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seines zurückgezogenen, wie seines ganzen früheren Lebens. Alle, die das Glückhatten, Zeugen der letzten Jahre des Seligen gewesen zu sein, sprechen mitRührung von seinen zahlreichen Uebungen der Liebe zu Gott, des Vertrauensauf die unendlichen Verdienste Jesu Christi und auf die Fürsprache der unbe-fleckten Jungfrau Maria, des heil. Joseph, der hl. Apostel und des hl. Alphons,von jener unveränderlichen Sanftmuth, von jenen demüthigen Ausdrücken, wo-mit er für jede, auch die geringste Dienstleistung dankte, von seiner Geduld, diesich immer gleich blieb, von seiner beständigen Ergebung in den Willen desHerrn.
Denselben Tag an dem er das drittemal vom Schlage getroffen wurde,ließ er sich den Gedanken des heil. Franz von Sales mehreremal wieder-holen: „Daß die vollkommene Ergebung in Beziehung auf den Tod, der einegerechte Strafe für die Sünde ist, zugleich auch eine vollkommene Sühnung da-für in Jesu Christo sei." Da der heilige Greis sein Ende nahe glaubte, ver-langte er alle Mitglieder der Communität vor sich vereint zu sehew; doch ver-mochte er damals nicht, zu ihnen zu reden, dafür aber sagte er während derNacht zu dem seiner Mitbrüder, der bei ihm Wache hielt: „Ich wollte ihnengestern Abends empfehlen, immer in der Furcht Gottes zu leben. Versprechen.Sie mir, dieß allen meinen Mitbrüdern sagen zu lassen." Man konnte nichtumhin, bis zu Thränen gerührt zu werden, wenn man ihn das Gebet für die Ver-storbenen aus sich selbst anwenden hörte: „Herr, gib mir die ewige Ruhe, unddas ewige Licht leuchte mir!" Indessen erhörte ihn Gott nicht sogleich und schienzu wollen, ihn noch auf Erden das Fegfeuer der Heiligen durchgehen zu lassen,welches darin besteht, daß er ihnen die Erfüllung der Hoffnung nach dem ver-zögert, wornach sie so heiß verlangen. Das Uebernatürliche bei diesen Prüfun-gen war unschwer zu erkennen; denn während er das Gedächtniß für Alles das,was zeitliche Dinge anbelangt, beinahe gänzlich verloren hatte, hörte man ihnüber göttliche Dinge wie einen wahren Weisen reden, der vom Geiste Gotteserfüllt ist. Bis zu seiner letzten Stunde gab er denen, die ihn über ihrenSeelenzustand zu Rathe zogen, Antworten voll Erleuchtung. Er hörte nicht aus,die Acte der Liebe zu Gott und dem Nächsten zu erneuern, und bat den BruderKrankenwärter, nach dem Beispiele des hl. Alphons, ihm solche Acte der Liebevorzubeten, welche die vollkommensten wären.
Es war hinreichend, in seiner Gegenwart den Namen Maria auszuspre-chen, um allen seinen Zügen den Ausdruck kindlicher Freude zu geben, und eineQuelle in seinem Herzen zu eröffnen voll der glühendsten und vertrauensvollstenGebete. Der Rosenkranz kam nie aus seinen Händen, und das Ave Mariawar das letzte Gebet, das er mit hinsterbender Stimme gesprochen. Er verschiev,getröstet durch die heil. Sacramente der Kirche, ohne Todeskamps in der Vigilvon Allerheiligen des Jahres 1858. — Das ist der Tod eines Redemp-to risten. (Schluß folgt.)
Religion und Industrie.
Es dürfte nützlich sein, bekannt zu geben, was die Vertreter der Industriein Belgien thun, um die moralischen und physischen Zustände der arbeitendenClasse zu heben. Der Vorsteher an den Hochöfen, die an einem berühmtenFlusse liegen, erschrack, als er sein Amt antrat, über die Verkommenheit undStumpfheit, in welcher die Familien der seinen Befehlen Unterstehenden sich be-fanden. Von nun an beseelte ihn nur ein Gedanke, jener nämlich: einer solchenLage abzuhelfen und diese Seelen der menschlichen Gesellschaft wiederzugeben.
Auf einer Reise nach Paris hatte er das Vorhaben, sich an die Oberinder Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul (barmh. Schwestern) zu wenden