Ausgabe 
20 (26.8.1860) 35
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und ihr seine Gedanken vorzulegen. Das den Schwestern dargebotene Schlacht-feld, wo sie ihren Eifer, ihre Ergebung zeigen sollten, war ein ihnen bisher un-bekanntes; es handelte sich darum: ohne Schleier in große, vom Rauche ge-schwärzte Werkstätten, wo eine unermeßliche Hitze herrscht, zu dringen; Männern,die Teufeln gleichen, die süßeste, die sanfteste der Erscheinungen zu bringen; dieErscheinungen von Engeln in Menschengestalt, diesen Menschen in Gestalt vonGespenstern das Licht des himmlischen Lebens zu bringen, ihre Kinder zu lehren,ihre Kranken zu Pflegen und zu heilen.

Nach einigem Unterhandeln wurde das gemachte Programm angenommen,und fünf französische Nonnen sollten sich auf den Weg machen, um die Bewohnervon Kohlendistricten zu civilisiren. Der Vorsteher zauberte gleichsam ein an-ständiges Haus für die barmherzigen Schwestern aus der Erde heraus, und sienahmen es in Besitz. Es sind nun beiläufig fünf Jahre, daß sie ihre Arbeitan den Pforten einer Anstalt, die 2000 Arbeiter zählt, begannen und man kannbestätigen, ohne des Gegentheils überführt zu werden, daß sie die Gegend ganzgeändert haben. Sie halten Mädchenschule, und Abends halten sie Stundenfür die Erwachsenen. Eine 23-jährige Nonne erklärt jungen Leuten die großenWahrheiten unserer hl. Religion, und lehrt ihnen Alles, damit sie hier als voll-kommene Christen, gute und ehrliche Arbeiter und ehrsame Hausväter leben können.

Wird in den Hammerwerken ein Arbeiter, sei es Mann oder Weib, be-schädigt, was da, wo die Dampfkraft in Bewegung ist, nicht selten vorkömmt, sowird er alsogleich zu den barmherzigen Schwestern getragen, wo er mit mütter-licher Sorgfalt gepflegt wird. Frauen von christlichen Vereinen besuchen alleWochen mit einer barmherzigen Schwester die ärmsten Familien und erleichternihnen ihr trauriges Loos.

Ich war Augenzeuge dessen, was die guten Schwestern den Kranken thun,und ich habe mich an ihren Leistungen erbaut.

Wie erhält sich ein so nützliches, patriotisches Werk? Der Edelmann, deres gestiftet, ist von Gott begeistert worden. Zuerst hat er gewollt, daß alleArbeiter Sonntags die heil. Messe hören, und Jene, welche Sorge zu tragenhaben, daß die Oesen nicht erlöschen, treten ihre Arbeit erst um halb 8 Uhr an,nachdem sie vor 6 Uhr ihren Pflichten als Katholiken nachgekommen sind. Auchsegnet ihn die Vorsehung in Allem was er unternimmt. Noch einige solche,vom Geiste Gottes beseelte Jndustriemänner, und die schweren Forderungen derIndustrie wären im schönsten Einklänge mit den Geboten Gottes und der Kirche.

Um nichts zu verschweigen, soll es gesagt sein, daß das Beispiel dieses sofrommen und intelligenten Vorstehers die schönste Frucht, die es tragen konnte,gebracht hat. Es hat sich in Brüssel eine unter den Schutz des Grafen Merusgestellte Gesellschaft gebildet, deren Zweck ist, in den Kohlendistricten von Lüttich ,Brüssel u. s. w. zu überwachen, daß 1. katholische Schulen für die Kinder derArbeiter erhalten werden; 2. Zufluchtsstätten für greise und kranke Arbeiter bestehen.

Diese Schulen und Spitäler sollen so viel als möglich unter der Leitungvon Priestern stehen. Edle und großmüthige Fabrikbesitzer! geht vorwärts,ohne euch von Hindernissen abschrecken zu lassen, Ihr werdet an das Ziel gelangen,Ihr werdet so den großen Bedürfnissen nachkommen.

Ich habe die barmherzigen Schwestern in Mitte dieser von Rauch undSteinkohlen geschwärzten unzähligen Arbeiter betrachtet, und ich habe sie eben soreich an Entsagung und Ergebung, als auf den Schlachtfeldern der Krim gefunden.Es sind immer barmherzige Schwestern; da, wo sie sind, athmet man den Duftder heldenmütigsten Tugenden ein.

Redaction un» Wcrlag: Dr. M. Huttlcr. Druck von I. M. Klein le.