es gibt ein von Gott getragenes, übernatürliches Leben, das, auf Erden be-ginnend, seine glückseligste Fortsetzung findet im Jenseits. Die Gnade Gottesselbst ist ewiges Leben in Christus Jesus , unserem Heilande. Das ist jenesewige Leben, für dessen Wonne wir hienieden zwar keinen genügenden Maßstabhaben, dessen Herrlichkeit aber der Apostel andeutet, wenn er spricht: „Kein Augehat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es ge-drungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben!"
Und wenn nun der Sohn einer wahrhaft christlichen Mutter vorn Tode derSeele zum Leben der Gnade erwacht in Christus dem Herrn, wer vermöchtedann die Freude eines solch christlichen Mutterherzens zu erfassen, wer solcheiner Mutter nach Gebühr Glück zu wünschen! O deßwegen preisen wir glücklichdie heil. Monica, denn die Seele ihres Sohnes Augustiners war gestorben, dasLeben der Gnade war nicht in ihm, weil er nicht dem heil. Glauben ergebenwar, weder in der Gesinnung, noch im Leben. Der Herr aber hat in seinerunendlichen Barmherzigkeit ihn erweckt vom Tod der Sünde zum Leben derGnade. Und das that er aus das beharrliche Thränengebet der heil. Monica.
Ihr kennet Wohl Alle die Geschichte der heil. Monica, und deßhalb ist esnicht nöthig, näher anf dieselbe einzugehen; wir haben auch an ihrem heutigenFeste zu ihrer Verherrlichung genug gethan, wenn wir ernst ins Auge fassen,daß Monica nicht blos die leibliche Mutter des heil. Augustinus gewesen, daßsie vielmehr Lurch ihr unablässiges Gebet ihn für den Himmel geboren; wirhaben genug gethan zu ihrer Verherrlichung, wenn wir zu erkennen uns bestre-ben, was eine wahrhaft christliche Mutter für die Tugend und das ewige Lebenihrer Kinder vermag, wie glücklich deßhalb auch jeder Mensch ist, demeine wahrhaft christliche Mutter zu Theil wurde. Das sei zunächstder Gegenstand unserer Betrachtung; darauf wollen wir sehen, wie unglück-lich derjenige sei, dem keine wahrhaft christliche Mutter be-schieden war.
l. Als die erste Mutter des Menschengeschlechtes, als Eva ihren Erstge-bornen gebar, rief sie aus: „Ich habe einen Menschen von Gott empfangen!"Auch du, o christliche Mutter, erhältst dein Kind von Gott. Doch — du e hältstdein Kind nicht allein von Gott du erhältst es auch für Gott. Du sollst es.wieder Gott zuführen. Jeder christlichen Mutter gilt das freundliche, einladendeWort des Herrn: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, und wehrt es ihnennicht." Deßhalb hat der Herr der Mutter ein Mutterherz gegeben, auf daß sieihren Beruf, ihre Kinder zu Gott zu führen, auch erfüllen könne. EtwasWunderbares ist es um solch ein Mutterherz. Es hat fast unbedingte Gewaltüber das Kind — sei es zum Guten oder zum Bösen. Das Kind wird gewöhn-lich das, was die Mutter durch Wort und Beispiel aus ihm macht — gut oderbös, selig oder verworfen. So war es schon vor den christlichen Zeiten. WieElisabeth, die Gattin des Zacharias, gerecht vor Gott war, und in allen Satzun-gen und Geboten des Herrn tadellos wandelte, so that es auch ihr Sohn, derh. Johannes; und wie Herodias der Eitelkeit und Sinnenlust ergeben war, soauch ihre unglückliche Tochter, die das Haupt des h. Johannes begehrte. Eszeigt sich hier, was sich uns jetzt noch in tausend Fällen zeigt: die Kinder tretengewöhnlich in die Fußstapfen ihrer Eltern, und ganz besonders in die Fußstapfenihrer Mütter. Es zeigt sich, daß die Zweige heilig sind, wenn die Wurzel heiligist, daß aber auch die Zweige schlecht sind, wenn die Wurzel schlecht ist. Drum,o christlich e Mutter, wie glücklich bist du zu preisen; du vermagst deine Kinderwahrhaft glücklich zu machen — eben weil du ihre Mutter bist. Von dirempfängt ja dein Kind die ersten Wohlthaten. Deßhalb hat es auch an dicheine besondere Anhänglichkeit, hängt mit dankbarer Liebe und kindlichem Ver-