Ausgabe 
20 (9.9.1860) 37
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hieher kommen würden; wir mußten also warten. Um 8 Uhr führte er unsin eine große Hütte, wo wir wirklich eine große Anzahl Bubis versammelt sahen,aber keine königliche Familie. Es war ganz einfach der Stamm unseres gutenFreundes, den er selbst während der Nacht zusammenberufen hatte; nun setzt ersich selbst ganz majestätisch nieder, und ist bereit mit seinem ganzen Volke unszu hören. Unmöglich ist er zu bewegen, uns weiter zu begleiten, und das ganzeVolk vereint sich mit ihm, um uns aufzuhalten, indem sie uns die Reise nachBa na-pa als mit unübersteiglichen Hindernissen verbunden schilderten. Wirblieben aber unerschütterlich bei unserem Vorhaben, denn die Befehle des heil. Ge-horsams lauteten zu bestimmt. Da wir den guten Häuptling nicht zu unsererBegleitung mehr bewegen konnten, so entschlossen wir uns, die Fortsetzung un-serer Reise über Berg^ und Thal mit unserm armen portugiesischen Wegweiser,welcher ganz verwirrt war, allein zu wagen; wir nahmen also, obwohl mitschwerem und gepreßtem Herzen, Abschied von dieser guten Gemeinde mit demVersprechen zurückzukommen, sobald wir unser Vorhaben ausgeführt hätten. Zu-gleich erinnerten wir uns auch, daß an jenem Tage das Fest der VorstellungMariä im Tempel war, und so empfahlen wir uns ihrem Schutze und jenemunserer heiligen Schutzengel und des heil. Franciscus Taverius, und gingen ge-raden Weges voll Vertrauen vorwärts. Die Reise war zwar etwas abenteuer-lich, dennoch aber recht angenehm, bis auf eine Strecke sehr tiefen Schlammes,der uns zwang, barfuß zu gehen und das Kleid bis zu den Knieen aufzuschürzen;auch war uns diese Begegnung um so auffallender, als es seit Langem schonnicht mehr geregnet hatte. Wir hatten 6 Flüsse zu durchschreiten, bald watend,bald schwimmend, wie wir eben konnten; einmal, als wir einen sehr breiten,aber wenig tiefen Fluß durchwateten, glitschte?. Acevedo ein wenig aus, undstreckte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, die eine Hand aus, in welcherer seine Strümpfe hielt; durch diese Bewegung entschlüpften ihm dieselben undrollten schon im raschen Laufe dem Meere zu; doch unser Dolmetscher eilte ihnennoch zu rechter Zeit nach, und rettete sie; tausend andere kleine Vorfälle trugennicht wenig dazu bei, uns die Beschwerden der Reise zu versüßen. Endlich ge-langten wir nach Ba na-pa, wo wir vom Könige auf das Herzlichste und Freund-lichste aufgenommen wurden. Und hier werde ich aufhören, denn die überseeischenBlätter werden Ihnen die Folgen unserer Erlebnisse mittheilen; es genüge Ihnen,zu wissen, daß unser königlicher Gastgeber sich sehr wohlwollend gegen uns be-weist, und schon ein Haus für unsere Väter bauen läßt. Gott sei gelobt!Alle diese gutmüthigen Bubis lieben uns sehr, bis auf die arbeitende Classe,welche sich entfernt hält. Diese einzige Insel von Fernando-Po würde um 12Missionäre mehr bedürfen; auch die umliegenden von Spanien abhängigen In-seln Corisco und Cabode-San-Juan bedürften ebenfalls Mitglieder der Gesell-schaft. Was ist das für ein Kummer für das Herz eines Jesuiten ! Diese armenInselbewohner rufen zu uns, und wir können ihnen jetzt noch nicht helfen!

Die Lerche und der Adler.

6. Welcher Vogel fliegt am höchsten? fragte Clara ihre Mutter.

Der Adler.

Warum?

Weil er am ruhigsten und stetesten fliegt.

Und andere Vögel?

Die stiegen nicht so hoch, so ruhig und so stet, wie z. B. die Lerche, welchevor ihrem Auffluge ihr Nest in immer höhern Kreisen umschwebt. Dennoch fliegtauch sie so hoch, als es ihre Kraft und die Milde der Luft gestatten.