die Ungläubigen hingegen Missionäre begehren, um unterrichtet und getauft zuwerden; aber es sind nicht genug Arbeiter hier für einen so großen Weinberg.Die Pfarren werden durch 500 spanische Mönche aus den Orden des heiligenDominicus, Franciscus und Augustinus besorgt; der Hochw. Hr. Erzbischof, so-wie die drei Bischöfe, deren Hirtensorge dieser Archipel anvertraut ist, sind eben-falls Spanier und auch aus diesen Orden. Es gibt sehr wenige Bewohnerspanischer Abkunft, aber beinahe keine andere als europäische Priester; wohl gibtes indianische, aber dieser einheimische Klerus sowohl hier als in andern Gegen-den ist für mich eine Utopie; er macht dem geistlichen Stande weder durch seinenEifer noch durch seine Tugenden Ehre; ich glaube, daß man dem Lande einegroße Wohlthat erwiese, wenn man diese indianischen Priester durch europäischeersetzen würde. Die Unterhaltsmittel fehlen nicht; im Gegentheil ist der Klerussehr reich; es gibt Seelsorgsstationen, welche eine jährliche Rente von 50—60,000Frcs. eintragen. Die Wohnungen der Priester gleichen Palästen; eine MengeIndianer stehen ihnen zu Diensten, auch besitzt jeder Priester seinen Wagen oderwenigstens ein Pferd zu seinen Reisen.
Damit Sie sich einen Begriff von den hiesigen Zuständen machen können,wird es genügen, Ihnen zu sagen, daß in dem Augustiner-Kloster zu Manillasich hundert Dienstboten zur Bedienung des Hauses befinden. Die Pfarreiensind jedoch noch zu sehr ausgedehnt; es gibt deren, welche über ^40,000 Seelenzählen. Was den Cultus anbelangt, läßt sich nichts Glänzenderes denken; vieleKirchen besitzen sehr hohe Altäre von Silber, und beinahe jede hat ihr eigenesOrchester, denn die Indianer sind große Musikfreunde und man würde schwerlicheinen Marktflecken finden, der nicht gut damit versehen wäre. Auch dürfen Sieetwa nicht glauben, daß diese Indianer in dieser Beziehung mit etwas Mittel-mäßigem zufrieden wären; man führt hier die beliebtesten europäischen Compo-sitionen aus und bedient sich derselben Instrumente.
Am ersten Sonntage im October sah ich hier die Procession, welche, wieauch in Spanien , zur Erinnerung an die Schlacht von Lepanto abgehalten wird.Sie könnten sich nichts Schöneres vorstellen. Dreitausend Personen mit Fackelnin der Hand schritten in zwei Reihen in größter Ordnung und tiefster Stilleeinher; an der Spitze die Männer, dann die Frauen mit einem Marienbilde.Hierauf folgten 15 Fahnen, worauf die Geheimnisse des Rosenkranzes in Goldund Silber gestickt waren; so auch die Bildnisse der Heiligen Vincenz Ferrerius,Pins V., U. F vom Rosenkränze in reichstem Schmucke. Es waren auch Einige,welche auf herrlichen Sänften im Werthe von tausend Francs getragen wurden,auch folgten 2 Compagnien Soldaten mit Fackeln, die einen Einheimische, dieandern Europäer; drei oder vier Militär-Banden, dann der Klerus des Domini-caner-Ordens, des lateranischen Collegiums und jener des heil. Thomas; endlichkam ein Priester, welcher den Rosenkranz laut vorbetete, der vom Volke in größ-ter Andacht nachgesprochen wurde. Ich versichere Sie, daß ich ganz gerührt warbei diesem' erbaulichen Anblicke, und wenn ich dachte, wie Spanien diese ehedemso wilden Völker derart umgestalten konnte, daß sie nun civilisirt, religiös undwohlthätig geworden. An jenem Tage sind in der einzigen Kirche des heiligenDominicus nicht weniger als 5000 Communionen gespendet worden; vier vonunsern Vätern saßen diese ganze Woche Morgens und Abends fortwährend imBeichtstühle, ohne ausruhen zu können.
Die hiesigen Indianer sind sehr fromm; die Frauen tragen das Scapulierund die Männer den Rosenkranz aus der Brust; sobald die Glocke des englischenGrußes ertönt, halten augenblicklich alle Wagen an, und alles Volk verrichtetdas Gebet, und dies überall sowohl in der Calzada als im Prado de Manilla,und da auf dieser Promenade oft zwei- bis dreihundert Wägen fahren, so ist