Ausgabe 
20 (26.8.1860) 35
Seite
277
 
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treten, um dort ein Haus für die barmherzigen Schwestern zu bauen. Unserso thätige und intelligente Klerus fährt übrigens fort unter der Leitung desAbbe Mermillod die so geschätztenKatholischen Annalen von Genf"herausgegeben. Diese Annalen verdienten unter dem Klerus eine größere Leser-zahl, denn sie behandeln protestantische Angelegenheiten nicht nur von Genf ,sondern auch von ganz Europa .

Ihr Genfer Korrespondent möchte endlich die Aufmerlsamkeit gerne nochauf einen andern Gegenstand lenken, nämlich auf die Rehablitation (Wieder-gültigmachung) der so zahlreichen ungültigen Ehen. In der Fremde gibt estausend und tausend Katholiken, die sich zum Concubinate verleiten lassen.Wenn dieGesellschaft des hl. Regis", die sich's zur Aufgabe gestellt hat, solchenVerbindungen die Gültigkeit der Ehe zu verschaffen, in der Schweiz Schrittethut, um die nöthigen Papiere zu erhalten, so stößt sie auf tausend Schwierig-keiten. Es gibt sogar Kantone, wie St. Gallen, Graubündten, Thurgau, Aargau und andere, wo solche Rehabilitationen unmöglich sind, weil die Gemeindenübermäßige Taxen fordern. Könnte die Eidgenossenschaft, die Bundesbehörden,welche sich um Ehescheidungen und Mischehen so sehr bekümmern, nicht auchEtwas für diese Unglücklichen thun, und es ihnen nicht länger unmöglich machen,den Opfern der Ausschweifung wieder zu ihrer Ehre zu verhelfen? Diese Frageverdient Beachtung. Mir scheint unmöglich, daß man mit Geduld und Aus-harrung am Ende nicht Etwas erlange.

Jesuit und Redemptorifi auf dem Sterbebette.

Die Gegner der katholischen Kirche haben keinen der religiösen Orden,die im Laufe der christlichen Jahrhunderte entstanden, so gehaßt, verleumdetund verfolgt als den der Jesuiten und Redemptoristen. Es kaun nichtim Zwecke dieser Blätter liegen, eine ausführliche Vertheidigung dieser vielge-schmähten kirchlichen Institute zu unternehmen; ohnedieß haben unterrichtetereund gelehrtere Männer schon hundert und tausendmal es vor uns gethan, sodaß Jeder, der hier eine genügende Belehrung sucht, sie auch leicht finden kann;aber Eines möchten wir doch zu bedenken geben, wie nämlich der alte Satz:Der Tod ist eine Probe auf das Leben" gerade sin den genanntenOrden sich oft so glänzend bewahrheitet. Wir theilen hier aus Vielen nur zweiSterbebilder mit: eines aus dem Orden der Redemptoristen , das andereaus dem der Jesuiten und gewiß muß Jeder, der unbefangen diese Aufzeich-nungen liest, sich eingestehen: Orden, in denen man so stirbt, können nicht schlechtund verwerflich sein, wie man sie häufig schildern hört.

Vor anderthalb Jahren verschied zu Tournah in Belgien im Hause derI>. I>. Redemptoristen der hochw. I*. Joseph Passerat , der zweite General-vicar der transalpinischen Provinzen der Kongregation des allerheiligsten Erlösers.Geboren zu Joinville im I. 1772 15 Jahre vor dem Tode des heil. Alphonsvon Liguori, Stifters dieser Kongregation lebte ?. Passerat nicht viel weni-ger, als ein Jahrhundert; und dieses Leben, so reich an Jahren, war es nichtminder an Arbeiten und Tugenden. Getreu der Gnade, die ihn berief, sich Gottzu weihen, war er im Begriffe, für den heiligen Dienst der Seelen sich vorzu-bereiten, als er seinen Studien und seinem Vaterlande durch die französischeRevolution sich entrissen sah. Die Vorsehung lenkte es indessen, daß er in Polen wieder die Freiheit erlangte, seinem Berufe zu folgen. Er trat zu Warschau indie Kongregation des allerheiligsten Erlösers, wo er im Jahre 1796 in dieHände des e. Hoffbauer, des ersten Generalvicars des Ordens, seine Gelübdeablegte.