Ausgabe 
20 (26.8.1860) 35
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Der Geist des Gebetes, der Liebe und der Selbstverleugnung vermehrtesich in ihm nach dem Maße, als er weiter aus dem Wege kam, den Gott ihnführte, und er zeigte in der Folge einen solchen Muth und eine solche Stand-haftigkeit mitten unter den härtesten und langwierigsten Proben in jener Zeitder Verirrnng, daß der hochwürdige r>. Hosfbauer sterbend noch ihn als denFähigsten bezeichnete, die Bürde seines hl. Amtes zu tragen.

u. Passerat wurde demnach im Jahre 1820 zum Generalvicar ernannt.Unter, seiner väterlichen Regierung und durch seine Sorge geschah es, daß dasapostolische Institut des heil. Alphons von Liguori in Deutschland und in derSchweiz, in Frankreich, in Portugal, in Belgien, in Holland, in England undin den vereinigten Staaten von Nordamerika sich ausbreitete. Gott hatte ihnzu einem vorzüglichen Werkzeug seiner Ehre erkoren und erfüllte ihn mit seinenGaben, deren dieser keine verloren gehen ließ. Er war vor Allem ein inner-licher Mensch, wie es diejenigen sein müssen, die sich's zur Aufgabe machen,den Fußstapfen der Heiligen zu folgen; er führte seine Schüler zur Liebe desGebetes durch Rath und Beispiel, und man konnte von ihm in Wahrheit sagen,das Gebet sei das Athemholen seiner Seele gewesen, denn Gebet fand sich inBegleitung bei allen seinen Werken und machte den eigentlichen Grund seinesLebens aus. Seine Herzensgütte war nicht blos die eines Vaters, sondern dieeiner Mutter. Als der Nuntius des heil. Stuhles eines Tages ihn für einenbischöflichen Sitz vorschlagen wollte, suchte U. Hosfbauer den Gesandten des hei-ligen Vaters abzubringen, indem er sagte:Ich kann seiner nicht entbehren, erist wie die Mutter der Congregation." Dieses Zartgefühl des Herzens für seineBrüder mußte desto mehr bewundert werden, je mehr er streng und abgetödtetgegen sich selbst war. Die heilige Schrift war ihm das kostbarste Vergnügen;Kraft, Salbung, Einfachheit und Autorität charakterisirten in bei Verkündigungdes göttlichen Wortes.

Personen vom höchsten Range in der Kirche und in der Welt wurden inseiner Gegenwart von Rührung ergriffen und beugten sich vor dem ehrwürdigenGreis, während er allein, sanft und demüthig von Herzen, nicht wußte, in welch'hohem Grade die Vereinigung mit Gott so zu sagen aus seiner ganzen Personherausstrahlte. Die traurigsten Ereignisse konnten ihn nicht verwirren, noch ver-mochten die trostreichsten Begebenheiten ihm die Ruhe des Herzens zu nehmen,indem seine Seele so innig mit demjenigen vereiniget war, dem man sich aufdem Wege der Heiligen sowohl durch Freude als durch Schmerz nähert. FürAlle, die ihn kannten, ist sein Andenken wie eine Gnade; sie werden, was sievon ihm hörten, wohl nie vergessen; seine zahlreichen Briefe über das innerlicheLeben, seine geistliche Leitung und Führung werden immer ein Schatz für seineJünger bleiben.

Eine Revolution war es die ihn aus seinem Vaterlande entfernt hatte,eine andere Revolution vertrieb ihn aus Wien im Jahre 1848. Sein Herzführte ihn nach Belgien . Sein hohes Alter ließ ihn die Befreiung von derLast seines AmteS verlangen und dort diesen Wunsch auch erreichen. Das Endeseines Lebens war die Krone desselben nach den Worten der Schrift:DieGeduld vollendet das Werk." Jak. 1, 4.

Zweimal vom Schlage getroffen schien er nur leben zu müssen, um zuleiden; indeß verwendete er noch seine ganze Kraft, um dafür den Herrn zupreisen und von göttlichen Dingen zu sprechen. Durch die Unmöglichkeit, indie er versetzt war, das heil. Meßopfer zu feiern, war er seines größten Trostesberaubt; daher hörte er täglich mehrere hl. Messen und empfing täglich die hl.Communion. Obgleich schwer leidend nahm er sich doch in keinem einzigenPuncte von der Ordensregel aus, was seine Umgebung mit Staunen erfüllte.Die Frömmigkeit, und zwar die Frömmigkeit eines Heiligen, war die Seele