Ausgabe 
20 (2.9.1860) 36
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göttliche Beziehung, indem Gott sicherlich seine Versprechungen erfüllen wird.Die Zuversicht bedeutet das menschliche Erkennen und Festhalten an der gött-lichen Treue.

Allein der Himmel ist auch klar.

Recht, mein Kind I Er ist klar durch seine reine Bläue. Wolkenverschleiertwäre er grau. So ist des Menschen zuversichtlicher Blick zu Gott ein klarer;sein verzagendes, kleinmüthiges Auge hingegen ein umdüstertes. Doch jetztlaß uns nach Hause gehen!

O Mutter! tief hat sich das Bild dieser Landschaft in meine Seele ge-prägt. Könnte sich es nur ausprägen im Bilde eines wahrhaft tugendhaftenund glücklichen'Menschen!

Noch einmal, liebe Clara! vergiß nur nicht den Himmel! Mit Gott imBunde können wir uns selbst besiegen.

Jesuit und Redemptorist auf dem Sterbebette.

(Schluß.)

Treten wir jetzt au das Sterbebett eines Jesuiten ! Am 26. Februar1858 starb zu Paris L. Ravignan, der ehedem so berühmte Kanzelreduer undvielgesuchte Beichtvater. I>. Ravignan war im Jahre 1793 in Bayonne aus einersehr angesehenen Familie geboren. Seine ersten Studien machte er zu Paris im College Bourbon und widmete sich hieraus der Rechtswissenschaft. Lizentiatgeworden unterzog er sich dem Amte eines Sachwalters am königlichen Ge-richtshöfe in Paris mit so glücklichem Erfolge, daß er schon im 23. Jahre seinesLebens zum Staatsprocurator ernannt ward. Im August 1821 wurde er Sub-stitut des Oberprocurators am Tribunal der Seine, legte aber bereits im Mai 1822! dieses Amt in die Hände des Generalprocurators nieder, um in den Orden derJesuiten einzutreten. Es soll hier nicht von den unglaublichen Mühen undArbeiten die Rede sein, denen dieser demüthige und seelencifrige Jesuit im^ Dienste des Herrn sich unterzogen, auch wollen wir nicht von den gesegneten! und glänzenden Erfolgen sprechen, die er mit Gottes Gnadenbeistand als Predigerund Beichtvater erzielt; wir beschränken uns daraus, nur das erhabeneSchauspiel seines Todes zu erzählen!

Das Hinscheiden Raviguau's war würdig seines Lebens; damit ist Allesin Einem Worte ausgedrückt. Seit langer Zeit waren die Quellen der Existenzwie erschöpft in ihm. Er hatte seine Kräfte mit einem solchen Uebermaß derchristlichen Liebe in seinem Berufe verzehrt, daß ihm nur ein schwacher Hauchdes Lebens geblieben war und daß die Stärke seines Körpers nicht mehr imEinklänge mit der so mächtigen und feurigen Seele stand, die er umhüllte.Schwere Leiden, mit Heldenmuth ertragen, mahnten ihn von Zeit zu Zeit, daßi der Augenblick vielleicht nicht mehr ferne sei, da dieser gebrechliche Leib in Staub

' zerfallen werde.' Der gute Pater setzte jedoch sein erhabenes Amt fort, getheilt

s zwischen dem Wunsche, das Reich Gottes und die Zahl der für den Glauben

^ wiedergewonnenen Seelen durch seine Verdienste zu mehren, und zwischen der

Sehnsuchtaufgelöst und bei Christo zu sein."

> In diesem Zustande fand ihn die Krankheit, die ihn durch lange und! schmerzliche Leiden zur ewigen Glückseligkeit führen sollte. Es war etwa zwei

Monate vor seinem Tode, als er von einem schweren Brustübel befallen, auf'sH Krankenlager sank, um sich nicht wieder zu erheben. Schon in den ersten Tagen

! erkannten die Aerzte die Bedenklichkeit des Uebels und bald erklärten sie den

> Kranken für rettungslos. Die, Erschöpfung der Natur war so groß, daß keine