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Als ich durch das Thal des Platastromes reiste, stieß ich auf mehrereFeldlager der Wilden, welche mich dringend baten, ihre Kinder zu taufen. Ichtaufte deren 208. Sie gehörten hauptsächlich zu der Völkerschaft der Pawniesund Bacotoha oder Sioux. Alle nahmen mich mit Zeichen der Freude undHochachtung auf, und äußerten das lebhafteste Verlangen, Schwarzröcke zu ihremUnterricht zu haben.
Die Armee hatte auf ihrem Marsche nach Utah ungefähr die Hälfte desWeges, das ist 1000 Meilen von St. Louis zurückgelegt, als der General Hearnydie Nachricht von dem hergestellten Frieden bei den Mormonen und den Auftragerhielt, nach dem Fort Leavenworth zurückzukehren. Ich kehrte mit ihm zurück,und kam dann nach St. Louis. Ich übergab dem Kriegsminister meine Erklärung,das Amt als Feldcaplan niederzulegen. Meine Abdankung wurde nicht ange-nommen. weil so eben ein neuer Krieg zwischen den Völkerschaften der steinigenBerge und der Regierung ausgebrochen war. Durch den Telegraphen kam mirdie Weisung zu, mich nach New-Dork zu verfügen, und mich dort mit demGeneral Hearny und seinem Generalstabe einzuschiffen.
Am 20. Sept. 1858 verließen wir den Hafen von New-Uork um uns nachAsPinwall zu begeben, das 2000 Meilen entfernt war. Da die Aequinoctialzeitwar, so hatten wir auf der Ueberfahrt bei den Inseln von Bahame einigeStürme und große Windstöße zu bestehen. Wir fuhren eine Zeit hindurch längsder Ostküste der Insel Cuba und sahen einige Vorgebirge von St. Domingound Jamaika . Am 29. passirte ich aus einer guten Eisenbahn die Landenge vonPanama , die eine Breite von 47 Meilen hat. Tags darauf hatte ich das Glück,in der Kathedralkirche von Panama das Opfer der h. Messe darzubringen. Derhochwürdigste Bischof bat michs dringend, mich bei Eurer Paternität zu verwenden,um eine Ansiedlung von Jesuiten zu erhalten. Er drückte den lebhaften Wunschaus, sein geistliches Seminar der Sorge der Gesellschaft Jesu anzuvertrauen.Neu Granada und so viele andere Länder des spanischen Südamerika wärenallerdings ein weites Feld für den Eifer unserer Väter.
(Fortsetzung folgt.)
Der katholische» Kirche Obsorge sür das Leibliche.
6. Bei genauer Betrachtung der katholischen Kirche und ihrer segenreichenWirkungen mag die geringe Zahl ihrer treuen Anhänger im Verhältnisse zurgroßen Menge der Weltdieuer seltsam erscheinen. Der Grund liegt nahe. Wirvergessen der großen Aengstlichkeit um des Irdischen willen gerne der Sorge umdas Himmlische, während vernunftnothwendig in der Wohlfahrt der Seele dieeinzige und wahre Wohlfahrt des Leibes begründet wird. Wirkt nun die katho-lische Kirche das Heil der Seele, dann muß sie auch das Heil des Leibeswirken.
Sie sorgt nun 1) sür das leibliche Heil in steter und inniger Vereinigungmit der Obsorge sür das geistige Wohl zum Unterschiede von der Welt, welchedie Wohlfahrt des Leibes stets im Ausschlüsse oder mit Nichtbeachtung des gei-stigen Heiles zu erstreben sucht.
Eine wichtige Folge dieser vereinten Sorgfalt ergibt sich aus dem Verhält-nisse der Seele zu dem Körper. Die Seele ist unendlich wichtiger, als derKörper. Die Sorge für die Seele muß also stets wichtiger, als jene sür denLeib sein. Darum richten alle Einrichtungen der katholischen Kirche ihr Augen-merk erst auf die Seele, dann auf den Leib. Es ist in keiner kirchlichen Ein-richtung ein Zwiespalt denkbar zwischen der Sorge sür die Seele und jener sür denLeib, eine Oberhand des leiblichen Interesses über das geistige. Denn sonst