und respectirt den nicht unbedeutenden Einfluß der Katholiken. Daher wird
unsere Geistlichkeit von der Regierung mit vieler Achtung behandelt.
Die protestantisch-conservative Partei hat dermalen weder im Re-gierungsrathe noch im Kantonsrathe einigen Einfluß, wohl aber im Stadtrathevon Genf und auf diesen Einflnß ist sie sehr eifersüchtig. Hier ist sie Meisterund läßt es die Katholiken bei jedem Anlasse fühlen, immerhin aber bloß inadministrativen Angelegenheiten. Vorzüglich bei Naturalisationen ist die StadtCalvin's ihren alten Traditionen treu geblieben; der Stadtrath sucht seine Parteidurch häufige Naturalisation von Protestanten zu vergrößern. Seien diese >
übrigens wer sie wollen, dem Parteigeist sind sie alle willkommen.
Außerhalb den Behörden üben die Katholiken übrigens einen reellenEinfluß aus. Sie üben denselben aus durch einen ausgezeichnet guten Klerus, >welcher die Welt und die Zeit kennt und seiner Aufgabe in einer Stadt, wo er !
sich beständiger Eifersucht und Kritik ausgesetzt sieht, vollkommen gewachsen ist.
Sie üben ihn aus durch die Vereinigung einiger ausgezeichneter Familien,welchen sich die katholischen Weltleute anschließen, und in welchen auch vieleFremde Zutritt suchen und finden.
Was Einzelnes betrifft, habe ich Ihnen zu melden, daß unsere neueKirche unter dem Titel der unbestellten Empfangn iß seit 20 Monatendem öffentlichen Cultus übergeben ist. Wir haben zwei Pfarrabtheilungen, dievon üiotrk-vame und jene der vormaligen Kirche von St. Gervais. DieseVertheilung war bei einer katholischen Bevölkerung von 17,000 Seelen durchausnothwendig und hat schon sehr glückliche Resultate herbeigeführt. Es ist be-wiesen, daß über ^000 Personen gegenwärtig die hl. Messe anhören, welche vorzwei Jahren nicht daran dachten, dieses zu thun. Der Empfang der hl. Kom-munion hat in gleichem Maße zugenommen. Die Zahl derjenigen, welche sich >nicht kirchlich verheiratheten, welche ihre Kinder nicht taufen ließen, welche miteinem Worte ohne Cult lebten, hat bedeutend abgenommen. Solche wie Wildelebende Katholiken kommen gewöhnlich aus Mittel-Deutschland oder aus dengrößern Städten Frankreichs . Unter diesen Unglücklichen sucht die protestantischePropaganda durch Geld sich zu recrutiren. Ist es zu verwundern das es ihrzuweilen gelingt? Aber solche Seelenkäufe sind wenig solid; besser gelingt esihnen durch die Mischehen, die sie auf alle Art und Weise befördern.
Die Protestanten zeigen in Genf eine große Rührigkeit; sie suchen dieAufmerksamkeit der Katholiken durch alle Mittel, durch Conferenzen, Controversen,Lehrcurse rc. auf sich zu ziehen. Aber die Katholiken achten nicht darauf; hatsich doch sogar eine aus erkauften italienischen Flüchtlingen bestehende protestan-tische Gemeinde wieder aufgelöst. Die durch den Bundesrath letzten Wintergeforderten Maßregeln haben in dieser seinsollenden Kirche große Verirrungenhervorgerufen.
In unsern beiden Kirchen zu ?lotro-vam6 und St. Gervais blühen mehrerefromme Vereine, Kongregationen des Herzens Jesu, des Allerheiligsten Altars-sacramentes, die Frauen der christlichen Liebe, die Gesellschaft für Dienstboten rc.
Im Kanton bestehen überdieß vier St. Vincentius-Conferenzen.
Unsere „Lieb-Frauen-Kirche" ist noch nicht vollendet und schwere Schulden-last drückt noch unsern verehrungswürdigen Hm. Pfarrer. Auch mangelt nochein Pfarrhaus, um die 6 Priester unterzubringen, welche unter der Leitungdes Hochw. Hrn. Abbö Mermillod die Pfarrei besorgen. Diese Pfarrei öiolre-V»M6 empfängt keine Unterstützung von der Regierung, der Unterhalt und dieWohnung der Priester, der ganze Cultus, kurz Alles muß durch die Gläubigenbestritten werden.
Eine Dame, welche den Katholiken von Genf schon viele Wohlthaten er-wiesen, hat uns in der Nähe der neuen Kirche einen Theil.ihres Parks abge- ,