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ganzen Reise gaben sie mir fortwährend Zeichen ihrer aufrichtigen Dankbarkeit,und ihre Genauigkeit bei den religiösen Uebungen war für mich eine Quelledes Trostes und der Freude.
Den 21. November kam ich in der Mission vom heiligsten Herzen Jesu an.Des gefallenen Schnees wegen mußte ich daselbst bis zum 18. Februar 1859verbleiben. Während dieser Zeit schneite es mehr oder weniger durch 43 Tageund 43 Nächte; 7 Tage hatten wir Regen, 21 Tage trübes Wetter, und 16Tage war das Wetter heiter und hell. Ich verließ die Mission am 18. Februarmit dem hochw. 1> Joset, der mich begleitete, bis wir mit dem hochw. U. Hoeckenzusammentrafen, der uns auf dem Flusse bis Klark oder Pends d'oreille ent-gegenkam. Eis, Schnee, Regen und Winde verzögerten sehr unsere Reise, diewir in schwachen Kähnen von Baumrinde auf den Flüssen und großen Seen zumachen hatten. Oft waren wir in Gefahr durch die Strömungen und Wasser-stürze umzukommen, von denen der Fluß Clarke besäet ist. Ich habe aus einemWege von 70 Meilen deren 34 gezählt. Ueberall fanden wir kleine Feldlagerder Indianer in ihren Winterquartieren. Beim Herannahen dieser Jahreszeitsind sie in der Nothwendigkeit, sich in kleine Parthien zu theilen, und sich inWäldern und längs der Flüsse und Seen aufzuhalten, wo sie von der Jagd undvom Fischfänge leben. Sie nahmen uns überall mit dem größten Wohlwollenauf, und trotz ihrer äußersten Armuth theilten sie doch gern mit uns ihren klei-nen Vorrath an Lebensmitteln. Sie benützten unsere Anwesenheit auf das Eif-rigste, um dem Unterrichte, den wir ertheilten, und der heil. Messe, sowie denAndachtsübungen Morgens und Abends beizuwohnen, die wir abhielten, so vieles die Umstände erlaubten.
Am 11. März kam ich in der Mission von St. Jgnaz bei den Berg-bewohnern von Pends d'oreilles an. — Als die Kocktanois, Nachbarn derPends d'oreilles, meine Ankunft erfahren hatten, machten sie einen Weg vonmehreren Tagreisen mitten durch den Schnee, um mir die Hand zu drücken,und ihre kindliche Dankbarkeit auszusprechen. Ich war der erste Priester, derihnen das Wort Gottes verkündet hatte, und hatte alle ihre Kinder und Erwach-sene getauft. Sie kamen jetzt mit einer bewunderungs- und der ersten Christenwürdigen Einfalt und Demuth, um mich zu versichern, daß sie dem Gebet, dasheißt der Religion, getreu geblieben sind, und allen guten Lehren, die sie erhal-ten haben. Alle Väter ertheilten diesen guten Wilden das größte Lob. Esherrscht bei ihnen in voller Blüthe die brüderliche Einigkeit, evangelische Einfalt,Unschuld und Friede. Ihre Ehrlichkeit ist so groß und bekannt, daß der Gast-wirth, wenn er sich manchmal für einige Wochen entfernt, sein Haus und seineLorrathskammer offen stehen läßt. Die Indianer kommen und bedienen sich selbstdessen, was sie gerade nöthig haben; und wenn der Wirth zurückkehrt, bezahlensie auf das getreueste, was sie zum Gebrauch genommen haben. Er hat mirdlbst erklärt, daß er bei dieser Gattung von Handelschaft niemals verkürzt wer-fen sei, auch nicht um den Werth einer Stecknadel.
Am 18. März begab ich mich mitten durch den Schnee in das Thal St. Marie,das 70 Meilen weit entfernt war, um meine ersten und ältesten geistlichen Kin-der in den Bergen wiederzusehen, die armen und verlassenen Tetes-plates. Siewaren sehr erfreut zu hören, daß Eure Paternität sich ihr geistliches Wohl zuHerzen nehme, und die Absicht haben, die Mission wieder besorgen zu lassen.Ihr oberster Vorsteher versicherte mich, daß sie seit der Abreise der Väter nichtaufgehört haben, sich Morgens und Abends zu versammeln, um ihr Gebet zu ver-richten, zur gewöhnlichen Stunde zum englischen Gruße zu läuten, und an denSonntagen sich einzufindeu, um den großen Tag des Herrn zu feiern. Um nichtzu lange zu werden, gehe ich nicht in eine ausführliche Schilderung ein überden gegenwärtigen Zustand dieser kleinen Völkerschaft. In Abwesenheit ihrer
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