auch von den revolutionären, antikatholischenLorurtheilen angesteckt, aber in der Praxis zeigt sie sich über dieselben erhaben